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Partnerschaft ist ein echtes Abenteuer. Um es erfolgreich zu bestehen und damit ein zufriedenes und glückliches Leben in der Partnerschaft führen zu können, sollten wir uns genauso rüsten, als ob wir zum Abenteuer einer Expedition aufbrechen. Wir müssen uns selber kennen lernen und Überlebens-Fertigkeiten einüben, und zwar jeder individuell solche, an denen es ihm oder ihr mangelt.

Viele machen zu spät die Entdeckung, dass eine liebevolle Grundhaltung zwar wichtig, aber noch nicht ausreichend ist. Andere eignen sich aus Büchern, Kursen oder guten Ratschlägen von Freunden und Familie einen Satz von Regeln an, die fragwürdige Verallgemeinerungen sind und dann meistens zu einem selber gar nicht passen. Wieder andere begeben sich auf den Vermittlungsmarkt, wo eine schnelle Partnerwahl die Risiken auf später verschiebt.

Wesentliches Rüstzeug für eine erfolgreiche Partnersuche ist die Fähigkeit, die eigenen individuellen Stärken und liebenswerten Eigenschaften herausbringen und einem potenziellen Partner zeigen zu können. Das lässt sich lernen.
Für eine dauerhafte und glückliche Partnerschaft ist das wesentliche Rüstzeug der Umgang mit den aggressiven Impulsen, Missverständnissen und Verletzungen, die in jeder Partnerschaft unvermeidlich sind. Dafür müssen Partner sich fair streiten können. Faires Streiten braucht Training und lässt sich lernen. Nur dann kann in einer Partnerschaft Intimität wachsen. Auch Intimität braucht Training.

Intimität braucht Training

In unserer westlichen industriellen Welt werden die Lebensgemeinschaften zwischen Mann und Frau immer brüchiger. Menschen haben mehr als eine, manchmal zahlreiche Partnerschaften in ihrem Leben. Partner sind immer weniger bereit, sich durch größere Schwierigkeiten durchzuarbeiten, um ihre Partnerschaft zu erhalten. Eine erhoffte Selbstverwirklichung wird höher bewertet, und die eigene Selbstverwirklichung wird immer sehr schnell in Gefahr gesehen.
Die sich verkürzenden Zeiten zwischen Partnerschaften weisen aber darauf hin, dass Menschen in Partnerschaften etwas suchen, das sie dann, wenn sie es nicht finden, beim nächsten Partner weitersuchen – mit nicht viel größerem Erfolg. Es ist der Hunger nach Intimität, der in dem Maße größer geworden ist, in dem echte Intimität in Partnerschaften zurückgegangen ist.

Intimität braucht Training. Ein solches Training fehlt in der Sozialisierung der heutigen Menschen immer mehr, ja wir bringen Intimität gar nicht mit dem Gedanken an Training in Verbindung.

Erhalt der Partnerschaft und Selbstverwirklichung

Manch einer meint, seine Partnerschaft sei deswegen gescheitert, weil er sich  berufsbedingt zu wenig um seine Familie gekümmert habe. Würde es uns helfen, wenn alle Menschen nur noch Halbzeitjobs hätten, so dass sie mehr Zeit mit der Familie, d. h. dem Partner und den Kindern, verbringen können? Wahrscheinlich viel weniger, als man sich erhoffen würde. Bloßes Zusammensein führt noch nicht zur Fähigkeit zu Intimät.

Intimität braucht konstruktives Streiten

Mit dem Hunger nach der verlorenen Intimität hat sich auch eine streitvermeidende, aggressionsphobische Tendenz in partnerschaftliche Beziehungen eingeschlichen. Die ersehnte Intimität will man ja nicht durch „nutzloses“ Streiten in Gefahr bringen, besonders da das hohe Gut der Harmonie, wie man meint, wichtiger als die meisten Streitanlässe sei.
So ist mit dem Training für Intimität auch das Training zum Streiten verloren gegangen und das Gefühl dafür, dass beides zusammen hängt. Training zum Streiten heißt: So streiten zu lernen, dass am Ende eine tiefere Verbindung steht und nicht eine beschädigte.

Widersprechende Forderungen in der Partnerschaft

An beide Partner sind widersprechende Forderungen gestellt. Jeder Partner will und soll seine Identität nicht preisgeben, sondern soll das, was er oder sie ist, verteidigen. Auf der anderen Seite will und muss er dies auch dem anderen Partner zugestehen. Was ist nun mit den Bereichen, in denen beide Anforderungen sich entgegenstehen?
Das können ganz einfache Dinge sein: Ein Partner tut etwas in einer Weise – lässt seine Sachen ständig herumliegen oder vergisst, das Haus abzuschließen -, über die sich der andere Partner ärgert, besonders, wenn es immer wieder geschieht. Viele Anlässe sind augenscheinlich trivial, aber wenn der eine eine sexuelle Angewohnheit hat, die den anderen stört oder diesen vielleicht sogar abstößt, dann wird es für die Beziehung gefährlicher.
Es führt kein Weg darum herum: Man darf den Steit nicht scheuen, wenn die Irritationen das erste Mal auftreten. Dann ist eine ärgerliche Reaktion noch proportional zum Anlass. So ist sie eine wichtige Information für den Partner, der nun weiß, wie groß die Irritation ist.

Streiten verbindet

Wenn der Streit mit einer liebevollen Versöhnung abgeschlossen wird, sind die Partner sich unmittelbar näher gekommen. Darüber hinaus haben sie einen Irritationsherd aus ihrer Partnerschaft entfernt, der, wenn verschleppt, zu einer größeren Belastung für die Partnerschaft werden könnte. Eine gute Streitlösung bedeutet auch, dass die Partnerschaft stabiler geworden ist.
Natürlich lassen sich im Normalfall unzählig viele Dinge ohne Streit regeln. Ein Streit erlaubt aber dem Partner, den Ernst der Lage da einzuschätzen, wo es schwierig wird, und dann gemeinsam einen Ausweg zu finden, der dem Anlass gerecht wird.

Hoffnungen, Erwartungen und Illusionen

Für manche mag der Begriff „Streiten“ so negativ besetzt sein, dass sie die Vorstellungen von „Streiten“ und „ihre Partnerschaft festigen“ nur schwer zusammenbringen können. Wir wollen daher noch einen Aspekt beleuchten, bei dem unmittelbar klar wird, dass eine Partnerschaft langfristig nur dann überlebensfähig ist, wenn die Partner sich mit einer Offenheit begegnen, die auch die Auseinandersetzung nicht scheut.

Alle Menschen gehen mit Erwartungen an den anderen Partner in eine Partnerschaft. Es gehört zur allgemeinen Lebenserfahrung, dass viele Erwartungen aus der Phase der Umwerbung und Verliebtheit Illusionen sind, die der eine sich vom anderen macht. Viele solcher Illusionen sind Hoffnungen, die wir in den anderen hineinprojizieren. Andere werden von einem Partner aktiv erzeugt, um den anderen von sich einzunehmen. Dies muss nicht mit vollem Bewusstsein und in voller Absicht geschehen. Meistens entwickeln Menschen einen Stil im Umgang mit anderen, der schauspielerische Elemente enthält und ihnen als ihre „Persona“ (ursprünglich: Maske) selbstverständlich geworden und gar nicht mehr bewusst ist.

Die Kosten der Erzeugung von Illusionen kommen auf die Partner im Laufe der Partnerschaft zu, wenn die Erwartungen enttäuscht werden. In so einem Fall muss noch nicht Hopfen und Malz verloren sein, wenn die Partner sich frühzeitig gegenseitig offenbaren. Sie entdecken dann möglicherweise, dass der andere gar nicht so viel Wert auf eine Eigenschaft oder ein Attribut legt, wie man vermutet hat, oder dass den anderen etwas viel weniger stört, als man angenommen hatte. Die Partnerschaft wird aber dann zunehmend gefährdet, wenn die Illusionen weitergetragen werden. Es kommt immer irgendwann der Punkt, da die Illusionen nicht mehr aufrecht erhalten werden können und ein Erwachen gegenüber der Wirklichkeit unvermeidbar wird.

Der Mut zur Offenheit

Es gehört Mut dazu, sich so darzustellen, wie man ist, mit allen Stärken und Schwächen und mit allen Ecken und Kanten. Ein Ergebnis des partnerschaftlichen Trainings ist die Einsicht bei den Teilnehmern, dass Schönfärben langfristig nichts bringt und die Partnerschaft mit einer Hypothek belastet, deren Sollzinsen wachsen und die irgenwann einmal abgetragen werden muss. Zum anderen kommt aus dem partnerschaft- lichen Training die wertvolle Erfahrung, dass andere meistens auch solche Eigenschaften und Attribute akzeptieren, deren man sich möglicherweise schämt oder die man aus einem anderen Grund verbergen möchte.

Das Partnerschaftstraining

Wo in Partnerschaftstrainings zum Streiten ermutigt wird, tritt die große Vielfalt des Lebens und der individuellen Persönlichkeiten zutage. Teilnehmer lernen es, selbst Wege des fairen Streitens und des versöhnenden Beenden von Streits zu finden und darin Kreativität zu entwickeln. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass niemand emotional verletzt wird und dass zerstörerische Streitformen vermieden werden.
Streiten und Intimität hängen eng zusammen. Ja man kann sagen, dass Partner, die sich nie streiten, auch keine Intimität entwickeln. Eine zur Schau getragene unendliche Geduld kann eine Form von Aggression sein, gegen die der andere sich schwer wehren kann und die in ihm Groll wachsen lässt. Er fragt sich schließlich, ob er dem anderen gleichgültig ist.

Mit Ihrem Mut zur Offenheit und Ihrer Fähigkeit zu fairem Streiten sind Sie gut gerüstet, um von vornherein den richtigen Partner zu finden und brauchen nicht in mehreren Partnerschaften „Erfahrungen“ zu sammeln.

Über den Autor

Avatar of Dr. Hartmut Grebe

leitet Gruppen, in denen es um die beiden großen Lebensbereiche Lebensgemeinschaft und Arbeitswelt geht. Hartmut war früher ein analytisch orientierter Gruppentherapeut. Er hat die analytische Therapie aufgegeben und konzentriert sich heute in seinen Gruppen auf praktische Lebenshilfe mit von ihm entwickelten Methoden.

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Tel.: 030 – 814 17 18

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