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Desertec-Initiative gestartet: Kommt der Wüstenstrom?
Zwölf Unternehmen haben am Montag in München ein Memorandum unterzeichnet um das vieldiskutierte Destertec-Projekt auf den Weg zu bringen- zunächst soll eine Planungsgesellschaft gegründet werden, welche Pläne für die Produktion von "Wüstenstrom" erarbeitet und die Finanzierung und Machbarkeit überprüft.
Was ist Desertec?In solarthermischen Kraftwerken in Nordafrika soll umweltfreundlicher Strom für die Region, aber auch für Europa erzeugt werden. Das Desertec-Projekt umfasst eine Vielzahl vernetzter und über Nordafrika und den Nahen Osten (MENA-Region) verteilter solarthermischer Kraftwerke, die bis 2050 einen Anteil von rund 15 Prozent des Strombedarfs von Europa und einen erheblichen Anteil des Strombedarfs für die Erzeugerländer produzieren sollen. Die "Desertec Industrial Initiative" (DII) ist das bisher größte Projekt dieser Art - Energiekonzerne und andere Firmen wollen langfristig insgesamt rund 400 Milliarden Euro investieren. Auch die EU-Staaten haben zumindest eine Anschubfinanzierung zugesagt.
Die "Desertec Industrial Initiative"Die DII Planungsgesellschaft soll noch bis zum 31. Oktober 2009 als GmbH nach deutschem Recht gegründet werden, innerhalb von drei Jahren sollen dann umsetzungsfähige Investitionspläne entstehen. Gründungsunternehmen der DII sind ABB, ABENGOA Solar, Cevital, Deutsche Bank, E.ON, HSH Nordbank, MAN Solar Millennium, Münchener Rück, M+W Zander, RWE, SCHOTT Solar und SIEMENS.
Beginn einer neuen Ära?
Darüber hinaus soll Desertec aber noch viele "weitere ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Potenziale" haben, zum Beispiel Energiesicherheit in den EU/MENA-Ländern, Wachstum- und Entwicklungschancen für die MENA-Region durch große Investitionen privater Geldgeber, die Sicherung der zukünftigen Trinkwasserversorgung in den MENA-Ländern durch die Nutzung überschüssiger Energie in Meerwasser-Entsalzungsanlagen und die Reduzierung von CO2-Emissionen, die einen erheblichen Beitrag zur Unterstützung der Klimaschutzziele der Europäischen Union leisten könnten. Zentral ist aber auch, dass es durch das Projekt erstmals zu einer großangelegten Zusammenarbeit und zu Partnerschaften mit den westasiatischen und nordafrikanischen Staaten kommt. Prinz Hassan bin Talal von Jordanien sagte hierzu, die entstehenden überregionalen Partnerschaften "öffnen ein neues Kapitel der Zusammenarbeit zwischen den Menschen in der Europäischen Union, Westasien und Nordafrika".
Massive Kritik: Völliger Unsinn oder gar reiner PR-Gag?Der Präsident von EUROSOLAR und Vorsitzende des Weltrats für Erneuerbare Energien, Hermann Scheer (SPD), erklärte, das Desertec-Projekt sei "eine Fata Morgana". "Die Initiatoren selbst wissen: Daraus wird nie und nimmer etwas."
Wie Scheer warnt auch Energieexperte Matthias Ruchser vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik außerdem vor den hohen Kosten, die der in der Sahara produzierte Strom verursachen kann - nur durch staatliche Hilfe könne das Projekt überhaupt wirtschaftlich werden. Die Initiatoren weisen diese Kritik zurück: Auch Desertec kann durch neue Technik trotz des notwendigen riesigen Übertragungsnetzes wirtschaftlich sein. Für Scheer ist Desertec sowieso in jeder Hinsicht unwirtschaftlich und kontraproduktiv: "Für einen kleineren Teil der 400 Milliarden Euro für Desertec könnte man die gesamte Stromversorgung in Deutschland auf Erneuerbare Energien umstellen - und das in viel kürzerer Zeit." Auch Greenpeace mahnt in diesem Zusammenhang an, die Unternehmen müssen Desertec als Alternative zu umweltschädlichem Atom- und Kohlestrom in Afrika verstehen und nicht als Konkurrenz zu dezentraler Windkraft und Photovoltaik in Deutschland. Die Aktion dürfe auch nicht "als grünes Feigenblatt verkommen". Manche Kritiker sehen in dem Projekt überhaupt eine reine PR-Aktion, um den Unternehmen ein grünes Image zu verpassen - letztendlich wäre aber von vornherein klar, dass die Idee fallengelassen wird. Durch die Fokussierung auf Desertec könne man außerdem den Ausbau der erneuerbaren Energie in Deutschland verlangsamen - was einigen der Initiatoren sehr entgegenkäme. Ähnliche Befürchtungen hat Hans-Josef Fell, energiepolitischer Sprecher der Grünen: Er glaubt, dass E.on oder RWE sich nur deshalb am Projekt beteiligen, um es zu verlangsamen. Denn käme das grüne Projekt langsam voran, hätten die Atomkonzerne in Deutschland bessere Argumente für eine längere Laufzeit ihrer Kraftwerke.
Was bringt es Afrika?
Die neue Technik bietet aber auch Chancen für Afrika: "Afrika darf nicht denselben Fehler machen, wie wir und in Kohle, Gas und Atom investieren", sagte der Sprecher der Welthungerhilfe, Ralph Dickerhoff. Umstritten ist, wie mit den Nomaden und Beduinenvölkern umzugehen ist und ob es zwischen den Staaten nicht zu Verteilungskämpfen um den bislang wertlosen Wüstenboden kommen kann.
Desertec: Ein ambtioniertes, aber umstrittenes ProjektDie Wahrheit liegt sicher zwischen all den kontroversen Positionen. Für Afrika wäre es ein Segen, wenn es in der Energieversorgung das Atom- und Kohlezeitalter quasi überspringen könnte und de dringend nötigen Ausbau der Stromversorgung mit erneuerbaren Energien vorantreiben könnte. Dabei darf es aber nicht zu einem "Energiekolonialismus" durch europäische Unternehmen kommen. Für Europa wäre der Strom aus der Wüste ein guter Beitrag zum Strommix, Vorrang sollte aber die dezentrale Stromversorgung haben. Dennoch braucht die Welt derzeit wohl noch solche Großkraftwerke - gerade angesichts des auf uns zu kommenden Strombedarfs durch die Elektroautos. Dass die Konzerne hier keine selbstlosen Ziele verfolgen, oder das Projekt gar aus Gründen des Umweltschutzes betreiben, dürfte klar sein. Sie wollen ihre Machtstrukturen erhalten und sich vor allem ihre Position in Afrika sichern. Allerdings muss man auch im Auge behalten, dass derzeit wohl sonst niemand ein solches Projekt auf den Weg bringen würde - politisch fehlt der Wille und wohl auch die Mittel zu einem solchen Vorhaben.
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BilderGrafiken: Desertec.org
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