Dieser mehrteilige Achtsamkeitskurs wendet sich an alle Menschen, die sich ihren Lebenserfahrungen sanft-mutig und gelassen hingeben möchten.

Von Lena Grabowski

Inspirierende Geschichten

Das Bild vom Frieden

Es war einmal ein König, der schrieb einen Preis im ganzen Land aus: Er lud alle Künstlerinnen und Künstler dazu ein, den Frieden zu malen und das beste Bild sollte eine hohe Belohnung bekommen.
Alle Malerinnen und Maler im Land machten sich eifrig an die Arbeit und brachten dem König ihre Bilder. Von allen Bildern, die gemalt wurden, gefielen dem König zwei am besten. Zwischen denen musste er sich nun entscheiden.

Das erste war ein perfektes Abbild eines ruhigen Sees. Im See spiegelten sich die malerischen Berge, die den See umrandeten und man konnte jede kleine Wolke im Wasser wiederfinden. Jeder, der das Bild sah, empfand sofort Frieden.

Das zweite Bild war ganz anders. Auch hier waren Berge zu sehen, aber diese waren zerklüftet, rau und kahl. Am düsteren grauen Himmel über den Bergen jagten sich wütende Wolkenberge und man konnte den Regen wild fallen sehen, den Blitz aufzucken und auch fast einen Donner krachen hören. An einem der Berge stürzte ein tosender Wasserfall in die Tiefe, der Bäume und Geröll mit sich riss. Niemand, der dieses Bild sah, hatte begriffen, wie es in diesem um Frieden gehen könne.

Der König jedoch hatte hinter dem Wasserfall einen winzigen Busch entdeckt, der auf einer der zerklüfteten Felswände wuchs. Und in diesem kleinen Busch hatte ein Vogel sein Nest gebaut. Dort in dem wütenden Unwetter an diesem unwirtlichen Ort saß ein Muttervogel auf seinem Nest und brütete – in tiefem Frieden.

Und welches Bild gewann nun den Preis?

Der König wählte das zweite Bild und begründete es folgendermaßen: „Lasst Euch nicht von schönen Bildern in die Irre führen: Frieden braucht es nicht dort, wo es keine Probleme und keine Kämpfe gibt. Wahrer Frieden bringt Hoffnung und bedeutet, auch unter schwierigsten Umständen und größten Herausforderungen ruhig und friedvoll im eigenen Herzen zu bleiben.“
(Verfasser unbekannt)

Frieden

(c) stuarthampton – pixabay.com

Inspirierende Übungen

Die Achtsamkeitslehre – eingebettet in der buddhistischen Philosophie sund der yogischen Tradition – doch auch losgelöst von beiden erfahrbar – kann ein heilsames Potenzial in sich birgen. Regelmässig praktiziert, können wir gelassener im Umgang mit alltäglichen Herausforderungen werden und Ruhe bewahren in konfliktreichen Wandlungensphasen. Diese Praxis kann uns ein Gefühl innerer Ruhe und Gewissheit ermöglichen, dass eine weise Kraft allem innewohnt – so auch in uns – die die Dinge zu führen vermag.

Wir können somit auch schwierigen Situationen begegnen, ohne direkt den Boden unter den Füßen zu verlieren. Denn das Leben ist beweglich, auf seine Weise auch unplanbar. Wir sind glücklich, wenn sich etwas fügt, das wir uns wünschen. Doch verzweifeln wir gerne, wenn es im Leben anders verläuft, als wir es gerne hätten. Dann empfinden wir Schmerzen. Gefühle tauchen auf, die wir als unangenehm empfinden. Und ja, manchmal ist Krieg in uns statt Frieden. Dann hadern wir mit den Dingen. Das Leben ist dynamisch. Bunt. Lebendig. Und als Mensch sind wir verletzlich.

Wie ein bekanntes Sprichwort sagt: Schenke mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Gib mir die Gelassenheit, Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann. Und schenke mir die Weisheit, das Eine vom Anderen zu unterscheiden. 

Und Eckart Tolle sagt über schwierige Lebenssituationen: Leave it. Change it. Or love it. Verlasse die Situation. Verändere sie. Oder liebe sie wie sie ist.

Und so möchte ich euch auch heute wieder einladen, eure Achtsamkeit in Bezug auf euch und das, was ihr gerade tut und erlebt, weiterhin zu verfeinern. Um auch in stürmischen, ungewissen Zeiten ein Nest in eurem Inneren zu wissen, das euch Geborgenheit, Gelassenheit und vielleicht auch ein Gefühl des Friedens schenken kann.

Frieden

(c) GDJ – pixabay.com

Inspirierende Übung

Wähle täglich ganz bewusst, in zwei bis drei Situationen, die dich erfahrungsgemäß emotional aufwühlen und antriggern, stattdessen ein inneres JA zu kultivieren. Atme rhythmisch und gleichmässig ein und aus und sage sowohl beim Einatmen als auch beim Ausatmen „JA“ zu dir und der Situation. JA zu deinen Gefühlen, JA zu diesem Moment.

Versuche, in dieser Situation nicht reaktiv zu werden, sondern sei dir gewahr, dass jede Situation im Leben eine vergängliche ist. So auch deine Haltung, deine Gefühle und deine Gedanken über diese Situation. Alles wird sich ohnehin wieder verändern.

Darum versuche einmal, in einem (minimal bis maximal 🙂 ) herausfordernden Augenblick erst einmal tief zu atmen und den biochemischen Cocktail, der sich im Inneren gerade zusammenbraut, auf natürliche Weise wieder zur Ruhe kommen zu lassen.

Wähle für einen winzigen Augenblick den Weg des Friedens in deinem Inneren!

Mit friedvollen Grüßen,

Lena

Über den Autor

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Lena Grabowski ist als Dozentin und Referentin für humanistische und integrale Psychotherapieverfahren tätig und bildet soziale, psychologische und medizinische Berufsgruppen darin aus. Sie bietet Traumatherapie und traumasensibles Coaching für Werte- und Zielfindung in einer Berliner Gemeinschaftspraxis an. Sie veröffentlicht regelmäßig Artikel und Kurzgeschichten.

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