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Die Seele im UnternehmenWas macht die Seele eines Unternehmens aus?Könnten Sie sagen, was den Unterschied ausmacht zwischen Lidl und dem inhabergeführten Bioladen nebenan? Könnten Sie sagen, warum die Computerfirma Apple, einst totgesagt, erfolgreicher ist als andere der Branche? Verstehen Sie, warum alle Bionade trinken? Oder warum quadratische Schokolade seit fünfundzwanzig Jahren lieber gegessen wird als rechteckige? Was hier wirkt, nenne ich „die Seele eines Unternehmens". Was ist das, die „Seele des Unternehmens"?
Wie bei uns Menschen ist auch bei Unternehmen die Seele das, was den Wesenskern trägt und in Kontakt mit dem Gesamten steht. Wenn der Wesenskern lebendig und sichtbar ist, entsteht Authentizität. Echtheit. Das TUN entspricht dem SEIN. Es ist Voraussetzung dafür, dass Menschen sich mit dem Unternehmen identifizieren: Wenn die Idee des Unternehmens sich fortsetzt in den Unternehmensaktivitäten, wird es erkennbar und vertrauenswürdig - Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter/innen haben einen inhaltlichen Bezugspunkt. Dabei sei gesagt, dass die Erwirtschaftung von Umsätzen KEIN lebendiger Inhalt ist. Vielmehr handelt es sich hier um eine Existenzvoraussetzung. Unseren Erwerb müssen wir alle irgendwie verdienen. Aber eben wie wir das tun - und wie gut das in Einklang mit unserem Wesen steht, das macht die Wirkkraft unseres Tuns aus - ist authentisch oder nicht - hat Seele oder nicht. Ebenso wichtig für die Seele des Unternehmens wie der Kontakt zum eigenen Wesen ist die Verbundenheit mit dem Ganzen. Auf Neudeutsch heißt diese Verbundenheit „Corporate Social Responsibility" - „Unternehmerische Verantwortung für die Gesellschaft". Kann ein Unternehmen Verantwortung übernehmen?Ich würde sagen: nein. Nicht direkt. Denn Verantwortung ist etwas Persönliches - sie nimmt Bezug auf ein gemeinsames Thema zwischen dem, der ein Bedürfnis hat, eine Frage stellt, und dem, der sie beantwortet. Hier geht es um Einander-Wahrnehmen, Sich-zuständig-Fühlen, Für-einander-Dasein. Hier fällt mir ein Unternehmen ein, das seine Seele wiederentdeckt hat. Und außerordentlichen Erfolg hat: Betapharm. Der ehemalige Ciba-Geigy-Manager Peter Walter war zutiefst frustriert über den Umgang mit Menschen in den Großunternehmen und die Käuflichkeit, die die gesamte Branche beherrschte. Er wollte zeigen, dass man auch mit Anstand, Offenheit und Fairness gegenüber den Mitarbeitern Erfolg haben kann. Mit wenigen Mitarbeiter/innen, die den enorm kontrollierten und hochprofitablen Pharmamarkt aufbrechen wollten, verdiente Betapharm bereits nach vier Jahren rund 38 Mio €. Ohne „Werbegeschenke" an Apotheker und Ärzte. Doch die „Seele des Unternehmens" bestand noch allzu sehr aus Gegen-Intentionen - die Abwehrstrategien der Pharmariesen begannen zu wirken. An diesem Wendepunkt begegnete Peter Walter dem Bunten Kreis - eine gemeinnützige Nachsorgeeinrichtung, die sich für ganzheitliche Gesundheitskonzepte einsetzt. Zuerst gab Betapharm nur einen Teil seiner Umsätze an den Bunten Kreis ab. Doch Jahr für Jahr setzte sich die Seele des Helfen-Wollens, der Menschlichkeit in der Medizin, die Verbindung von Menschen als Heilmittel mehr und mehr im Unternehmen und seinem Leistungsportfolio durch. Betapharm wurde selbst Initiator von Nachsorgekreisen, Care-Systemen und sozialpolitischem Engagement. Eine Seele ist nicht standardisierbar
Dieses Beispiel zeigt, dass eine spürbare Seele nicht unbedingt etwas mit „Rundum-Korrektheit" zu tun hat. Dann müsste man die Pharmabranche in Frage stellen, wir müssten die starke Umsatzorientierung von Betapharm kritisieren oder bestimmte Produkte, die sie im Sortiment haben. Kein Mensch - und auch kein Unternehmen - kann alle Zusammenhänge zugleich überschauen und dabei sein Umsystem - Lieferanten - und Konsumentenverhalten - in der Seele berühren. Aber es kann dafür sorgen, einen Traum zum Ausdruck zu bringen, den Einzelne - meist Gründer und Führungskräfte - teilen und fördern. Und es kann sich in Resonanz mit Akteuren außerhalb des Unternehmens begeben, sein Portfolio und seine Prozesse ein Stück weit öffnen für die Entwicklung zusammen mit dem Umfeld. Die Seele eines Unternehmens hat nichts mit dem Geschäftsmodell zu tun. Daher ist sie auch nicht „imitierbar". Die Seele des Unternehmens hat auch nichts mit Leitbild-Workshops oder Teambildung zu tun. Die Seele eines Unternehmens ist auch nicht standardisierbar, denn die Seele des Unternehmens ist ein Resonanzprinzip, das bewusst wahrgenommen und entwickelt wird. Resonanz mit dem eigenen Traum (daher: persönlich) und Resonanz mit Menschen, die diesen Traum teilen und gemeinsam realisieren wollen. Geschäftspartner und Investoren, Mitarbeiter und Kunden, eine ganze Gesellschaft. Dieses Resonanzprinzip zu entwickeln, funktioniert nicht nach den bekannten Prinzipien der Strategie- und Organisationsentwicklung. Sie erfordert ein vollkommen verändertes Verständnis von Wirtschaft und systemischer Entwicklung, die bei Einzelnen beginnt und aus der Einsicht folgt, dass persönliche Integrität die Voraussetzung für Sinn ist und Sinn die Voraussetzung für Erfolg.
Woran erkenne ich die „Seele eines Unternehmens"?Sie können sie erspüren. Mit Ihrer eigenen Seele. Und es gibt „Symptome", die sie auch mit ihrer rationalen Wahrnehmung erkennen können:
Ich fragte Sie eingangs aus Konsumentensicht nach der Seele des Unternehmens. Bitte vergessen Sie nicht: Die Seele eines Unternehmens - und die Seele unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems beginnt bei Einzelnen, ihrem Mut, zu ihrem Traum zu stehen, und ihrer Flexibilität, den eigenen Traum in die Dynamik eines Dialogs zu geben.
Autoren Info
Evelin Rosenfeld ist Authentizitäts-Coach und Managementberaterin für Wertebasiertes Management in Berlin. 1. Bild: © bluemap-fotolia.com |
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