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Von Männern, die niemals erwachsen werden

Alt werden und erwachsen sein, ist nicht das Gleiche. Alt werden wir alle, erwachsen werden manche nie. Der sogenannte "Puer-Aeternus-Komplex" beschreibt, angelehnt an die Psychologie von Carl Jung, Männer, die auch in der Mitte ihres Lebens innerlich nicht über die Reife eines Teenagers hinausgekommen sind.

 

Was ist schon erwachsen?

Ich habe eine ganze Weile gebraucht, bis ich mir selbst auf die Schliche gekommen bin. Und auch wenn ich es problematisch finde, Menschen ein Label namens „soundso-Komplex" überzustülpen, können solche Beschreibungen andererseits teilweise ein hilfreicher Spiegel sein - genau wie die vielen „Persönlichkeitstypen"-Systeme.

Ich persönlich habe mich nie erwachsen gefühlt. Ich denke, darin liegt zum Teil auch eine Wahrheit. Ich glaube, es gibt so etwas wie ein „Seelenalter", manche betonen mehr das Kind in sich, manche den Jugendlichen, manche den Erwachsenen und das ist gut und schön, wenn man in diesem Spektrum frei fließen kann und alle Aspekte integriert hat. Aber es kann auch sehr unheilsam sein, wenn die Entwicklung in einem Aspekt stecken bleibt, die natürliche Entwicklung nicht weitergeht.

Für mich waren es vor allem Beziehungen und das Berufsleben, die mir auf unheilvolle Weise gespiegelt haben, dass da ein Entwicklungsschritt aussteht. Dass ich mich weigerte, erwachsen zu werden.

Aber was heißt das überhaupt? Eine kurze Definition könnte sein: Erwachsen ist eine Person, die materiell, emotional und mental ganz und gar auf eignen Beinen steht. Das bedeutet, diese Person hat Stabilität in sich selbst gefunden, ihren Platz in der Welt, kann für sich selbst in jeder Hinsicht sorgen, hat emotionale Abhängigkeitsmuster abgelegt, zu einem gesunden Selbstwert gefunden, kann Grenzen setzen und akzeptieren, ist in ihrer Kraft, kann entscheiden und mit den Konsequenzen umgehen, kann Kompromisse schließen, kann sich tief ausdrücken, kann nahe und intime Beziehungen führen.

 

Nicht erwachsen werden

Es gibt viele Wege nicht erwachsen zu werden - je nachdem, wo in dieser Prozess stecken bleibt. Beim Puer-Aeternus-Komplex ist es das Teenageralter. Die englische Wikipedia beschreibt es kurz so:

„Puer Aeternus, Latein für ewiger Jüngling, beschreibt psychologisch einen älteren Mann, dessen Gefühlsleben auf einem jugendlichen Niveau stehen geblieben ist. Der Puer führt typischerweise ein provisorisches Leben, wegen seiner Angst, in einer Situation gefangen zu werden, aus der er nicht mehr entkommen kann. Er begehrt Unabhängigkeit und Freiheit, reibt sich an Grenzen, und neigt dazu jede Einschränkung unerträglich zu finden."

Während der Jüngling ein wichtiger Aspekt auch des reifen Mannes ist - der gesunde Durst nach Wachstum, nach Neuem, nach Freiheit, nach Erfahrung, eine liebenswerte Neugier und Begeisterung  - so wird dieser Aspekt doch für die wenigsten Männer (geschweige denn ihre Partnerinnen), ein erfüllender Zustand in sich sein. So sehr der Puer seinen Zustand auch zunächst glorifizieren mag - in den meisten Fällen gibt es irgendwann in ein schmerzvolles Erwachen.


Die ewigen Jünglinge

Was sind also diese ewigen Jünglinge? Die ewigen Jünglinge sind rastlose, oft sehr charismatische und nicht selten leicht narzisstische Männer. Meist betonen sie ihre Freiheit und völlige Unabhängigkeit, um zu verhehlen, dass sie zu echter Intimität und Nähe nicht in der Lage sind. Sie sind in allen Bereichen ihres Lebens niemals angekommen, sie suchen unablässig, deuten dies jedoch für sich als Flexibilität und Individualität um. Ewige Jünglinge sind unfähig zu irgendeiner Form von Selbstverpflichtung und Verbindlichkeit in irgendeinem Bereich ihres Lebens - sei es in Beziehungen, Hobbys oder dem Beruf. Disziplin, Routine und Tätigkeiten, für die man geduldig üben muss, sind ihnen ein Gräuel, weshalb sie meist nicht in der Lage sind, beruflich ihren Platz zu finden oder ihre Gaben voll zu entfalten. Sie träumen vom schnellen Geld, sehnen sich eigentlich nach Erfolg, sind aber nicht bereit, dafür zu arbeiten. Kompromisse, Pflichten und das Akzeptieren von Einschränkungen sind eine Bedrohung für sie.

Der ewige Jüngling mag sich weder einschränken, noch binden, noch anpassen. Zumeist kompensiert er diese Unfähigkeit mit einem Gefühl von Überlegenheit, leichter Arroganz und einer Gefühlskälte, die man bei ihrem Charisma oft nicht vermuten würde. Es sind oft sehr verführerische und faszinierende Menschen - außer man versucht, eine Beziehung mit ihnen zu führen. Denn dann lernt man nicht selten ihre depressive, frustrierte und versteckt sadistische Seite kennen.

Ewige Jünglinge suchen stets nach Ekstase und Erfüllung und gehen dabei teilweise recht extreme Wege. Viele von ihnen werden nicht alt, denn ihre ewige Suche treibt sie leicht in gefährliches, selbstzerstörerisches Verhalten wie Drogen, Extremsport, endlose Partys und Sexsucht. Andere erweitern ihre Suche in den spirituellen Bereich und pilgern fortan rastlos durch den esoterischen Supermarkt. Vielleicht landen sie dabei in Kulten, Sekten und extremen Gruppierungen.


Midlife-Crisis

Was in der Jugend und dem jungen Erwachsenenalter noch spannend und faszinierend sein mag, schlägt etwa in der Mitte des Lebens in eine tiefe Qual um. Gerade in Beziehungen wird den ewigen Jünglingen ein klarer Spiegel vorgehalten: Sie taugen vielleicht noch für einen Seitensprung, erwachsene Frauen werden ansonsten aber kaum mehr als Verachtung oder Mitleid für sie übrig haben.

Wenn der Selbstbetrug nicht länger funktioniert, schlägt die Extase der Jugend in den 30ern und 40ern nicht selten um in ein Gefühl von Depression, Verzweiflung, Einsamkeit, Verlorenheit und Angst. Der Psychologe Dr. Peter Milhado schreibt dazu:

"Es muss betont werden, dass diese Männer an einem äußerst schmerzhaften und verzweifelten Zustand leiden. Auf einer nie endenden Reise ohne ein Zuhause zu sein, unbarmherzig und auf Kosten von allen und allem anderen den Nervenkitzel und das Vergnügen zu verfolgen, impulsiv der Gesellschaft und den Frauen zu trotzen und sie doch verzweifelt zu brauchen, den Preis für den Mangel an Intimität und Verbindlichkeit zu zahlen, gierig den Erfolg zu wollen und ihn niemals zu erreichen - all das führt zu akutem Leiden und intensiver Einsamkeit. Da die Natur in der Jugend noch sehr nachsichtig mit diesen Eigenschaften ist, wird das Leben des ewigen Jünglings meist erst in seiner Mitte problematisch. Das Streben nach Euphorie existiert immer im Wechsel mit seinem Gegenteil, nämlich dunklen und unheilvollen depressiven Stimmungen, irrationalen Ängsten, körperlichem Zusammenbruch oder Hypochondrie. Nach Stolz und Hochmut kommen stets Verzweiflung und Depression. Es ist in der Lebensmitte, wo wir durch unsere Sünden bestraft werden, nicht für sie."


Loslösung von den Eltern

Wie kommt es dazu? Warum werden diese Männer nicht erwachsen? Viele Psychologen sind der Ansicht, es handel sich vor allem um eine starke unerlöste Bindung zur Mutter - die durchaus auch eine negative sein kann. Die meisten dieser ewigen Jünglinge hatten entweder gar keinen Vater oder aber einen persönlich schwachen Vater, der zwar körperlich anwesend aber emotional und geistig abwesend war.

In diesem Verständnis wäre der Puer-Aeternus-Komplex vor allem ein missglückter Übergang. Ein Übergang, bei dem der oft abwesende Vater hätte helfen können. Der Vater ist die Brücke zu Welt. Es ist seine Funktion, das Kind zu gegebener Zeit an die Hand zu nehmen, und von der Mutter weg, in die Welt und zu sich selbst zu führen. Ohne diese Brücke aber muss der Jugendliche diesen Übergang selbst bewältigen, und das gelingt nicht immer.

Die erste Heimat des Kindes ist unübersehbar die Mutter, mit der es die ersten Jahre in enger Symbiose lebt. Die Nabelschnur und die Tatsache, dass sich das Kind in den ersten Jahren von einer Körperflüssigkeit der Mutter ernährt, sind deutliche äußere Spiegel dieser tiefen inneren Verbindung. Für das Kind ist die Mutter Heimat und Sicherheit und im Kleinkindalter bestimmt das Kind nach Möglichkeit selbst den Radius, mit dem es sich aus dem Schutz dieser Geborgenheit entfernt.

Mit zunehmender Entwicklung wird dieser Radius immer größer - für Mutter und Kind ein Prozess ständigen, immer weiteren Loslassens. Das Kind lernt, seine Sicherheit außerhalb der mütterlichen Geborgenheit zu finden - zunächst in der Natur und später in sich selbst. Das Teenageralter ist die Zeit, in welcher das Kind seine Heimat in sich selbst findet, eine gesunde Identität als Mensch und Mann entwickelt und seine Wurzeln tief in sich selbst hineinpflanzt. Der Vater kann hier eine Brücke, ein Begleiter und Mentor sein, der diesen Übergang erleichtert.

Für viele der ewigen Jünglinge ist dieser Schritt nie geschehen. Die Mutter ist dann zwar irgendwann fort, aber es gab keine Brücke in die Welt, kein Ankommen in sich selbst. Der ewige Jüngling hat keine Heimat, seine Wurzeln sind nirgendwo. Er ist auf einer ewigen Suche. Unfähig, sich selbst eine Brücke zu sein, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen, tief in sich selbst zu schauen und ein Mann zu werden, ist der ewige Jüngling zwischen zwei verzerrten veräußerlichten Sehnsüchten zerrissen: Heimat in Frauen zu finden oder aber eine starke Vaterfigur, der er folgen kann.


Schwierige Beziehungen

Diese Dynamik bildet den Kontext für das Syndrom des ewigen Jünglings. Sie suchen unbewusst die mütterliche Heimat in jeder Frau - und werden dabei stets enttäuscht, weshalb sie sich nie wirklich auf eine Frau einlassen und offen oder heimlich immer weitersuchen, was auch die Form von Don-Juanismus oder ständigen Seitensprüngen annehmen kann. Der ewige Jüngling sucht sich zunächst vor allem Frauen, die er mit seinem Charme blenden kann, er will in seinem Narzissmus bewundert werden, unhinterfragt geliebt werden und sich nicht mit seinen eigenen Unzulänglichkeiten konfrontieren. Er braucht Bestätigung als Mann, weil er unbewusst weiß, dass er keiner ist. Sobald er realisiert, dass auch diese Frau ihm keine Heimat sein kann, seinen Durst nach Liebe und Bestätigung nicht stillt - zieht er entweder weiter, oder sieht die Frau fortan als eine Bedrohung, die seine als Freiheit kaschierte Suche einschränken und ihn versklaven will.

Wenn die Suche nach Heimat nicht auf die Frauen projiziert wird, dann vielleicht in den Wunsch, irgendwo dazuzugehören. Clubs, Organisationen und Sekten üben deshalb auf manche dieser Männer ebenso eine Anziehung aus, wie Gurus und andere Vaterfiguren.


Verleugnete Abhängigkeit

In all diesem verleugnet der ewige Jüngling zumeist, dass er in seinem Kern zutiefst abhängig ist, und eine Heimat im Außen sucht - dieses Außen kann durchaus auch eine spirituelle Praxis sein und sich als innere Suche verkleiden. Er selbst nimmt seine rastlose Suche als Unabhängigkeit, nicht selten sogar als hohe spirituelle Entwicklungsstufe wahr. Genauso verborgen wie die zugrundeliegende Dynamik sind ihm seine Sucht nach unmittelbarer Bedürfnisbefriedigung, sein Mangel an Empathie und seine Arroganz.

Diese Dynamik macht es schwierig für den ewigen Jüngling, Beziehungen zu führen - und wenn er nicht das nötige Bewusstsein und die nötige Aufrichtigkeit mit sich selbst aufbringt, werden die meisten Beziehungen im Desaster ko-abhängiger Dramen enden - dabei könnten gerade Beziehungen für diese Männer ein Ort der Heilung sein.


Erwachsen werden: Die Heilung

Manche Autoren sind der Ansicht, die Heilung für den Puer liegt in einer Demütigung durch das Leben, im Erkennen des eigenen Verfalls und der eigenen Verfehlungen. Dass kann ich zwar aus eigener Erfahrung bestätigen, sehe es aber nicht als Heilung, sondern eher als Weckruf. Die Heilung liegt in meinen Augen darin, den Schritt über die Brücke endlich aus eigener Kraft zu tun und die eigenen Wurzeln tief in sich selbst zu pflanzen. Oft setzt dieser Prozess offenbar jedoch tatsächlich erst ein, wenn der ewige Jüngling mit dem Alter auch von der Realität eingeholt wird.

Damit Heilung geschehen kann, gilt es das Gefühl von Verlorenheit, Heimatlosigkeit und Unvollständigkeit überhaupt zuzulassen - denn oft ist es gut verborgen und kaschiert. Ich persönlich hätte stets behauptet, ich hätte keines dieser Gefühle. Nicht selten haben sich darüber zahlreiche Verletzungen, Minderwertigkeitskomplexe und Selbstzweifel aus den zahllosen Enttäuschungen angesammelt, die es zu heilen gilt. Das wird aber erst möglich sein, wenn die ins Äußere projizierte Suche endlich erkannt und als Suche nach sich selbst begriffen wird.

Auf der seelischen Ebene verbirgt sich unter dem Puer-Aeternus-Komplex eine Art "seelisches Heimweh", das sich in der persönlichen Entwicklung spiegelt. Erst eine aufrichtige spirituelle Praxis kann diese Tiefe erreichen. Die Spiritualität des Jünglings bleibt aber unvollständig und ist oft sogar völlig kontraproduktiv, wenn sie Teil der Dynamik der ewigen Suche ist und kein wirkliches Einlassen auf das irdische Leben und die eigene Persönlichkeit stattfindet.

 

Der reife Mann

Der Jüngling ist Teil des reifen Mannes - seine Spontanität, Risikobereitschaft, Kreativität, sein Idealismus und sein Charme sollen nicht abgeschafft, sondern vielmehr in ein größeres Ganzes integriert werden. Das bereitet den Weg für eine echte Herzöffnung: gegenüber sich selbst, gegenüber dem Leben, den Beziehungen und der Welt.

 

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Bilder: Jungs - Bestimmte Rechte vorbehalten von Marco Raaphorst; Trianon - Remi Jouan, cc-by-sa;

Autoren Info

David Rotter

hat nach einer definierenden Beziehungs-Erfahrung vor einigen Jahren beschlossen, das psychologische Alter dem körperlichen doch mal anzunähern.


http://www.den-weg-gehen.de


Leser Kommentare:


Am 06. April. 2013 geschrieben von Mark

Der Artikel ist super. Während dem Lesen war es als würde mich zum ersten Mal jemand wirklich verstehen. Ich habe mich darin selbst erkannt. Es war wie ein AHA Effekt. Ich bin 35 Jahre und bin wohl genau mit diesem Problem konfrontiert.
Gibt es auch therapeutische Hilfe ? Bitte, ich kann so nicht mehr weitermachen und will es auch nicht.
wohnhaft Berlin.
Vielen Dank


Am 27. März. 2013 geschrieben von Zak


Alle im Gleichschritt! Eine schöne bierernste, typische deutsche Angelegenheit, das Erwachsenwerden in diesem Artikel. Der Eine macht diesen oder jenen Entwicklungsschritt mit 20 und der Andere erst mit 40. Na und?
Verhalte ich mich erwachsen oder verantwortungsvoll, fühle ich erwachsen oder mit emotionaler Tiefe usw.? Das Adjektiv "erwachsen" spielt in diesem Zusammenhang wohl viel mehr eine Rolle für diejenigen, die es brauchen eine klare Linie zwischen sich und andere zu ziehen. In jedem Fall klingen eines oder mehrere dieser Symptome in Kombination zumindest nach einem dicken Charakterfehler.

Zuviel Charisma, beruflich nicht wissen wohin, Rastlosigkeit, blendender Charme. Der Artikel klingt mächtig erwachsen, aber nach Gehalt sucht man zwischen all den Negativierungen und aufgeblasenen Altklugheit vergeblich.

Was kommt eigentlich nach dem erwachsen werden. Ich hoffe doch die Erleuchtung! Also: auf, auf!


Am 27. März. 2013 geschrieben von Kristina

In der Tat, nichts ist lästiger als infantile, unverantwortliche Persönlichkeiten, welche aber nicht nur unter Männern sondern gleichermassen unter Frauen vorzufinden sind (alte Lolitas/ Barbies), welche auf ihre Partner u.a. eine Vaterfigur projizieren.
Ich persönlich habe in meinem Leben mehr unter überforderten Frauen gelitten,
da ich (wegen Berufstätigkeit meiner Eltern) stets der unberechenbaren Frauenherrschaft in der Krippe, Kindergarten und Ganztagsschule unterworfen war.

Um etwas Gleichgewicht und Gerechtigkeit in das Thema zu schaffen, empfehle ich die Vorträge und Bücher von Dr. Karin Jäckel
"Der gebrauchte Mann ? Männliche Identität im Wandel"

http://www.karin-jaeckel.de/vortraege/wien.html
http://www.karin-jaeckel.de/erwachsene/mann.html
http://www.karin-jaeckel-autorin.de/
http://www.karin-jaeckel.de/uebersicht/aktioneltern.html
http://femokratie.com/tag/karin-jaeckel/


Am 26. März. 2013 geschrieben von Gego

Ganz nebenbei:
Der 'Ewige Knabe' ist lateinisch der 'Puer aeternus' :-)
(nix aeturnus wie Saturnus!).


Am 25. März. 2013 geschrieben von Oliver

@okasch
Kategorien sind für mich wie Schuhe, die man anprobiert und schaut, ob sie passen, d.h. ob sie einem weiterhelfen. So gesehen sind sie sehr nützlich. Problematisch wird es erst, wenn man in Schuhen herumlaufen will, die nicht passen.

Wir sind halt nicht nur Wesen, die irgendwie spontan aus sich heraus leben - zumindest sofern wir nicht "erleuchtet" sind (auch so eine Kategorie) -, sondern denen Verstehen beim Handeln helfen kann.


Am 24. März. 2013 geschrieben von okasch

Kontra:

a) Niemand ist "erwachsen". Wirklich "erwachsen" ist nur der "Erleuchtete". Und genau genommen ist der es auch nicht, weil...

b) Es bedarf keiner Kategorie "erwachsen". Es reicht vor sich selbst zu wissen, ob man mit seinem Leben klar kommt und ob man Freude daran hat.

Und wenn man nicht mit seinem Leben klar kommt und zu wenig Freude am Leben hat, dann sollte man daran für sich selbst arbeiten – aus einem innersten Antrieb heraus, in dem kollektive Wertvorstellungen, Ideale, etc. keinen Platz haben.


Am 17. März. 2013 geschrieben von Eine Frau

Brief an den Mann

Mann, damit ich mit dir sein kann, musst du dich selbst lieben, dich annehmen wie du wirklich bist, unverfälscht und echt. Würdest du dies nicht tun, müsste ich damit aufhören, mich selbst zu lieben, um mit dir sein zu können. Dann wären wir aber beide nicht mehr 'echt' und was bleibt, ist eine Maskerade, zwei Menschen hinter einer Maske, was schnell in einem Trauerspiel enden kann.

Mann, wenn du meinst, dass ich dazu da bin, dir dein Unglücklichsein zu versüssen, ich dazu da bin, dich aus deiner eingefahrenen und doch so schön bequemen Situation zu befreien, so muss ich dich enttäuschen. Du selbst musst dich befreien, damit du wieder du selbst sein kannst und du in deine ursprüngliche Kraft und Männlichkeit kommen kannst, denn nur so kann ich mit dir sein und du mit mir.

Mann, ich kann nur mit dir sein, wenn du in der Lage bist, meine Nähe und mein So-Sein anzunehmen, so wie ich bin, denn auch ich nehme dich so an wie du bist. Ich werde gern mit dir sein, wenn du das Geschenk, ja, die Schönheit des Lebens begriffen hast, wenn du begriffen hast, dass du dich nicht über Status und Geld definieren musst und du nicht mehr der kleine Junge von damals bist, welcher für grossartige Leistungen belohnt werden will.


Mann, bedenke bitte, dass ich nicht deine Mutter bin, auch wenn dir dies vielleicht nicht bewusst ist, du dies nicht wahrhaben willst, dieses Muster ist verankert in dir. Löse dich von diesem Muster. Würdest du dies nicht tun, würde nie direkte und unmittelbare Nähe zwischen uns entstehen können, denn das Bild der Mutter würde immer zwischen uns sein.


Mann, sei ganz in deiner Männlichkeit, damit ich ganz in meiner Weiblichkeit zu dir sein kann.

Mann, du musst wissen, du kannst eine Frau nie ganz verstehen, wie auch eine Frau dich nie ganz verstehen wird...

So bedenke....Mann und Frau, sind zwei gänzlich verschiedene Wesen, und doch ist es möglich,
zusammen das Einige in den Zweien zu leben.

(Text: S. Cristini)



Am 16. März. 2013 geschrieben von Bauer


Ich hab nix gegen Männerkritik... vielleicht hilft das manchen im Aufwachen...
aber ich glaub dass diese krasse Schwachstellen nicht von Vätern verschuldet sind, sondern durch die Schulpädagogik absichtlich anerzogen sind.
Wahrscheinlich sind erwachsene und selbständige Männer in der nwo unerwünscht?

Sepp Holzer erklärt warum:
Die Masse wird zu Lemmingen erzogen.
http://www.youtube.com/watch?v=sPkFv8-SJds


Am 16. März. 2013 geschrieben von Margarita Rothhaar

Ich bin Psychotherapeutin und sage " Danke" für diesen Artikel, er spricht mir aus dem Herzen. Gerade bei Männern habe ich häufig beobachtet und kinesiologisch ausgetestet, in welchem emotionalem Alter sie noch gefangen sind.
Oft ist ein altes Trauma oder sich wiederholende kleine Traumata, zum Beispiel Fremdbestimmung, die Ursache. Dieses helfe ich mit meiner Intuition und der Kinesiologie zu bestimmen. Die Trauma Klopftherapie nach Fred Gallo ist da ein unersetzliches gutes, therapeutisches Werkzeug für mich. Es wirkt unglaublich schnell und tiefgreifend. Während des Klopfprozesses setzt ein spüren der belastenden, bislang unterdrückten, Emotionen ein.
Mein subjektives Gefühl ist, dass es Frauen ganz besonders schwer fällt diese " erwachsenen" männlichen Kinder zu verlassen. Sie wollen sie nicht im Stich lassen.
Ein Fall ist für mich in guter Erinnerung: Ein Paar kam in meine Beratung und es wurde von mir ausgetestet, dass der Ehemann (Alter 44 Jahre) entweder emotional 4 Jahre oder 70 Jahre alt ist. Zeigte sich der " 70-jährige" Anteil war die Ehe recht harmonisch und ausgeglichen, nur wenn der unzufriedene 4-jährige sich zeigte, wurde es problematisch.
Der Ehemann hatte darauf in der Nacht einen Traum. Er träumte, dass er ein verunfalltes Auto im Graben sah. In diesem Auto saß ein schreiender vierjähriger Junge. Sein Vater hatte nach dem Unfall ihn alleine dort zurück gelassen. Der Klient sah im Traum das Kind und mochte es gar nicht leiden. Er rief sofort seine Frau an und bat sie sich um dieses schreiende Kind zu kümmern.
In der weiteren Therapie wurde meinem Klienten erst bewusst, welche Belastung auf seiner Beziehung zu seinem Vater lag.
Diesen Fall fand ich sehr beeindruckend. Vieles kann in einer Paartherapie gut begleitet werden, wenn das emotionale Alter des Paares in der Beziehung ausgestestet wird.
Dann entsteht die wunderbare, heilende Möglichkeit sich als Erwachsene zu begegnen, den Anderen als Spiegel anzunehmen und alte Verletzungen heilen zu lassen.


Am 15. März. 2013 geschrieben von Oliver

Ein sehr guter Artikel!

Ich würde noch hinzufügen, dass zum Erwachsenwerden auch das Leben der eigenen Abhängigkeit in einer festen Bindung gehören kann - und die Akzeptanz der Bindung an die Herkunftsfamilie.
Insofern finde ich die Definition von Erwachsenensein, die Du gibst "Erwachsen ist eine Person, die materiell, emotional und mental ganz und gar auf eignen Beinen steht.") doch etwas individualistisch. Ich finde es allerdings schwierig, genau zu sagen, was denn genau Erwachsensein heißt. Es hat sicher viel mit der inneren Haltung zu tun. Vielleicht: "Bereit sein, Verantwortung für sich und andere übernehmen - und diese Verantwortung dann auch wirklich zu tragen."


Am 14. März. 2013 geschrieben von vernandel

hallo,
gibt es dazu therapeutische Hilfe?

gruss
ver


Am 13. März. 2013 geschrieben von Dirk

Hallo David,
vielen Dank, daß Du Deine Erfahrungen (Weisheit) mit mir teilst =:)
Ich habe bereits einiges von dem, was Du schreibst selber erkannt. Nun hast Du weitere Teile dazugefügt.

(Buch Ron Hubbard "Dianetik" S381) - "Beim Goldwaschen ist es so, daß jeder Grünschnabel Eisenkies - Narrengold - für Gold hält. Er wird über das glänzende Zeug in seinem Sieb entzückt jubeln, obwohl es in Wirklichkeit nur ein paar Dollar pro Tonne wert ist. Und dann sieht er wirkliches Gold! Sobald er echtes Gold in seinem Sieb hat, weiß er, wie Gold wirklich aussieht. Es ist nicht zu verwechseln."

Erst so langsam lerne ich die nächste Entwicklungsstufe (erwachsen zu sein) kennen - nach 42 Jahren. Ich sehe heute einen Sinn in meinem langen Leidensweg - durch ihn habe ich tiefe Wurzeln gebildet.

Nanzi (Film "Konfuzius") - "Kein normaler Mensch kann erfassen, wie du leidest, und noch viel weniger glaube ich, wieviel Weite und Tiefe du diesem Leiden verdankst."

Dirk

PS: Ich kenne auch Frauen, die nicht erwachsen geworden sind =;)



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