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Ethische Weltformel

Goldene RegelIm Gegensatz zur physikalischen Weltformel ist die Ethische bereits bekannt!

„Was du nicht willst, dass man dir tu´, das füg´ auch keinem andern zu." Oder: „Behandle andere so, wie du auch von ihnen behandelt sein willst."

Allen gegenteiligen Behauptungen zum Trotz funktioniert die Goldene Regel in der Praxis ganz vorzüglich. Ihre Ablehnung beruht meist auf intellektueller Hochnäsigkeit („primitives Prinzip") oder moralischer Bequemlichkeit: um unangenehmen Konsequenzen für das eigene Handeln aus dem Wege zu gehen.

Tatsache aber ist: Wenn sich alle Menschen an diese Regel hielten, wären augenblicklich 99 Prozent aller Übel, die sich durch moralisches Handeln beseitigen lassen, beseitigt! Und WEIL die Goldene Regel wie die PHYSIKALISCHE WELTFORMEL einen so großen Bereich abdeckt und auf den Punkt bringt, nenne ich sie auch ETHISCHE WELTFORMEL.

Ein beliebter Einwand gegen diese ethische Weltformel ist, dass sie nicht berück-sichtige, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Interessen haben. Dies führe dazu, das die Befolgung der Goldenen Regel absurde Konsequenzen zeige:

1. Wörtlich genommen, fordere die Regel einen Masochisten auf, ein Sadist zu werden: jemandem, der gerne von anderen gequält werden möchte, werde befohlen, andere zu quälen.

2. Wer zu stolz sei, sich helfen zu lassen, dürfte anderen nicht helfen.

3. Der Abstinenzler könnte voller Freude allgemein vorschreiben, dass niemand Wein oder Bier trinken sollte.

Zum Einwand, dass die Goldene Regel oder ethische Weltformel nicht berück-sichtige, das die Menschen unterschiedliche Interessen und Wünsche haben, ist folgendes zu sagen:

1. Unterscheiden sich die Menschen im Hinblick auf die grundlegenden Interessen und Wünsche kaum voneinander: Wer will schon belogen, betrogen, beleidigt oder gequält werden! Der Masochist ist zweifellos eine Ausnahme.

2. Und vor allem aber: Wo sich die Menschen in ihren Interessen und Wünschen unterscheiden, da berücksichtigen wir dies bei der Anwendung dieser Regel ohnehin automatisch, da alles andere ihrem Geist aufs gröbste widerspräche!

Vor die Frage gestellt, ob ich einem Behinderten beim Überqueren der Straße behilflich sein sollte, ist mein Gedankengang doch nicht: Da ich selbst nicht behindert bin und so weiter, sondern: Wenn ich jetzt an seiner Stelle wäre, würde ich mir wünschen, dass mir geholfen wird! Oder: Wenn ich jemandem mit einer Einladung zum Essen eine Freude bereiten möchte, serviere ich natürlich nicht MEINE, sondern SEINE Lieblingsspeise!

Kurz: Bei der Anwendung der Goldenen Regel geht es SELBSTVERSTÄNDLICH nicht darum, dem anderen die EIGENEN Wünsche aufzuzwingen, sondern darum, die Wünsche des ANDEREN zu berücksichtigen. Sinnvoll und akzeptabel ist deshalb selbstverständlich ausschließlich jenes Verständnis dieser Regel, bei dem man seinen Mitmenschen nicht SEINE eigenen, sondern IHRE eigenen Wünsche, Interessen und Bedürfnisse unterstellt. Die Frage darf also NICHT lauten: Wie würde ich, mit all MEINEN Eigenschaften, an seiner Stelle behandelt werden wollen? Sondern: Wie würde ich, mit all SEINEN Eigenschaften, an seiner Stelle behandelt werden wollen?

Die sinnvolle Formulierung der Goldenen Regel oder ethischen Weltformel lautet also: Behandle andere so, wie du selbst an ihrer Stelle wünschtest, behandelt zu werden. Und diese Regel ist für alle, DIE MORALISCH HANDELN WOLLEN, ein ganz her