|
|
|
|
|
|
Das sich wandelnde Eine
"Eins mit Allem" ist auf der Ebene des Körpers sogar sehr real, auch wenn unser Nervensystem und unsere Wahrnehmung uns eine fundamentale Getrenntheit vermitteln. Die Grenzen zwischen dem Körper und der Umwelt sind in Wirklichkeit fließend und das Bild, das wir gegenwärtig vom Körper haben, lässt noch viel Raum für Erweiterung.
Wir sind ein Biotop!Um vorne anzufangen: Ist es überhaupt "unser Körper"? Und das ist nicht mal philosophisch gemeint. Denn Fakt ist, dass wir längst nicht seine einzigen Bewohner sind. Tatsächlich sind wir sogar in der Unterzahl! Denn in und auf jeden menschlichen Körper leben etwa 10 Billionen (10.000 mal 1 Milliarde) Bakterien - das ist etwa 10-mal soviel, wie der Mensch selbst Körperzellen hat. Allein die Bakterien in unserem Dickdarm wiegen zusammengenommen 1,5 Kilo, auf jedem Zahn tummeln sich bis zu 100.000 von ihnen.
Bakterien sind längst nicht die einzigen Besucher, mit denen wir uns den Körper teilen - bewusst ist das den meisten Menschen nicht. Für das Bild, das wir von unserem Körper haben, steht uns also wohl noch eine große Wende bevor. Erst langsam begreifen wir: Menschen sind gigantische Ökosysteme für zahllose Mitbewohner; dicht bevölkerte, wimmelnde und hoch „lebendige" Lebensräume für eine Vielzahl kleiner Lebewesen - seien sie nun Parasit, Angreifer, Mitbewohner, Symbiont, Helfer oder Gast.
Viele KörperAber eigentlich geht es noch früher los. Denn der Körper ist ja gar kein "Ding" wie er es zu sein scheint - er ist ein Verbund tausender Zellen, die absterben, Stoffwechsel betreiben und sich vermehren. Ein riesiger hochlebendiger symbiotischer Zellhaufen, der zudem nicht mal für wenige Stunden derselbe ist.
Eins mit der Umwelt
Die uns umgebende Luft ragt bei der Atmung ständig in unseren Körper hinein, fließt in einzelnen Molekülen durch unser Blut. Es ist dieser ständige Austausch mit dem Außen, der den Rhythmus unseres Lebens bildet und eine Trennung ist nicht denkbar. Sogar unsere Haut atmet. Dann das Wasser, es durchfließt unseren Körper förmlich. Zu mindestens 50 Prozent bestehen wir daraus, nehmen ständig Flüssigkeit auf und geben alte ab. Das ganze Körper-Ökosystem ist also mehr ein Fließen, als ein statischer Gegenstand und von der Umwelt kaum zu trennen. Es macht keinen Sinn, sich den Körper überhaupt unabhängig von der ihn umgebenden Umwelt zu denken. Er ist ganz und gar verschmolzen und eingebettet in das ständige Geben und Nehmen mit dem, was ihn umgibt.
Das sich wandelnde EineDiese Umgebung ist längst nicht nur der Planet, sie reicht hinaus ins Universum. Die Energie, die unser Körper verbrennt, stammt aus unserer Nahrung, die sie wiederum (sofern es pflanzliche Nahrung ist) direkt von der Sonne erhalten hat. Mit anderen Worten: Die Energie unserer Zellen war in großer zeitlicher Nähe noch ein Sonnenstrahl! Und die Energie dieses Sonnenstrahls entsteht aus Fusionsprozessen von Molekülen, deren Entstehung bis in die Zeit kurz nach dem Urknall zurückreicht. Alles ist noch immer ganz unmittelbar "Sternenstaub" - denn das ganze materielle Universum ist nur eine ständige Umformung dessen, was beim Urknall geschaffen wurde. Es entsteht keine neue Materie, keine neue Energie, sie wandelt sich nur. Formen, Planeten und Körper vergehen, sinken zurück in das sich wandelnde Eine, verschmelzen. Sie verbinden sich neu, erstehen auf in gewandelter Form, vergehen erneut und sinken zurück - bis in alle Ewigkeit.
BilderProtoplanet: Pulic Domain / Wikimedia
|
|
Leser Kommentare:
Am 02. September. 2010 geschrieben von Dietmar
Ein wunderschöner Artikel. :-)
Nun brauchen wir "nur" noch bewußt versuchen, uns selbst ebenso harmonisch in die Menschheit als Ganzes einzubringen. Dann sind derzeit schwer vorstellbare (Höher-) Entwicklungen möglich. Faszinierender Gedanke.