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Weg mit dem Wachstum! - Interview mit Niko Paech

Noch immer kennen die Politiker offenbar nur eine Antwort auf die sich ausbreitende Gesellschafts- und Finanzkrise: Wachstum. Der  Ökonom Niko Paech hingegen fordert genau das Gegenteil: Die Wirtschaft muss schrumpfen - so die Botschaft seines neuen Buches "Befreiung vom Überfluss: Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie". Im Interview mit pressetext erklärt der prominente Wachstumskritiker von der Universität Oldenburg seine Ideen.

 

Herr Paech, was stört Sie am Wachstum?

Paech: Unser ständiges Verlangen nach Mehr vernichtet Rohstoffe, zerstört die Umwelt und beutet andere Menschen aus. Die Folgen sind Klimawandel, Knappheiten und letztlich auch die derzeitige finanzielle Instabilität, die einen Wandel unabdingbar machen. Aufgrund unserer Konsum- und Mobilitätsabhängigkeit halten wir aber fest an einem Versorgungsmodell des ständigen BIP-Wachstums. Unsere Gesellschaft ist deshalb nicht nur reform- sondern therapiebedürftig. Als Alternative bietet sich die Postwachstumsökonomie als radikalisierter Ansatz der nachhaltigen Entwicklung an.

 

Kann eine Gesellschaft ohne Wachstum auskommen?

Paech: Ziel meines Ansatzes ist eine robuste, stabile Gesellschaft, die resilient gegenüber Krisen ist. Um das zu erreichen, muss sie sich entrümpeln, vor allem von den materiellen Artefakten, Routinen und Versorgungsmustern, die zuviel Geld oder Ressourcen verbrauchen und damit abhängig machen. Dabei geht es nicht um Verzicht, sondern um Optimierung. Insgesamt sollte es den industrialisierten Ländern gelingen, auf Dauer die Wirtschaftskraft um die Hälfte zu reduzieren.

 

Wie sieht das konkret aus?

Paech: Wenn die geldbasierte Wirtschaft halbiert würde, ergäbe sich eine 20-Stunden-Arbeitswoche und eine Abnahme der Produktion. Aber gleichzeitig werden dabei 20 Stunden frei, durch die wir gemeinschaftlich mit anderen zu urbanen Selbstversorgern werden können. Erstens produzieren wir wieder selbst, wie etwa das Urban Gardening zeigt, zweitens tauschen wir Gebrauchsgegenstände in nahegelegenen sozialen Netzen, beispielsweise das Auto, den Rasenmäher, die Waschmaschine oder die Digitalkamera. Drittens kommen wir mit der die Hälfte der Produkte aus, wenn wir deren Nutzungsdauer verdoppeln - indem wir wieder lernen, Dinge selbst zu reparieren.

 

Klingt nach einem Rückschritt in die Steinzeit.

Paech: Rückschritt ist negativ konnotiert. Ich sehe es als Fortschritt, wenn wir uns von der sklavischen Abhängigkeit des Kaufens von Produkten befreien, die ohnehin bald wieder kaputtgehen. Wir müssen uns von einemTeil des Konsum- und Mobilitätsballastes befreien. Wer dem Hamsterrad der käuflichen Selbstinszenierung entkommt, wird unabhängig von Konzernen und steigert sein Selbstwertgefühl. Soziale Kontakte im Zuge der Gemeinschaftsnutzung und des Tausches ersetzen einen Teil der Produktion und erhöhen die Lebenszufriedenheit.

 

Bei vielen Hightech-Produkten ist eine Eigenreparatur durch Laien jedoch undenkbar.

Klar, wir brauchen Gesetze gegen geplante Obsoleszenz - die intend