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Durch Statistiken können leicht Zusammenhänge kreiert werden, wo es gar keine gibt – wie einige absurde Beispiele zeigen.

Koinzidenz oder Kausalität?

Die Schwierigkeit der Interpretation statistischer Daten ist mir erstmals vollständig klar geworden, als ich für ein Projekt über Ernährung diverse Studien lesen musste. Ich war erstaunt, wie viel Forschung in diesem Bereich in völlig falsche Richtungen lief und läuft, weil das gleichzeitige Auftreten von zwei Dingen mit einem kausalen Zusammenhang verwechselt wird.

Tatsächlich wissen wir besonders was unseren eigenen Körper betrifft noch erstaunlich wenig über die tatsächlichen Zusammenhänge – viele wichtige biochemische und genetische Mechanismen wurden in den letzten 10 Jahren überhaupt erst entdeckt. Ähnlich ist es in vielen anderen Bereichen.

 

Kausale Zusammenhänge

Statistiken, die einen Zusammenhang behaupten, aber nur eine Gleichzeitigkeit (Koinzidenz) oder Entsprechung (Korrelation) zeigen, sollten mit Vorsicht genossen werden. Zwei Beispiele:

Bei vielen Picknicken sind Ameisen anwesend – das bedeutet aber nicht, dass Ameisen Picknicke verursachen.

Reiche Menschen haben teure Autos – dass heißt aber nicht, dass man reich wird, wenn man sich ein teures Auto kauft.

Im ersten Fall gibt es eine Koinzidenz aber keinen Zusammenhang. Im zweiten Fall gibt es einen Zusammenhang, aber er ist umgekehrt, als in unserer Aussage vermutet.

 

Absurde Statistiken

Um den Unterschied zu verdeutlichen hat der Amerikaner Tyler Vigen hat auf seiner Webseite eine Reihe absurder Daten zusammengetragen, die sich vergleichen lassen, wodurch sich herrlich absurde Schein-Zusammenhänge kreieren lassen.

Hier ein paar schöne Beispiele:

 

Scheidungsrate in Maine vs. Verzehr von Margarine (USA)

 

US-Staatsausgaben für Raumfahrt, Wissenschaft und Technologie vs. Selbstmord durch Erhängen

 

Anzahl der Menschen, die starben, weil sie sich in ihrem Bettlaken verhedderten vs. Einnahmen aus Ski-Gebieten

Wissenschaft und Intelligenz

Vorsicht also mit solchen Korrelationen: So beeindruckend sie auch sein mögen, der Eindruck „das kann doch kein Zufall sein“ täuscht in den meisten Fällen.

Trotzdem beginnt wissenschaftliche Erkenntnis oftmals mit solchen Korrelationen, die als Ausgangspunkt von Hypothesen dienen. Diese sind aber reine Spekulation, solange es keine plausible Theorie gibt, die den genauen kausalen Zusammenhang erklärt.

Diesen kausalen Zusammenhang zu erkennen, ist derzeit eine Besonderheit der menschlichen Intelligenz: Für Computer ist es sehr leicht, Korrelationen zu finden, aber derzeit noch fast unmöglich, selbstständig Theorien über kausale Zusammenhänge zu entwickeln.

Und noch immer gibt es zahlreiche Gebiete in der Wissenschaft, die nicht über das Stadium der Korrelation hinaus kommen: Bei vielen Krankheiten tappen wir genauso im Dunklen, wie bei der Frage nach dem Bewusstsein selbst.

Das hat auch für Otto-Normalverbraucher Konsequenzen. Vorsicht ist besonders im gesundheitlichen Bereich geboten, wo sich sehr leicht Schein-Zusammenhänge zwischen der Einnahme bestimmter Substanzen und dem Ausbleiben diverser Krankheiten herstellen lassen. Wann immer es keine Erklärung über den genauen Wirkmechanismus gibt und keine Studien existieren, die diese Theorie belegen, sind solche Statistiken wenig aussagekräftig.

Oder glaubst du, dass der häufige Verzehr von Margarine wirklich die Scheidungsrate in Maine beeinflusst?

 

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