Dieser mehrteilige Achtsamkeitskurs wendet sich an alle Menschen, die sich ihren Lebenserfahrungen sanft-mutig und gelassen hingeben möchten.

Inspirierende Geschichten

Der Bauer und das Pferd – Eine Geschichte über das Annehmen von den Dingen, die so sind wie sie sind.

Eine alte chinesische Geschichte erzählt von einem Bauern in einem armen Dorf. Er galt dennoch als reich, denn er besaß ein Pferd, mit dem er pflügte und Lasten beförderte. Doch eines Tages lief ihm sein Pferd davon. Seine Nachbarn eilten herbei und beteuerten, wie schrecklich dies sei, doch der Bauer sagte nur: „Ja. Vielleicht ist es schrecklich. Vielleicht auch nicht.“

Ein paar Tage später kehrte das Pferd zurück und brachte eine Stute mit. Die Nachbarn eilten wieder herbei und freuten sich alle über sein günstiges Geschick, doch der Bauer antwortete erneut: „Vielleicht ist das günstig. Vielleicht auch nicht.“

Am nächsten Tag versuchte der Sohn des Bauern, das neue Pferd einzureiten. Doch das Pferd warf ihn ab und er brach sich beide Beine. Die Nachbarn eilten erneut herbei und bekundeten ihm alle ihr Mitgefühl für dieses Unglück, doch der Bauer antwortete in aller Ruhe: „Vielleicht ist es Unglück. Vielleicht auch nicht.“

In der nächsten Woche kamen Rekrutierungsoffiziere ins Dorf, um die jungen Männer zur Armee zu holen, denn ein Krieg bahnte sich an. Den Sohn des Bauern wollten sie nicht, weil seine Beine gebrochen waren.
Als die Nachbarn ihm sagten, was für ein Glück er doch habe, antwortete der Bauer: „Ja. Vielleicht.“

(Eine chinesische Geschichte) 

Inspirierende Übungen

Wie sehr fühlst du deine Anwesenheit in deinem Körper? Bist du mit deinen Sinnen ganz wach und ganz hier auf dieser Erde angekommen? Und wie schmeckt dein Leben? Hast du davon schon ganz bewusst gekostet? Bekommst du in der Hektik des Alltags, in der Hektik deiner Gedanken und in der Intensität deiner Gefühle mit, wie die kostbaren Augenblicke schmecken?

Wirklich anwesend im Augenblick zu sein ist eine hohe Kunst. Doch erlernbar. Wir trugen diese Fähigkeit sehr lange in uns, als wir Kinder waren. Und jeder Moment ein unendliches Staunen in sich birgte. Diese Momente, in denen die Erfahrungen noch keine Begriffe hatten. Keine Zuordnungen. Keine Unterscheidungen in gut oder schlecht. Damals waren sie einfach nur Erfahrungen und Erlebnisse, die uns reifen liessen.

Heute lade ich dich dazu ein, dich mit deinem Sehsinn zu beschäftigen. Nimm heute das, was du siehst und tust, ganz aufmerksam über deinen Sehsinn wahr. Wenn du ein Glas in die Hand nimmst, um daraus zu trinken, schaue es dir ganz genau an. Wie ein Kleinkind, das vielleicht zum ersten Mal ein Glas in der Hand hält.

Wenn du etwas isst, dann schaue dir dein(e) Nahrungsmittel genau an. Wie sieht es aus? Welche Form hat es? Und welche Farbe?

Wenn du einem Menschen begegnest – wie sieht dieser Mensch wirklich aus? Wie geht dieser Mensch, wie bewegt er sich? Wenn er spricht, wie bewegt sich sein Mund, seine Augen, wie ist seine Mimik? Tue dies nicht in dem Sinne der Analyse oder Bewertung – sondern jenseits dessen: nimm diesen Menschen wahr als das was er in diesem Augenblick ist. Ein Lebewesen.

Und allem voran: Atme. Atme bewusst ein und aus und spüre, dass du lebst! Denn nichts im Leben ist selbstverständlich, nicht einmal dein Leben selbst. Nicht einmal dein Atem. Darum koste von jedem lebendigen Augenblick, so gut du kannst.

Mit herzlichen Grüßen,
Lena
 

 

Über den Autor

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Lena Grabowski ist als Dozentin und Referentin für humanistische und integrale Psychotherapieverfahren tätig und bildet soziale, psychologische und medizinische Berufsgruppen darin aus. Sie bietet Traumatherapie und traumasensibles Coaching für Werte- und Zielfindung in einer Berliner Gemeinschaftspraxis an. Sie veröffentlicht regelmäßig Artikel und Kurzgeschichten.

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