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Die Einführung der Gentechnik in Europa steht auf der Liste der Gentechnik-Multis an oberster Stelle, damit sich ihre Investitionen optimal amortisieren. Ein gefährliches Spiel: Pollen und Samen halten sich weder an Feldmarkierungen noch an nationale Grenzen. Die Folge: Wenn der Gesetzgeber mitzieht, werden wir bald keine natürlichen Nahrungsmittel mehr genießen können.

Die Agrar-Gentechnik, die Gentechnik in der Landwirtschaft, greift tief in die Grundbausteine des Lebens ein. Nicht alle Folgen sind bekannt – weder für den Menschen noch seine Umwelt. Ihr Nutzen ist fraglich.
Trotzdem vergrößert sich die Anbaufläche von gentechnisch veränderten Kulturpflanzen wie Soja, Mais oder Baumwolle. Weltweit betrug 2003 die Anbaufläche 67,7 Millionen Hektar – eine Fläche zirka so groß wie Deutschland und Polen zusammen. Bisher beschränkt sich der Anbau in erster Linie auf die USA, Argentinien, Kanada, Brasilien und China. Nun soll auch in Europa ein großflächiger Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen möglich werden. In Deutschland beschränkt sich der bisherige Anbau auf Versuchsfelder, wie beislpielsweise auf einer Fläche im Oderbruch. Hier wird genveränderter Mais (Bt-Mais) des amerikanischen Unternehmens Monsanto angebaut. Der Pflanze wird ein Gen des Bakteriums „Bazillus Thuringiensis“ (Bt) eingeschleust, so dass sie einen für Schadinsekten tödlichen Stoff produziert. Das Gift wirkt jedoch nicht nur bei diesen, sondern schadet auch sogenannten Nützlingen. Eine ungarische Studie zeigt, dass die Population des Tagpfauenauges um zwanzig Prozent zurückgegangen ist.

 

Die Super-Unkräuter greifen an

Der größte Teil gentechnischer Veränderungen bei Pflanzen bezieht sich auf Resistenzen gegen Insekten- oder Unkrautvernichtungsmittel. Die resistenten Pflanzen sollen Unkrautvernichtungsmitteln (Herbizide) standhalten, während alle anderen Pflanzen des Feldes vernichtet werden. Die Unkräuter entwickeln jedoch selbst eine Resistenz gegen das Herbizid. Die Bekämpfung solcher „Superunkräuter“ erhöht damit mittelfristig den Herbizideinsatz deutlich, wie eine amerikanische Studie nachweisen konnte. Die Anwendung der Gentechnik in der Landwirtschaft führt zudem zu anfälligen Monokulturen, denn gentechnisch veränderte Pflanzen sind hochgradig standardisiert und homogenisiert. Sie trägt bei zur Verringerung der Vielfalt der Lebewesen (Biodiversität). Sie gefährdet so unsere Ernährungssicherheit. Nach einem Bericht der Initiative „Agrobiodiversität entwickeln!“ bleiben jetzt schon 9 von 10 Kulturpflanzen in den Industrieländern ungenutzt und sind vom Aussterben bedroht. Die Agrar-Gentechnik verstärkt diese Entwicklung.
Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen betrifft die Lebensgrundlage aller Menschen. Eine Abgrenzung gegenüber anderen Feldern oder Naturräumen ist nicht praktikabel. Indem der Wind oder Insekten die Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen weitertragen, pflanzen sich gentechnisch veränderte Pflanzen auch dort fort, wo sie es eigentlich nicht sollen. Insbesondere Raps hat in Europa viele Artverwandte und die Gefahr einer Auskreuzung ist hier besonders groß.

 

Pufferzonen helfen nicht

Ein Nebeneinander von gentechnisch veränderten und nicht veränderten Pflanzen (Koexistenz) ist in Europa besonders schwer, da die Anbauflächen verhältnismäßig klein sind. Auch mögliche kostenintensive Schutzmaßnahmen wie Abstandsflächen und Pufferzonen zwischen den Feldern mit gentechnisch veränderten Pflanzen und konventionellem oder ökologischem Anbau können eine Koexistenz nur unzureichend sicherstellen. In der Verarbeitungskette können ebenfalls Verunreinigungen auftreten.
Kommt es zu einem großflächigen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in Europa, wird es mittelfristig weder eine gentechnikfreie Landwirtschaft noch gentechnikfreie Lebensmittel geben. Der ökologische Landbau ist damit existenziell bedroht. Eine solche Entwicklung widerspricht radikal den Bedürfnissen der Menschen in Deutschland und Europa: über 70 Prozent möchten keine Gentechnik in ihren Nahrungsmitteln.

 

Kein Nutzen nachweisbar

Und der Nutzen? Die Hoffnungen auf eine verbesserte Produktqualität, weniger Spritzmittel oder höhere Erträge haben sich nicht erfüllt. Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in den USA und Kanada belegt dies. Die Stoffwechselprozesse der Zelle und das Zusammenspiel der Gene ist so komplex, dass noch erheblicher Forschungsbedarf besteht, damit die gewünschten Eigenschaften mit Sicherheit vorher bestimmt werden können. Die Wechselwirkungen mit der Natur sind kaum erforscht. Lediglich bei 1 Prozent des weltweiten Anbaus werden die Auswirkungen auf die natürliche Umwelt berücksichtigt.
Biotechnologie-Unternehmen wie Monsanto, Bayer oder Aventis haben schon viel in die Agrar-Gentechnik investiert. Ohne den europäischen Markt hat sich dieser Einsatz nicht gelohnt. Die USA haben durch die Welthandelsorganisation massiven Druck auf die europäischen Länder ausgeübt. Europa hat sich diesem gebeugt: Der großflächige Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen wird noch in diesem Jahr möglich werden.

Breite Widerstandsfront gegen genmanipulierte Nahrung

Der Widerstand in Deutschland wächst: Umweltverbände, Entwicklungsorganisationen, Landwirte, Anbauverbände, Kirchen, Verbraucherschutzorganisationen u.v.a.m. laufen Sturm. Die Forderung: Keine Gentechnik in unserem Essen! Besonders der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Brandenburg, engagiert sich mit Veranstaltungen, Demonstrationen und Gesprächen.

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