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Conscious Art - die Geburt der KreativitätMeera, was heißt das für Dich - kreativ zu sein? Kreativität ist Deine Art zu wachsen, Dein Weg?
Wenn wir spielerisch werden, erscheint plötzlich eine einmalige Qualität und Schönheit. Je mehr du in diesem Reich des unschuldigen Ausdrucks Wurzeln schlägst, desto mehr wächst dein innerer Raum und gestattet dir, auch dein Unbewusstes zu sehen. Denn um in deine unbewussten oder problematischen Winkel sehen zu können, benötigst du Energie und Kraft. Andernfalls laugt dich das aus. Also stellen wir uns der Dunkelheit nicht unmittelbar. Wir arbeiten hauptsächlich daran, das vergessene Reich der Freiheit, Unschuld und Ausdrucksfreude in uns freizulegen, Verbindung aufzunehmen mit dem Mysterium der Natur um uns her. Und so geht das dann immer hin und her. Mit anderen Worten: Erst arbeiten wir an der bewussten Seite und die fängt dann an zu wachsen und dann sagst du dir: "Okay, jetzt will ich mir endlich mal das-und-das genauer anschauen, wovor ich mich bisher immer so gedrückt habe." Im Grunde weißt Du ja, dass du nicht nur aus Dunkel, aus Unbewusstheit bestehst. Wenn du dir also deine Problemecken ansiehst, ist das eher wie Tuchfühlung aufnehmen mit deiner inneren Wahrheit, statt irgendwelche Probleme zu lösen. Für mich ganz wichtig dabei ist, dass wir als Menschen gemeinsam wachsen müssen. Damit wird unsere bewusste Seite genährt, und wenn wir von da aus in unsere dunklen Ecken schauen, ist das mehr wie Unkrautjäten - damit dein inneres Wesen wachsen kann. Was ich damit meine ist so etwas wie Blumen begießen - es gibt den Schaffenskräften Nahrung. Und das Unkrautjäten ist die therapeutische Seite. Unsere Art zu malen hat nichts mit dem Erlernen einer Technik zu tun oder mit dem Abkupfern der Natur oder damit, irgendwelchen Ideen Ausdruck zu geben. Nein, es ist mehr wie ein Einladen des meditativen Zustands. Und das läuft über Nichtdenken. Nur so kommst du mit einem Bereich in Kontakt, wo du dich entfalten kannst. Dadurch wird alles spontan und einmalig. Und hier liegt der Wert von Kunst: in ihrer Einmaligkeit. Wir denken immer am Bekannten entlang - damit es uns irgendwie Sinn macht. Aber da schlägt unsere Taktik, mit Wasserfarben auf dem Fußboden zu malen, unserer Denkroutine einfach ein Schnippchen: mit viel Wasser Wieso das? Weil Wasser nur seinen eigenen Gesetzen folgt. Wir haben keine Kontrolle darüber, wie und wohin es fließt. Auf diese Art laden wir einfach mehr das Unvorhergesehene ein. Was mich wirklich interessiert ist, wie wir auf jede neue Situation eingehen. Wasser kann dich in sehr gefährliche Situationen bringen. Da kannst du die größten Überraschungen erleben. Da kommt es ganz darauf an, wie du dich der Situation stellst. Vor allem wenn's gefährlich wird. Und Schönheit ist nicht zuletzt auch gefährlich. Kannst Du dafür ein Beispiel geben? Wenn du z.B. in eine Situation gerätst, die dermaßen schön ist... Du erkennst, wie dein Bild plötzlich so schön aussieht, dass du es nicht mehr anrühren möchtest, oder du triffst einen schönen Mann oder du lernst eine Schönheit kennen, in die du gar nicht erst tiefer eindringen möchtest, vor Angst, die Schönheit könnte darüber verlorengehen... Schönheit kann zu einer Art Investition, einem dicken Bankkonto werden. Wir fahren immer alle dermaßen aufs Oberflächliche ab, dass wir gar nicht erkennen, dass es sich gar nicht um Schönheit handelt.Die wahre Schönheit liegt in unserer eigenen Wahrheit. Das ist im Grunde, was wir in unseren Kursen vermitteln. Und genau da unterscheiden wir uns von anderen Kunstschulen. Wir lehren Schönheit nicht auf direktem Wege - das wäre technisch. Für mich tritt wahre Schönheit in dem Moment ein, wo die Person, die etwas geschaffen hat, in Ehrfurcht vor ihrem Werk dasteht. Denn was aus dem Reich des Nichtdenkens kommt, das kommt als Überraschung. Du stehst plötzlich vor einem Mysterium. Lass uns ein wenig über dein praktisches Lehren reden, wie Du das konkret machst. Kannst Du etwas näher auf die technischen Einzelheiten oder Deine Methoden eingehen? Wir malen auf dem Fußboden, auf handgeschöpftem Papier aus Indien, mit Acryl-Wasserfarben und farbigen Tuschen. Das handgeschöpfte Papier ist rein organisch und gibt eine unglaubliche Struktur ab. Dieses handgemachte Papier erlaubt einem, mit mehreren Farbschichten zu experimentieren, und das verleiht eine gewisse Tiefe und einen Anflug von Rätselhaftigkeit. Ich benutze selbst ausschließlich dieses indische Papier. Ich habe zwar Ölmalerei studiert, aber seit ich Osho getroffen habe, bin ich völlig neue Wege gegangen und benutze nur dieses Papier. Die Begegnung mit Osho hat meine Kunst völlig umgekrempelt. Jetzt ist sie viel spielerischer und experimenteller, mehr so, dass ich ständig neue Überraschungen erlebe. Wenn du im gegenwärtigen Augenblick bist, bist du vollkommen unschuldig und bereit, jedwede Richtung einzuschlagen. Gegenwärtiges Sein kennt nicht die Angst, irgendwas darzustellen, irgendwo hinzugelangen, sondern jubelt über diesen Augenblick, kostet ihn aus in seinem vollständigen Glanz. Und meine Hand ist bereit, in jede beliebige Richtung zu gehen. Das ist aber nur die eine Seite. Je mehr du beobachtest, dein Inneres wächst, desto mehr sind deine Augen bereit, alles ganz so zu sehen, wie es ist. Wenn du also im Auge behältst, was sich auf dem Papier alles abspielt, einfach ohne alle Erwartungen, und zusiehst, wie sich die Farben unter dem Einfluss des Wassers verändern, dann merkst du plötzlich, wie du mit etwas in Berührung kommst, das du zum Ausdruck bringen wolltest. Plötzlich erinnerst du dich deiner Sehnsucht nach Ausdruck. Genau so, wie du gedankenverloren etwa den Vollmond oder einen schönen Sonnenuntergang betrachtest und dich urplötzlich der Drang überkommt, dies auszudrücken. Einfach nur Zuschauer zu sein hilft einem, etwas ganz Einmaliges zu entdecken. Als wir noch kleine Kinder waren, war alles einfach so, wie es ist. Diese unfixierte Art, sich alles ohne Vorurteil anzusehen... das ist wirkliche Kunst. Und genau damit arbeiten wir. Nur auf diese Art und Weise kannst du in die neue Dimension der Kreativität hinein wachsen. Bei Dir wird doch auch viel getanzt, oder? Verrate mir, warum das wichtig ist. Tanz ist alles. Tanz bringt dich in deinen Körper, wirft dich aus dem Denken heraus, verbindet mit dem Unaussprechlichen. Tanz verbindet mit der Lebensfreude. Da hast du also die besten Chancen, ins Reich des Nichtdenkens hineinzukommen. Manchmal fordere ich die Leute auf, während sie tanzen zu malen oder beim Malen zu tanzen. Damit der Verstand seinen Griff lockert und dich nicht so versteift. Denn der Verstand ist immer auf der Lauer. Also lassen wir uns alles mögliche einfallen. Manchmal lade ich die Leute ein, im Stehen zu malen. Wir stellen Situationen her, in denen alles von allein geschehen wird. Du hast dich ja sehr mit Zen auseinandergesetzt. Was heißt Zen für dich? Zen ist eine ganz besondere Einstellung zur Natur und zum Leben überhaupt: Nicht darüber nachzudenken, sondern es zu werden. Du intellektualisierst die Dinge nicht, du versuchst nicht, sie über den Verstand zu verstehen. Du tauchst in sie ein, du lebst sie mit all deiner Energie, und in dieser Rückhaltlosigkeit entdeckst du deine Spiritualität. So gehe ich das Malen an. Mir geht es darum, auf direktem Weg zur Mitte vorzudringen - zur Seele und dem Wesen der Existenz. Nicht Zuschauer zu sein, der beobachtet, sondern eins zu werden mit dem, was ich malen möchte. Ein Baum, ein Windhauch, eine blühende Blume zu werden. Aus dieser Erfahrung heraus kommen dann meine Bilder zur Welt. Wenn ich male, mache ich keinen Unterschied zwischen dem, was ich vor mir sehe, und mir, der Person, die das sieht. Alles wird einbezogen, innen wie außen, all diese Energien werden eins. Wenn ich mich darauf einlasse, mich darin auflöse, offenbart sich mir plötzlich das Wesen, die Form, der Fluss, die Schönheit, der Tanz, der ganz einmalige Ausdruck von Energie in der Kommunion zwischen mir und dem Baum oder der Blume oder dem Wind. Oder anders gesagt: Wenn ich leer bin und innerlich empfänglich, dann nimmt meine Energie am Blühen der Natur teil. Meinetwegen kann man das auch "Inspiration" nennen. Ich nenne das "Antrieb" - schöpferischen Antrieb. Die meisten Künstler neigen dazu, wenn sie ausstellen und sich dem Geschmack der Öffentlichkeit fügen, sich auf bestimmte Muster und Stile festzulegen. Sie engen sich damit selber auf genau das ein, was Erfolg hat. Denn dann gibt's kein Risiko. Aber damit hemmen sie alle Kreativität, alles Forschen und Neue. In meinen Trainings und Gruppen habe ich schon Abertausende zum Malen hin geführt, und daher weiß ich, dass jeder seine unverwechselbare Art hat, sich durch Malen auszudrücken. Aber unsere ganze Erziehung und Prägung treibt uns das aus und trichtert uns dafür fixe Ideen ein, was Malen sei. Und danach entscheiden wir dann: "Der und der hat Talent, der und der hat keins." Ich möchte, dass Kunst etwas gewöhnlicher wird, mehr Platz einnimmt im Leben der Menschen, und so ermuntere ich die Leute, einfach zu malen wie ein Kind. In den ganz frühen Jahren weiß die kindliche Kreativität noch von keiner Angst, keiner Sorge darum, was die andern wohl meinen und finden könnten. Das Kind will einfach nur seinen Spaß haben. Und das ist genau der richtige Ausgangspunkt: Den Leuten zu helfen, ihre ursprüngliche Ausdrucksfreude wieder zu finden. Wenn du erstmal mit deinem natürlichen Schöpfertum in Berührung gekommen bist, entfaltet es sich einfach. Wenn du erstmal die Angst los bist, dass das, was du da machst, verkehrt sein könnte, geht das Abenteuer los. Oft bordet diese neue und aufregende Erfahrung, malen zu können, auch in andere Lebensbereiche über. Zum Beispiel berichten mir viele Berufstätige, die eine meiner Gruppen oder Trainings mitgemacht haben, dass dadurch ihr eigenes Arbeitsgebiet regelrecht ausgeweitet hat, dass sie sich wie neugeboren fühlen und mit frischen Augen jetzt überall ganz neue Möglichkeiten entdecken. Mit einem Wort: Bei mir dreht sich alles um primäres Malen - ein revolutionärer Ansatz. Damit habe ich schon Tausenden geholfen, die Kunst des abstrakten Malens zu erlernen, ohne sich erst Jahre auf Kunstakademien mit irgendwelchen Techniken herumschlagen zu müssen. Einfach indem sie zu der Unschuld ihrer Kindheit zurück kehren, entdecken sie die Verbindung zwischen Meditation und künstlerischem Ausdruck. Und wenn der Verstand leer ist, wird der Ausdruck zwangsläufig sowohl ursprünglich und schön.
Das Interview wurde für die aktuelle Ausgabe der Oshotimes (Mai 2001) geführt und ist dort in voller Länge nachzulesen. Wir danken für die Abdruckgenehmigung! Weiterführende Links: | |
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