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30. Juli

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WFG - Tag 4

Am vierten Tag des Wirtschaftsforums öffnete der Tollense Lebenspark seine Tore für Besucher und Interessierte, die von strahlendem Sonnenschein und einem in Blüte stehenden Park empfangen wurden. Gleichzeitig wurden die Arbeitsgruppen fortgesetzt, die an diesem Tag besonders praktische Themen behandelten. Es war nicht zu übersehen, dass die Teilnehmer sich inzwischen bestens mit der Open-Space-Technik angefreundet hatten - auch wenn ein Teil der Veranstaltungen diesmal eher Vortragscharakter hatte, da viele Gemeinschaften die Gelegenheit nutzen, ihre Lebensweise nochmal im Detail vorzustellen. Doch auch bei diesen Treffen standen oft praktische Fragen im Vordergrund: "Wie macht denn ihr das?" fragten sowohl Interessierte, als auch die Gemeinschaften untereinander.

Eine Frage, die vor allem auch für neue Formen von Entscheidungs- und Realisierungsprozessen gilt. Ein Teilnehmer, der aus der Gemeinschaft Auroville in Indien angereist war, berichtete etwa über "das Beste, was er von dort mitzubringen habe": Eine neue Methode namens "Dreamcatching" nämlich, mit der dort aus der Mitte der Gemeinschaft heraus neue Projekte realisiert werden. Auch andere Teilnehmer boten Workshops beispielsweise zu "Soziokratie" und "Dragon Dreaming" an - beides relativ neue Verfahren, um in Gruppen produktiv Entscheidungen zu fällen und Visonen  zu verwirklichen.

Eben hier liegt auch der enorme Werte von Gemeinschaften für die ganze Gesellschaft: Sie sind vor allem in sozialer Hinsicht Experimentierfelder, in denen heute schon Verfahren ausprobiert werden, die über die herkömmliche demokratische Entscheidungsfindung weit hinausgehen. Aber auch in technologischer Hinsicht hätten Gemeinschaften ein enormes Potential neue Innovationen voranzubringen - einen Schritt in diese Richtung tat die Arbeitsgruppe "Innovationen in Gemeinschaften", in der ganz konkret die Zusammenarbeit zwischen Vertretern von Innovationsfirmen und Gemeinschaften eingeleitet wurde. Dieser Schritt ist auch dringend nötig, denn nicht selten bleiben Gemeinschaften hinter der technologischen Entwicklung der Gesellschaft eher zurück, statt eine Vorreiterrolle einzunehmen. Dabei liegt gerade die Verbindung von Gemeinschaften mit Umwelttechnologien eigentlich auf der Hand und wird in einigen Projekten auch schon erfolgreich realisiert.

Was für ein Zwischenergebnis kann man am vorletzten Tag ziehen? Es waren zum Teil große Erwartungen an das Wirtschaftsforum geknüpft worden - viele kamen, um mit Ergebnissen in Form von konkreten Beschlüssen und Projekten wieder nach Hause zu fahren. Diese Hoffnung hat sich sicherlich nur zum Teil erfüllt, aber im Gespräch mit vielen Teilnehmern ließ sich im Verlauf der Veranstaltung zunehmend ein Prozessbewusstsein erkennen: Die unterschiedlichen Gemeinschaften zu einem handlungsfähigen Netzwerk zu verbinden, ist in allererster Linie ein gemeinschaftlicher Prozess. Denn zunächst muss überhaupt ein gemeinsamer Raum geschaffen werden, in dem ein solches Netzwerk realisiert werden kann. Der Wunsch, eine solche Verbindung quasi "von oben" zu beschließen, wich der Erkenntnis, dass sie, wenn überhaupt, nur organisch wachsen kann. Wie ein Teilnehmer richtig bemerkte: "Netzwerke kann man nicht machen, Netzwerke wachsen von selbst."

Mit dieser Erkenntnis und der Gewissheit auf dem richtigen Wege zu sein, genossen die Teilnehmer am Abend das Freilichtbühnen-Spektakel "Das magische Horn", dass eine Gemeinschaft von Künstlern im "Sportstadion" des Parks zum Besten gab - hier allerdings erfüllte sich die Hoffnung auf Knalleffekte dank großzügig eingesetzter Pyrotechnik voll und ganz.

 

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