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Sein Redaktion
Samstag
13. März |
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Wo bitte bleibt die Konsequenz?Ein Resümee unserer sozialen WirksamkeitDas Verstehen der Gründe für die aktuelle politische, soziale und ökologische Krise ist eine Sache. Daraus die Lehren zu ziehen und auf neue Art zu handeln eine andere. Denn Konsequenz ist oft unbequem. Simon Junge legt den Finger auf diese Wunde und zeigt am Beispiel einer landwirtschaftlichen Versorgergemeinschaft auf, wie sich die Verzweiflung an gesellschaftlichen Gegebenheiten nutzen und in ein konkretes Projekt umsetzen lässt.
Konstruktive DynamikUm jetzt diese Schrift nicht zum bloßen Aufsatz verkommen zu lassen, sei vorweggenommen, dass es mir eigentlich darum geht, einen Ansatz zu finden, in dem gerade erreicht werden kann, dass wir in eine konstruktive Dynamik kommen. Ich muss nur erst feststellen, dass zwischen unserer Gesinnung und unserem tatsächlichen Tun eine Lücke klafft. Dies ist ein Vorwurf! Wir sind Teil des Problems! Wir können die Ansprüche aus unserer Gesinnung im Alltäglichen nicht erfüllen. Wir sind sozial inkonsequent. Als Begründung sind wir gewohnt auf die Verhältnisse zu verweisen, die uns zwingen, so oder so zu handeln. Das will ich auch unumwunden zugeben: Ja, die Verhältnisse zwingen uns. Wir haben es nicht nur mit mangelndem Willen zu tun, sondern auch mit einer echten Not, mit einem Mangel an Alternativen. Über seine eigene Faulheit sei sich jeder selbst Rechenschaft schuldig. Hier soll es nur darum gehen, was man tun kann, wenn man bereits gewillt ist, sozial konsequent zu handeln.
Naturnahe und soziale Landwirtschaft
Gezielt Geld ausgebenEs geht also nicht um Wohltätigkeit, mit der wir nach Feierabend unser erfrorenes Gewissen anwärmen, sondern darum, dass wir – sofern wir im Wirtschaftsleben wirksam sind – unser Geld, unsere Arbeit, unsere Zeit in eine nachhaltige Wirtschaft geben. Auf die Landwirtschaft bezogen heißt das: Wir leiten das Geld, das wir fürs Essen ausgeben, und die Zeit, die wir fürs Einkaufen verwenden, in sinnvolle Zusammenhänge um. Verschiedene Beispiele, zum Beispiel der Film "Farmer John", zeigen, dass auf diesem Wege ein gesundes, tragfähiges Wirtschaftsleben entsteht. Die Landwirtschaft ist aber keine reine Wirtschaftsveranstaltung. In ihr wird Natur gepflegt und Kultur geschaffen. Wenn sich hier Gemeinschaft bildet, so ist dies der sicherste Ausgangspunkt für eine konstruktive gesellschaftliche Dynamik.
Verbindlichkeit wagenDenken Sie an das Gesundheitssystem: Eine Kasse aufzubauen, bei der nicht die Maßnahme, sondern der Fortschritt zur Gesundung vergütet wird, ist unter den heutigen Gegebenheiten sogar unmöglich (obwohl ich darauf brenne, in dieser Ansicht korrigiert zu werden). Aus der Landwirtschaft heraus wird dieser Anfang am ehesten zu machen sein. Wenn wir eine neue Gesellschaft wollen – hier kann man ansetzen. Das muss man sich trauen am Anfang. Man muss sich trauen, zum Marktstand des kaltfüßigen Biobauern zu gehen und ihn zu fragen, ob er nicht gemeinsame Sache machen will mit seinen Kunden. Das heißt auch: Man muss sich festlegen. Die Freiheit, spontan gerade jetzt und gerade dort hineinzugehen und sich vom Überfluss der Ladenregale inspirieren zu lassen, muss man (ein Stück weit) aufgeben und sich auf eine Verbindlichkeit einlassen. Verbindlichkeit ist die Kraft des gemeinschaftlichen Impulses. Diese Möglichkeit gehört in das Bewusstsein jedes Einzelnen, und sie verlangt nicht Revolution, sondern sie fließt in den Alltag ein. Simon Junge, geboren 1978 in Berlin, bewirtschaftet seit 2006 zusammen mit seinem Berliner Abnehmerkreis eine Gärtnerei in Pretschen (Spreewald). Diese sogenannte "Versorgungsgemeinschaft" finanziert den Betrieb durch die monatlichen Beiträge der Teilnehmer (Richtsatz 70 Euro pro Haushalt). Eine gelegentliche Mithilfe bei der landwirtschaftlichen Arbeit ist Teil der Vereinbarung. Das Angebot erstreckt sich hauptsächlich auf Gemüse, aber auch Obst und Saft. Zudem laufen Bemühungen, die Dioscorea Batata (Lichtwurzel) im Anbau so weit zu bringen, dass sie regulärer Teil des Angebots wird. Anbauplan und Finanzierung werden gemeinsam erarbeitet und beschlossen. Die Erträge werden ohne weiteres Bezahlen oder Wiegen abhängig vom persönlichen Bedarf und der Verfügbarkeit untereinander verteilt. Hierzu sind von den jeweiligen Gruppen Ausgabestellen eingerichtet, an denen zu verabredeten Zeiten jeder seinen Teil abholen kann. Zur Zeit sind das im Wesentlichen zwei Gruppen in Berlin-Friedrichshagen und Berlin-Mitte. Mit dem Beginn des neuen Wirtschaftsjahres 2010 kann bei Bedarf durch entsprechende Planung auch eine größere Anzahl von Neueinsteigern aufgenommen werden. Es wird ohnehin angestrebt, das Angebot auf alle wesentlichen Bereiche der Ernährung zu erweitern (Getreidebau, Milchwirtschaft etc.) Hierfür wird dringend nach einem neuen Standort im Umland, vorzugsweise im Osten von Berlin gesucht, der Raum für vier oder mehr Familien bietet und mindestens fünf Hektar Nutzfläche hat. Abb.: © OSCAR - Fotolia.com
Autoren Info
Simon Junge arbeitete nach dem Abitur als Kurierfahrer, auf dem Bau und der Heilmittelherstellung, ab 2002 landwirtschaftliche Ausbildung (freie Ausbildung Demeter NRW) in NRW, Hessen und Sachsen, danach (2006) Betriebsgründung mit der Versorgungsgemeinschaft in Pretschen. Wer dieses Jahr an der Versorgungsgemeinschaft teilnehmen - oder sich auch nur darüber informieren - möchte: Am 22.2. um 20 Uhr findet in der Tieckstr. 17, 1.HH, 1. OG beim Ichthys e.V. ein Treffen statt. Wir freuen uns über zahlreiche Teilnahme - je mehr Menschen sich der Sache anschließen, desto umfangreicher und zuverlässiger kann das Angebot (Gemüse, Obst, Brot) sein. Nähere Informationen zum Projekt der landwirtschaftlichen Versorgungsgmeinschaft und zur Hofsuche finden Sie im Internet Löwengarten Am Landgut 6 15913 Pretschen
Tel.: 035476 - 650 37 ![]() Februar 2010 Selbstdarstellung
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