Entzündungen sind ein großes Gesundheitsrisiko. An etwa 60 Prozent aller Todesfälle sind entzündliche Prozesse beteiligt. Akute Entzündungen sind etwas Gutes, um pathogene Keime oder Fremdkörper zu eliminieren. Werden diese aber chronisch, tragen Entzündungen zur Entstehung von Diabetes Typ 2 oder Krebs bei.

Typische Entzündungskrankheiten sind Rheuma und Gicht. Das Immunsystem ist überfordert und kann beim Kontakt mit Viren oder Bakterien keine adäquate Immunantwort geben. Antientzündliche Medikamente wie Iboprofen, ASS oder Cortisol haben teils gravierende Nebenwirkungen, nicht nur für den Magen, sondern sie erhöhen signifikant das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt, wie ich in meinem Buch über die „10 Power-Pflanzen gegen Entzündungen“ durch zahlreiche Studien belegt habe.

von Barbara Simonsohn

„Denn das Gute ist so nah“.
Es gibt im Pflanzenreich, teils direkt vor unserer Tür, nebenwirkungsfreie Heilpflanzen, die Schmerzen lindern, aber vor allem auch Entzündungen ursächlich zum Ausheilen bringen können. Die Pflanzen, die in diesem Artikel vorgestellt werden, sind alle besonders effektiv, ihre Wirkung durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt, darunter viele mit Goldstandard: randomisiert, doppel verblindet, placebokontrolliert. Dazu gibt es im erwähnten Buch alleine 330 Fußnoten und Quellenverweise.

Was hat die Ernährung mit Entzündungen zu tun?

Zu viel chronischer Stress, eine insgesamt ungesunde Lebensweise mit Bewegungsmangel, eine geringe Aufnahme von Ballaststoffen sowie aggressive Krankheitserreger schädigen die nützlichen Keime im Darm. Kuhmilchprodukte und zu viel Gluten sind ebenfalls nicht gut fürs Mikrobiom, außerdem auch Süßstoffe, künstliche Aromen, Geschmacksverstärker, Pestizide und viele Medikamente. Im Darm sind mehr als achtzig Prozent der Immunzellen angesiedelt. Darmschleimhautzellen sterben bei Industriekost ab, es entsteht ein Leaky-Gut-Syndrom, eine löchrige Darmwand. Nahrungsbestandteile und Keime diffundieren ins Blut, rufen die körpereigene Abwehr auf den Plan und führen zu Entzündungen sowie Autoimmunerkrankungen.

Auch ein „Zuviel“ an Omega-6-Fettsäuren und ein „Zuwenig“ an Omega-3-Fettsäuren fördern Entzündungen im Körper. Chronischer Stress lässt die Anfälligkeit für Infekte und Entzündungen steigen und dämpft das Immunsystem. Wer zu viel viszerales Bauchfett um die Körpermitte angesammelt hat, hat sich eine „Giftfabrik“ zugelegt, die ständig entzündungsfördernde Botenstoffe produziert und damit das Immunsystem beschäftigt. Stille Entzündungen oder Silent Inflammations kann man nicht durch Entzündungsmarker wie CRP feststellen. Das Immunsystem ist beschäftigt, und wenn der Organismus in Kontakt zu pathogenen Viren oder Bakterien kommt, fällt die Immunantwort entsprechend schwach aus.

10 Power-Pflanzen gegen Entzündungen

Bromelain ist das Ananasenzym und besonders konzentriert im Strunk der Ananas zu finden, den die Guarani-Indianer „Herz der Ananas“ nennen. Bromelain ist ein Enzymgemisch, das entzündungshemmend wirkt. Achten Sie bei Enzympräparaten auf „POS“, das heißt magensaftresistent.
Bromelain bricht Proteine wie Fibrin auf und hemmt die Blutgerinnung im Bereich der geschädigten Gewebezone, wodurch der Abtransport von Gift- und Abfallstoffen wie Zelltrümmern beschleunigt wird. Das Ananasenzym ist hochwirksam bei der Deaktivierung von Prostaglandin E2 und dem Abbau von Immunkomplexen, eine Verbindung von Antigenen mit Antikörpern, welche zu neuen Entzündungsherden werden und Autoimmunerkrankungen wie Rheuma verursachen können. Außerdem moduliert Bromelain die Aktivität von Immunzellen wie Makrophagen und Lymphozyten, die eine entscheidende Rolle bei der Auslösung und Regulierung von Entzündungen spielen.

Auch Gingko biloba hat antientzündliche Wirkungen. Der „heilige“ oder „Tempelbaum“ in Hiroshima überlebte die Atombombe nur 800 Meter vom Epizentrum entfernt. Polyphenole in den Blättern regeln die entzündungsfördernden Prostaglandine und Interferon hinunter und greifen hemmend in entzündungsfördernden Signalwege ein. Auch die Polysaccharide in Gingko erwiesen sich als signifikant entzündungshemmend.
Gingko biloba kann das Risiko von Alzheimer verringern und bei vorhandener Demenz die Symptome verbessern, wie etliche Studien belegen. Auch Menschen mit Kniearthrose hilft Gingko, indem entzündungsfördernde T-Zellen zu einer Apoptose, einem Selbstmordprogramm getrieben werden. Gingko ist wichtig für die Gehirngesundheit und Gesundheit des Körpers, weil die Pflanze die Aktivität von antioxidativen körpereigenen Enzymen wie Superoxid-Dismutase und Katalase steigert.

Kamille gilt als DIE Magenheilpflanze. Dass sie auch eine starke antientzündliche Wirkung hat, ist noch wenig bekannt. Bioaktive Substanzen wie Apigenin, Glykoside, Terpene, Polysaccaride, Chamazulen sowie Tannine wirken sämtlich entzündungshemmend und beugen damit überschießenden Immunreaktionen und einer Chronifizierung von Entzündungen vor. Wenn Sie Kamillentee länger als zehn Minuten ziehen lassen, werden Sie merken: er schmeckt nicht mehr lieblich, sondern extrem bitter. Die Bitterstoffe in Kamille wirken allesamt entzündungshemmend, viele davon stärken das Immunsystem und wirken schmerzlindernd.
Kamille hat sich als Mittel zur Heilung von Magenschleimhautentzündung und -geschwüren bewährt, welche oft durch Anti-Entzündungs-Medikamente wie Ibuprofen oder Aspirin entstehen. Die Inhaltsstoffe dieser gut untersuchten Heilpflanze helfen bei rheumatoider Arthritis, Kniearthritis und diabetischer Neuropathie. Patienten, die die wegen Kniearthritis einer Operation unterziehen mussten, brauchten in der Kamille-Gruppe weniger Schmerzmittel, und ihre Beweglichkeit und Belastbarkeit nahmen schneller zu als in der Vergleichsgruppe. Kamille hilft auch Allergikern. Das Azulen in der Kamille stabilisiert, wie Studien belegen, die Aktivität von Mastzellen, die bei Kontakt mit Allergenen Histamin ausschütten und weitere entzündungsfördernde Substanzen.

Kurkuma wird in der Ayurveda-Lehre als „heiliges Gewürz“ betrachtet, weil das Glucosamin darin einen wichtigen Nährstoff darstellt zum Aufbau gesunder Gelenke, wie auch moderne Studien belegen. Sulfate im Gelbwurz verbessern die Eigenschaften der Gelenkflüssigkeit. Eine Doppelblind-Studie mit 50 Patienten mit Arthritis ergab, dass Schmerzen, Steifheit und Bewegungseinschränkungen der Kurkuma-Gruppe um durchschnittlich 58 Prozent zurückgingen, und die Gehstrecke sich von durchschnittlich 76 Metern auf 332 Metern verlängerte.
Kurkuma schützt auch das Gehirn vor Nervenentzündungen, heilt bestehende Entzündungen – „neuro inflammations“ – aus und verbessert die kognitiven Fähigkeiten von Patienten mit kognitiven Defiziten, aber auch von mental Gesunden. Auch bei Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn verbessert Kurkuma die Symptome.

Lavendel beruhigt nicht nur die Seele und hilft als Lavendelkissen oder in der Duftlampe zu schnellem und tiefen Schlaf. Inhaltsstoffe wie Flavonoide, Tannine, Gerbstoffe und ätherische Öle wirken effektiv in der Prophylaxe und Therapie von Entzündungen. Das Immunsystem reagiert nicht über, und es kommt weniger zur Chronifizierung von Entzündungen und zur Entstehung von Autoimmunerkrankungen. Polyphenole wie Kaffeesäure und das Flavonoid Luteolin schützen als kraftvolle Antioxidantien das Gehirn und weitere Organe vor dem Angriff von freien Radikalen, bewahren so die Nervenzellen vor Entzündungen und sorgen dafür, dass sich entzündete Zellen regenerieren. Lavendel wirkt neuroprotektiv und schützt vor neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz oder Morbus Parkinson. Patienten mit Dermatitis, einer entzündlichen Kontaktallergie, berichteten über eine signifikante Verbesserung der Symptome wie Schmerzen, Schwellungen und Rötungen.

Rosmarin ist nicht nur ein leckeres Küchenkraut zum Beispiel für Rosmarin-Kartoffeln, sondern eine Heilpflanze, die eine besonders starke entzündungshemmende Wirkung entfaltet. Verantwortlich dafür sind bittere Diterpene wie Carnosol und Rosmanol sowie Glykoside wie Diosmetin, Luteolin und Genkwanin. Aber auch die ätherischen Öle wie Cineol, Alpha-Pinene, Rosmarinsäure, Ursolsäure, Kampfer und Borneol halten überbordende Entzündungsprozesse in Schach. Rosmarin heilt Entzündungen aus bei schlecht heilenden Wunden und hat sich auch bei Verbrennungen, Sonnenbrand, dem diabetischen Fuß und Frauen bewährt, bei denen ein Dammschnitt durchgeführt wurde. Rosmarinsalbe hilft bei Akne und Dermatitis, einer entzündlichen Hauterkrankung, aber auch bei Rheuma. Rosmarin-Mundspülung beugt Paradontitis vor. Geben Sie einfach in Ihr Mundwasser ein paar Tropfen ätherisches Rosmarinöl.

Rotwurzelsalbei ist eine bekannte Heilpflanze in der TCM, der traditionellen chinesischen Medizin. Tanshinone gehören zu den Terpenoiden und entfalten eine starke antientzündliche Wirkung. Sie verringern die Ausschüttung von entzündungsfördernden Zytokinen wie Tumornekrosefaktor TNF-alpha, Interleukin-1-beta und Interleukin-6. Weitere Inhaltsstoffe wie Salvanolsäure, Oleanolsäure und Isoferulasäure wirken ebenfalls entzündungshemmend. Rotwurzelsalbei oder Danshen wird in China und der TCM bei Colitis ulcerosa, Nierenentzündungen, chronischer Pankreatitis und chronischer Gastritis mit Erfolg allein oder mit weiteren Kräutern eingesetzt. Angina pectoris ist eine Entzündungserkrankung, und Danshen wirkt hier sogar wirksamer als das Standardmedikament, wie Studien belegen. Überzeugende Heilungserfolge gibt es auch bei Schuppenflechte und Herpes Zoster oder Gürtelrose. Zur Behandlung gehen Sie am besten zu einem Arzt oder Heilpraktiker, der auf TCM spezialisiert ist.

Die Schafgarbe ist ein Allrounder, was ihr Heilungsspektrum betrifft. Kein Wunder, dass sie 2025 zur Arzneipflanze des Jahres gekürt wurde. Ich habe ihr ein eigenes Buch gewidmet. Das Flavonol Quercetin bremst Entzündungen aus und hilft bei rheumatischen Beschwerden. Weitere entzündungshemmende Stoffe in Schafgarbe sind Azulen, Resveratrol, Beta-Sitosterol und Saponine. Die Azulene im ätherischen Öl der Scharfgarbe sind neben den Sesquiterpenlactonen jene Wirkstoffe, denen hauptsächlich die Anti-Entzündungs-Wirkung zugeschrieben wird.
Schafgarbe hemmt die antientzündliche Wirkung der Enzyme HNE und DCQA, die maßgeblich an der Entstehung von Entzündungsprozessen beteiligt sind, wie Professorin Brigitte Kopp vom Institut für Pharmakognosie der Universität Wien herausfand. Ätherisches Schafgarbenöl verhindert Lippenherpes, fördert die Wundheilung und hilft bei Krampfadern. Ein Rezept für Schafgarbencreme finden Sie in meinem Buch.

Die Blätter der Schwarzen Johannisbeere haben Sie vielleicht noch nicht in Ihrer Hausapotheke. Nicht nur die Vitamin-C-reichen Beeren sind gesund, sondern auch die Blätter. Sie enthalten bis zu 1,2 Prozent Flavonoide, darunter Kaempferol und Myricetin mit antientzündlichen Eigenschaften. Flavanole wie oligomere Proanthocyanidine kennen Sie vielleicht unter der Abkürzung OPC. OPC sind maßgeblich für die antientzündliche Wirkung der Johannisblätter verantwortlich und können es mit der Wirksamkeit der entzündungshemmenden Medikamente Indomethacin und Aspirin aufnehmen ohne deren Nebenwirkungen. In Studien gehen bei Patienten, die einen Extrakt aus den Blättern der schwarzen Johannisbeere nahmen, ihre Entzündungswerte und die Konzentration von proentzündlich wirkenden Mediatoren signifikant zurück.

Last but not least ist Weihrauch eine sehr effiziente Anti-Entzündungspflanze. Der indische Weihrauch Boswellia serrata steht wegen seiner Boswelliasäuren im Mittelpunkt auch der deutschen Forschung. Weihrauch verhindert die Bildung von Leukotrienen und entzündungsfördernden Prostaglandinen aus Arachidonsäure und bremst damit Entzündungen aus. Außerdem reduzieren Boswelliasäuren die Histaminausschüttung der Mastzellen und hemmen ein Peptid namens LL-37, das bei der Entstehung von Autoimmunerkrankungen eine wichtige Rolle spielt.
Professor Oliver Werz, Direktor des Instituts für Pharmazie an der Universität Jena, fand heraus, dass die im Weihrauch enthaltenen Boswelliasäuren ein für den Entzündungsprozess entscheidendes Enzym umprogrammieren, das normalerweise entzündungsfördernde Botenstoffe produziert, in ein Enzym, das entzündungsauflösende Botenstoffe produziert. Dies ist im Pflanzenreich einzigartig.
Weihrauch gibt es als Medizinprodukt aus nachhaltiger Sammlung in der Weihrauchapotheke Biesingen. Wirksam ist Weihrauch zum Beispiel bei Kniearthrose und weiteren Formen der rheumatoiden Arthritis, Morbus Crohn und Multipler Sklerose. Die Kräuterpädagogin Diana Kaiser stellt Cremes auf der Basis von Weihrauch her, und im Superfood-Brot „Die 10“ von Gregors Superfood findet sich Weihrauchpulver. Bei Zahnfleischentzündungen kauen Sie einfach ein Kügelchen naturreines Weihrauch-Harz.

Es gibt kaum eine Krankheit, von Krebs bis Herzinfarkt, die nicht mit Entzündungen als Mit-Ursache in Verbindung gebracht wird. Die Weltlage wird sich kurzfristig vermutlich nicht radikal verbessern, und damit leiden viele unter entzündungsförderndem chronischem Stress, auch diejenigen, die sich um eine gesunde Lebensweise bemühen. Medikamente haben teils gravierende Nebenwirkungen. Wie schön, dass es so viele Power-Pflanzen gibt, die hier helfen, trotzdem gesund zu bleiben oder gesund zu werden. „Für jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen“, stellte Sebastian Kneipp fest, und dies gilt Gott sei Dank auch für den modernen Menschen der heutigen Zeit.


Buchtipps:

Barbara Simonsohn:
„Antientzündliche Power-Pflanzen. Chronische und stille Entzündungen heilen – und vorbeugen“,
Mankau 2026 (erscheint am 2.11.26)
„Die Schafgarbe – Arzneipflanze des Jahres“, Mankau
„Die sagenhafte Heilkraft der Ananas“, Windpferd
„Heilsame Küchenkräuter“, Mankau

Tipps:

Superfood-Brot „Die 10“ (enthält alle entzündungshemmenden Pflanzen, bio, glutenfrei, Versand EU-weit),
Weihrauch-Apotheke Biesingen 

Flora Apotheke Hannover, spezialisiert auf Bromelain-Therapie nach Dr. Nieper 

Kontakt zur Autorin: www.barbara-simonsohn.de

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