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Das Lebens- und Arbeitsprojekt Dragon WorksDie Energien im Fluss haltenAnja, Annett und Roman teilen viele Bereiche des Lebens miteinander. Seit sechs Jahren arbeiten und leben sie zusammen. Der Hauptaspekt ihrer Lebensgemeinschaft ist ihr Projekt Dragon Works "Ganzheitliche Bewegungs- und Heilungsarbeit" mit eigenen Räumen im Akazienhof. Außerdem führen Anja und Annett ein Grafik-Büro in der gemeinsamen Wohnung. Wie funktioniert eine derartige Arbeits- und Lebensgemeinschaft? SEIN hat nachgefragt. Ihr arbeitet nicht nur zusammen, sondern lebt auch in einer gemeinsamen Wohnung. Was hat euch bewogen, dieses Experiment zu wagen?
Wie geht ihr mit Konflikten um? Die Grundregel ist, dass jeder von uns als erwachsener Mensch die Verantwortung dafür trägt, seine Meinungen und Bedürfnisse zu vertreten. Da bei drei Personen noch alles recht überschaubar ist, bemühen wir uns, Unstimmigkeiten möglichst spontan zu klären. Da wir fast jeden Tag die Mittagspause zusammen verbringen, gibt es spätestens dann immer die Möglichkeit, Erlebnisse auszutauschen und gemeinsam darüber zu reflektieren. Wichtig ist uns dabei auch, das Gegenüber immer als unabhängigen Erwachsenen zu behandeln und selbst diesen Respekt von den anderen auch einzufordern. Jeder hat also die Verantwortung, mit sich und seinen Emotionen klarzukommen. Bei Kontakten untereinander bemühen wir uns, dass Geben und Nehmen sich ausgleichen - so werden kindliche oder auch elterliche Projektionen und Abhängigkeiten vermieden. Wichtig ist bei diesen Auseinandersetzungen und Klärungsprozessen, lösungsorientiert zu bleiben, das heißt, die Verantwortlichkeit herauszuarbeiten und nicht die Schuld. Alles, was geschehen ist, ist vorbei, die Gegenwart ist der Moment der Begegnung und hier liegt auch die Chance auf eine Verbesserung der Lebensqualität in der Zukunft. Viel Gewicht hat bei diesen Lösungen auch immer die Praxistauglichkeit, denn hohe Idealvorstellungen brauchen viel Zeit, um sich auch in der Realität zu verwirklichen. Es macht deshalb keinen Sinn, an ihnen festzuhalten und dann an den Umständen der Realität zu scheitern. Mit welchen Schwierigkeiten hattet und habt ihr besonders zu kämpfen?
Wirken sich private Unstimmigkeiten auf euer Arbeitsverhältnis aus? Es ist immer schwierig, miteinander zu arbeiten, wenn ungelöste Konflikte die Stimmung belasten. Wir bemühen uns deshalb möglichst früh, Unstimmigkeiten auszusprechen und so die Atmosphäre zwischen uns sauber zu halten. Es hilft dabei auch sehr, dass wir uns auf so vielen verschiedenen Ebenen immer wieder begegnen, sei es beim miteinander Tanzen, beim Freikampf im Kung Fu Training, beim gemeinsamen Trommeln und Singen, dem energetischen Fließen der Bewegungen beim Qi Gong oder der therapeutischen Arbeit in der Familienaufstellungsgruppe. Es enstehen immer wieder intensive Kontakte jenseits der alltäglichen Themen, die die Energien zwischen uns frisch und im Fluss halten.
Wir haben immer die Techniken genutzt, die wir bei Dragon Works entwickeln und üben, um eine funktionierende Struktur in unserer Lebensgemeinschaft aufzubauen - von Körper- und therapeutischer Arbeit bis zu Ritualen und Lösungssätzen des Familienaufstellens. Es ist Teil unseres ganzheitlichen Weltbildes, uns als energetische Wesen zu erkennen und möglichst bewusst und effektiv mit diesen Energien umzugehen. Dabei sind die Strukturen und Techniken, die wir in unserem Kontakt zueinander benutzen, kurzfristig ein Hilfsmittel, das das Fließen der Energie verstärkt und schützt, sich aber langfristig den individuellen Begabungen und Fähigkeiten der Persönlichkeit unterordnet. Was sind die Voraussetzungen, damit Gemeinschaft funktioniert? Die psychische Stabilität der Mitglieder einer Gemeinschaft und die Fähigkeit, allein stehen zu können, ist ausschlaggebend für die Stabilität des Ganzen, da das Zusammensein nur begrenzt Halt und Orientierung bieten kann. Wenn die Mitglieder zu viel von der Gemeinschaft erwarten, wird es kritisch.
Wir teilen die Fixkosten des Wohnens und die gemeinsamen Anschaffungen untereinander auf, ansonsten arbeitet jeder für die eigene Kasse. Das hat sich so herauskristallisiert, da jeder seine eigenen Vorstellungen von Lebensqualität und Luxus hat. Wir hatten mit einer gemeinsamen Kasse vor sechs Jahren angefangen, aber dieses Modell war zu eng. Anja, wie erlebst du die Situation, mit einem Paar zusammenzuleben? Anja: Es ist schön, mit zwei Menschen zusammenzuleben, deren Beziehung lebendig ist, und zu sehen: So etwas gibt es doch. Roman und Annett sind für mich aber auch zwei eigenständige Personen, zu denen ich jeweils einen individuellen Kontakt habe. Und natürlich berührt es mich manchmal, direkt vor Augen zu haben, was ich mir für mein Leben auch wünsche. Ist eure Lebens- und Arbeitsgemeinschaft auf Dauer angelegt, oder: Wo seht ihr euch in zehn Jahren? Wir sind alle drei sehr zufrieden mit unseren Lebenssituationen und sind gespannt, wie sich unsere Gemeinschaft in den nächsten Jahren weiterentwickeln wird. Viel Veränderung wird bestimmt entstehen, wenn Anja einen Partner findet - ob wir dann zu viert zusammenwohnen oder als zwei Paare in benachbarten Wohnungen oder auch ganz anders, wird sich zeigen. Wir werden wie auch bisher versuchen, eine Struktur zu finden, die der Lebendigkeit jedes einzelnen Mitgliedes unserer Gemeinschaft gerecht wird.
Autoren Info
Dragon Works Ganzheitliche Bewegungs- und Heilungsarbeit im Akazienhof Infos: Tel.: 789 53335 Jeden Samstag Rauchfrei Tanzen von 21 - 24 Uhr: wieder ab Frühjahr 2009 | |