Sie befinden sich hier: Startseite ›› Archiv ›› 2009 ›› Januar 2009

Guerilla Gardening - urbane Kampfbegrünung in der Großstadt

Nackte Baumscheiben und verwilderte Baubrachen sind die „Opfer“ dieser neuzeitlichen Guerilla-Krieger. Ihre Waffen? Blumenzwiebeln, Samenbomben, Gießkanne und ein Spaten.


Ja, der Berliner an sich ließ noch nie etwas auf seinen heißgeliebten Schrebergarten kommen, der in so manchen Hungerzeiten überlebenswichtig war. Seit einigen Jahren schwappt ein politisch-ökologischer Gärtner-Trend aus Großbritannien zu uns herüber und führt dazu, dass Dr. Daniel Gottlob Moritz Schrebers geistige Ur-Ur-Enkel wieder beherzt zu Saatgut und Harke greifen - allerdings abseits der beengenden Reglementarien von spießig anmutenden Kleingartenkolonien.

Das allwissende Wikipedia definiert „Guerilla Gardening", indem es die Bewegung oberflächlich in zwei Gruppen unterteilt. Zum einen gibt es Guerilla-Gärtner als politisch motivierte Protestform. Hier wird „ziviler Ungehorsam" gegenüber dem Staat und seinen Organen im heimlichen Pflanzen, Begrünen und Ausbringen von Saaten - an ungewöhnlichen oder tristen Stellen mitten in der Stadt - zum Ausdruck gebracht. So kann es passieren, dass eine graue Straße über Nacht plötzlich blüht. Oder dass sich Knöterich an schmutziggrauen Mauern entlangrankt.

Die zweite Gruppierung ist eine ideologisch eher von der Öko-Bewegung inspirierte Form des Wildgärtnerns. Sie kämpft für eine lebenswertere Umwelt in der Großstadt und für die daraus entstehenden sozialen Netzwerke. Das Konzept von urbaner Selbstversorgung (im Gegensatz zur Hippie-Bewegung in den 70ern, die ihr Glück allein in den ländlichen Kommunen sahen) ist zum Teil auch durchaus ein Gegenentwurf zu einem städtischen Leben in voller Abhängigkeit von Supermärkten und ein Protest gegen große Saatkonzerne wie Monsanto. Bei dieser Form der urbanen Landwirtschaft werden ganze Baubrachen annektiert, für alle Bürger offene Gemeinschaftsgärten angelegt, Nutzpflanzen kultiviert und zum Beispiel in Hochbeeten aus alten Autoreifen in Hinterhöfen Kartoffeln gezogen. Hier weiß man dann zumindest, dass das eigene Gemüse weder durch Bestrahlung geschädigt noch gentechnisch verändert wurde.

Natürlich gibt es bei den Garden-Guerilleros auch Mischformen. Umweltaktivisten, Anarchisten, Spät-Hippies, Alternative und ganz normale Durchschnittsbürger finden sich in der Gefolgschaft dieser Bewegung mit dem grünen Daumen. Beiden ist gemein, dass sie - wie echte Guerilla-Krieger - eher selten die direkte Konfrontation nutzen. Das Medium zu Organisation und Austausch von Informationen ist zu einem Großteil- wie könnte es heutzutage auch anders sein - das Internet.

Das Baumhaus an der Mauer

Spricht man von spontanen Begrünungsaktionen in Berlin, fällt unweigerlich früher oder später der Name dieser inzwischen sogar touristischen Attraktion: