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Gesundheit ist nicht nur die Abwesenheit von Krankheit

Jeder zehnte Mensch in Deutschland ist arm, und Armut macht krank. Arme Menschen haben in jeder Lebenslage ein mindestens doppelt so hohes Risiko zu erkranken, Opfer von Unfällen zu werden oder von Gewalt betroffen zu sein. Im Durchschnitt sterben arme Menschen sieben Jahre früher.

Gesundheit ist mehr als medizinische Versorgung

Die Zusammenhänge von Armut und gesundheitlicher Lage sind seit längerem bekannt und inzwischen auch politisch anerkannt. Die Verbesserung der Gesundheit von Menschen in schwierigen Lebenslagen ist eine Aufgabe für das gesamte Gesundheits- und Sozialsystem, aber auch für die Wirtschafts-, Umwelt-, Verkehrs- und Stadtteilpolitik. Denn die Gesundheit von Menschen wird nicht allein durch die medizinische Versorgung bestimmt. Viel mehr noch als Medikamente und Arztbehandlungen wirken der Bildungsstatus, das Einkommen, das Wohnumfeld und die sozialen Beziehungen auf die Gesundheit von Menschen ein. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat daher schon 1986 in der Ottawa-Charta festgestellt, dass vor allem die Entwicklung einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik und die Schaffung gesunder Lebenswelten Schlüssel zur Verbesserung der gesundheitlichen Lage sind.

Gesundheitsförderung bei sozial benachteiligten Menschen

Arme Menschen leben jedoch oft nicht nur in schlechteren Umwelt- und Wohnbedingungen. Sie haben häufig auch schlechtere Gesundheitschancen, weil sie aufgrund ihres Bildungsstatus über weniger Gesundheitskompetenzen, Gesundheitswissen und Zugang zu entsprechenden Informationsquellen verfügen. Aber auch arme Menschen haben vielfältige und wichtige Ressourcen, ihre eigene Gesundheit zu stärken. Sie müssen daher darin unterstützt und gestärkt werden, ihre Rechte und Chancen auf Gesundheit zu realisieren. Das ist das Ziel von Gesundheitsförderung. Gesundheitsförderung kann jedoch nur erfolgreich sein, wenn sie nicht belehrend, nicht behütend und auch nicht ausgrenzend oder stigmatisierend ist.
Die Weltgesundheitsorganisation formulierte 1986 die Aufgabe der Gesundheitsförderung so: „Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozeß, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen. Um ein umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, daß sowohl einzelne als auch Gruppen ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen sowie ihre Umwelt meistern bzw. sie verändern können.“
Der Grundgedanke dieses Ansatzes ist, dass Gesundheit nicht nur das Fehlen von Krankheit bedeutet. Vielmehr ist Gesundheit ein positives Konstrukt, eine Ressource, die gefördert werden kann (Konzept der Salutogenese). Dieses Verständnis von Gesundheit erfordert neben der Reduktion von Gesundheitsrisiken (z.B. durch Impfen) auch die Förderung von Gesundheitsressourcen (z.B. durch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen).

Gesundheitsförderung in der Praxis

Soweit der ideelle Hintergrund von Gesundheitsförderung bei sozial benachteiligten Menschen. Was aber wird in der Praxis getan? Sehr viel! In einer Erhebung durch Gesundheit Berlin e.V. im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wurden über 2.600 Projekte und Maßnahmen festgestellt, die sich der Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten widmen. Diese Erhebung ist Teil eines bundesweiten Kooperationsprojektes, in dem sich viele Partner zusammengeschlossen haben, um sich gemeinsam für den Abbau der gesundheitlichen Ungleichheit von Gesundheitschancen zu engagieren.
Auf der Anbieterebene bemühen sich vielfältige Praxisprojekte darum, für verschiedene Gruppen, z.B. Kinder, Alleinerziehende, MigrantInnen, ältere Menschen oder Arbeitslose entsprechende Angebote zu machen. Die Bandbreite reicht von „klassischen“ Themen der Gesundheitsförderung, wie Ernährung, Bewegung, Stressbewältigung bis hin zur beruflichen Qualifizierung, Aufbau von Problembewältigungsstrategien oder Stadtteilgestaltung.

Politik und Dialog…

Gesundheitsförderung und Prävention sind aktuelle Themen, die zurzeit auf allen politischen Ebenen diskutiert werden. Es ist ein Präventionsgesetz in Vorbereitung, das Gesundheitsförderung und Prävention auch gesetzlich verankern soll. Als ein Grundprinzip ist darin der Bezug auf die Soziallage der jeweiligen Zielgruppe vorgesehen.
Ein regelmäßiger Austausch zum Thema findet seit 1995 auf dem jährlichen Kongress Armut und Gesundheit statt. Der Kongress wird von Gesundheit Berlin e.V zusammen mit vielen anderen Institutionen und Partnern veranstaltet. Hier treffen sich Vertreter/-innen aus Wissenschaft, Politik, öffentlichem Gesundheitsdienst, Krankenkassen und Ärzteschaft mit praktisch Tätigen, Betroffenen, Betreuenden, Studierenden und anderen Interessierten. Im vergangenen Jahr fand der Kongress mit etwa 1.500 Teilnehmer/-innen und 50 Workshops am 3. und 4. Dezember zum nunmehr 10. Mal statt.

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