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Sein Redaktion
Freitag
30. Juli |
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Vor und nach Feierabend ...Ein Resümee unserer sozialen Wirksamkeit.
Wie ernst ist es uns wirklich?
Ich setze die Zustimmung des verehrten Lesers voraus und mache die Grundtendenz zur Zerstörung zum Ausgangspunkt dieser Überlegungen. Wie sieht es demgegenüber mit unseren Idealen aus? Wie steht es um unsere Gesinnung? Sind wir nicht gerne sozial, ökologisch, lieben wir nicht die Gerechtigkeit? Gerade der Leser dieses Blattes wird, da bin ich mir sicher, sich eine fortschrittliche Gesinnung zugute halten. Und weiter: Wie greift nun diese Gesinnung tatsächlich ins Leben ein? Was kommt dabei heraus an sozialer Wirksamkeit? Wenn Sie versuchen, darüber einen Überblick zu gewinnen, wird es möglicherweise unübersichtlich. Wir sind wirksam, von morgens bis abends (... auch wenn wir nicht wählen gehen, vielleicht sogar im Schlaf?) - wir wirken mit an einer Vielzahl von Verhältnissen, auch durch Unterlassung. Eine Übersicht können wir gewinnen, wenn wir uns folgende Fragen stellen: ... hier wäre nun eine Pause nötig, um zu bilanzieren. Bilanzieren Sie in aller Ruhe.
Aufbau inmitten der Zerstörung
Die Bilanz muss nüchtern sein. Sie spiegelt die uns umgebende Realität. Manch einer wird empört sein: ich solle doch nicht in Bausch und Bogen alles niedermachen. Und Sie haben recht: Es ist zum Verzweifeln. Man spürt die Ohnmacht, wenn man sich den Verhältnissen mit Bewusstsein aussetzt. Nicht wenige haben darüber den Verstand verloren. Dieses Bewusstsein muss weh tun. Es soll mit schmerzhafter Vehemenz hinführen zu der Frage: Wie lässt sich die vorherrschende Dynamik umkehren? Wie tragen wir den Aufbau hinein in die Zerstörung? Ohne dass wir in irgendeiner Weise an dieser Frage leiden, werden wir nicht ins Handeln kommen.
Wir sind sozial inkonsequent.Um jetzt diese Schrift nicht zum bloßen Aufsatz verkommen zu lassen, sei vorweggenommen, dass es mir eigentlich darum geht, einen Ansatz zu finden, mit dem gerade dies erreicht werden kann: dass wir in eine konstruktive Dynamik kommen. Ich muss nur erst feststellen, dass zwischen unserer Gesinnung und unserem tatsächlichen Tun eine Lücke klafft. Dies ist ein Vorwurf! Wir sind Teil des Problems! Wir können die Ansprüche unserer Gesinnung im Alltäglichen nicht erfüllen. Wir sind sozial inkonsequent. Als Begründung sind wir gewohnt auf die Verhältnisse zu verweisen, die uns zwingen, so oder so zu handeln. Das will ich auch unumwunden zugeben: ja, die Verhältnisse zwingen uns. Wir haben es nicht nur mit mangelndem Willen zu tun, sondern auch mit einer echten Not, mit einem Mangel an Alternativen. Über seine eigene Faulheit sei sich jeder selbst Rechenschaft schuldig. Hier soll es nur darum gehen, was man tun kann, wenn man bereits gewillt ist, sozial konsequent zu handeln.
Gemeinschaftliche Landwirtschaft
Man möge sich bitte klar machen, dass der Drang zur persönlichen Bereicherung eine der wesentlichen Triebfedern in der unheilvollen Dynamik des heutigen Wirtschaftslebens ist. Aber die Aufgabe der Wirtschaft ist eine gemeinnützige! Dahin führt uns organisch eine Vereinigung der Interessen von Erzeugern und Verbrauchern. Beachtet man dies nicht, so führt das dazu, dass beide Seiten bestrebt sind, sich gegenseitig auszunutzen. Und wenn kein Nutzen mehr aus der Sache herauszuziehen ist, hört die Beziehung einfach auf. Das führt im Ernstfall zum wirtschaftlichen Zusammenbruch. Die Wirtschaft, wie sie heute ist, wird einfach aufhören uns zu versorgen, wenn sie keinen Nutzen mehr aus uns ziehen kann! Umgekehrt ist das natürlich auch so. Sehen Sie aus dem Fenster: diese Dinge kommen auf uns zu!
Sinnvolle Zusammenhänge erfordern Verbindlichkeit
Wenn diese sinnvollen Zusammenhänge einmal da sind, kann aus ihnen durch Alltäglichkeiten konstruktive Dynamik entstehen. Einfach durch Entscheidung für die Alternative werden wir im angestrebten Sinne wirksam. Allerdings sind in weiten Bereichen der Gesellschaft keine oder nur Scheinalternativen vorhanden. Unter solchen Verhältnissen einen Anfang zu machen, ist schwer. Denken Sie an das Gesundheitssystem: eine Kasse aufzubauen, bei der nicht die Maßnahme, sondern der Fortschritt zur Gesundung vergütet wird, ist unter den heutigen Gegebenheiten sogar unmöglich (obwohl ich darauf brenne, in dieser Ansicht korrigiert zu werden). Aus der Landwirtschaft heraus wird dieser Anfang am ehesten zu machen sein. Wenn wir eine neue Gesellschaft wollen - hier kann man ansetzen.
Mehr zum Thema auf Sein.deAuf DVD: Farmer John. Mit Mistgabel und Federboa
BilderBaum pflanzen: Public Domain / Wikimedia
Autoren Info
Simon Junge geboren 1978 in Berlin, bewirtschaftet seit 2006 zusammen mit seinem Berliner Abnehmerkreis eine Gärtnerei in Pretschen (Spreewald). Diese sogenannte "Versorgungsgemeinschaft" finanziert den Betrieb durch die monatlichen Beiträge der Teilnehmer (Richtsatz 70,- Euro pro Haushalt). Eine gelegentliche Mithilfe bei der landwirtschaftlichen Arbeit ist Teil der Vereinbarung. Das Angebot erstreckt sich hauptsächlich auf Gemüse, aber auch Obst und Saft. Zudem laufen Bemühungen die Dioscorea Batata (Lichtwurzel) im Anbau so weit zu bringen, dass sie regulärer Teil des Angebots wird. Löwengarten Tag Cloudüberwinden allerorten aufgabe auftreten ausführungen bedürfnis betrachtung brauchen eigenen erkenntnis erstmal führt für feierabend folgen frage geht gerechtigkeitssinn gesellschaftliche inkonsequenz konsequenz leben lebensnotwendige leser müssen motivation nachgehen praktische resümee sei soziale sozialen unangenehm unbestimmte unterbreiten verantwortungsgefühl vorschlag vorzubereiten welt widersprüche wirksamkeit
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Leser Kommentare:
Am 19. Dezember. 2009 geschrieben von Simone Hurtmann
Lieber Verfasser,
ein beispielhafter Artikel, der ein Netzwerk gegründet auf Sinnhaftigkeit, Menschlichkeit und Nachhaltigkeit vermuten lässt. Projekte dieser Art sind meiner Meinung nach der Grundstein für ein Umdenken, das wie bereits A.Einstein es formulierte, notwendig ist, wenn wir überleben wollen. Während die Klimakonferenz gescheitert ist und uns plakativ unsere Unfähigkeit zur Einschätzung der weltweiten Situation im Hinblick auf Klima und Erderwärmung vor Augen hält, sind derartige Arktikel und die damit verbundenen Projekte ein Lichtblick in einer ansonsten desaströs verwirrten Welt, die ihrer selbstzerstörerischen Wahrheit noch immer nicht ins Auge sieht. Es bleibt abzuwarten, welche Ereignisse uns letztlich großflächig zum Umdenken bewegen können, damit es auch der Letzte versteht, dass der Raubbau an unserer Natur nichts anderes ist, als die Zerstörung unseres eigenen Daseins.
Vielen Dank für diesen Beitrag und viel Erfolg bei der Erweiterung dieses Projektes.
Viele Grüße
Simone Hurtmann