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Atropin ist ein giftiger Bestandteil verschiedener Nachtschattengewächse, wie zum Beispiel der Tollkirsche. In der griechischen Mythologie ist Atropos, die „Unabwendbare“, die älteste der drei Schicksalsgöttinnen. Sie wurde als alte Frau mit einer Schere dargestellt. Als Zerstörerin war es ihre Aufgabe, den Lebensfaden zu zerschneiden. Sie wählte die Art und Weise des Todes eines Menschen.

Heute wird Atropin überwiegend in der Notfallmedizin eingesetzt. Es hat einen festen Platz in der kardio-pulmonalen Reanimation, also während der Wiederbelebung durch Herzdruckmassage und Beatmung. Mit Hilfe von Atropintropfen erweitert der Augenarzt die Pupillen und kann so den Augenhintergrund diagnostizieren. Atropinsulfat als Gegengift bestimmter Nervenkampfstoffe muss im Notfalldepot jeder Apotheke ausreichend vorhanden sein.

 

Kinder der dunklen Nacht

 

Homöopathisch öffnet uns Atropin die Augen für schwere Schocks, die wir in der Kindheit erlitten haben. Der Blick auf den Hintergrund und auf unsere Wahrheit ist nun frei. Der Blick auf das, was jeder vermutlich versucht hat zu verdrängen. Für unsere damalige Verzweiflung suchen wir unbewusst erfolglos nach Möglichkeiten der Lösung. Aber wir können den bewerteten Blick auf unsere alten, durch negative Gefühle geprägten Erfahrungen nicht ändern. So wirken diese unbewusst, beeinflussen unser Leben heute und machen uns dadurch zu negativ und zu vorsichtig im Umgang mit uns selbst und anderen. Wir haben den Kontakt zu unerträglichen Erfahrungen abgeschnitten und uns so selbst verlassen. Wir möchten dieser Situation entkommen. Flucht scheint die einzige Lösung. Aber diese Gefühle, die wir nicht mehr spüren wollen, sind nicht verloren gegangen. In unserem inneren Kind sind sie gespeichert, bis wir uns wieder auf das Sehen des vergrabenen Schmerzes konzentrieren.

 

Verletzungszeichen der Seele

Immer wieder muss der verletzte Teil der Seele des Kindes „die Augen zumachen“ (Atropin ist homöopathisch indiziert bei Augenerkrankungen und bei Furcht, blind zu werden). All die verletzten, verzweifelten, machtlosen, traurigen und wütenden Teile unseres „Ich“ werden zeitweise vom Gedächtnis abgespalten und im Innern der Seele verborgen. Ob erlittene Misshandlung oder Verlust eines geliebten Menschen – die kindliche Übernahme der Schuld ist Gegengift für das unerträgliche Gefühl von Ohnmacht. Unter diesen Schuldgefühlen aber zerbricht unser Selbstwert, und so gebremst in unserer Lebensdynamik, beziehen wir nicht mehr Stellung für uns selbst. Wir glauben nicht, so handeln zu dürfen, wie wir eigentlich möchten, und die chronische Wut entlädt sich in akuten/chronischen Entzündungen der Bauchspeicheldrüse und Magengeschwüren. (Atropin-Leitsymptome: Stottern; verlegenes Sprechen; Angst, als habe man ein Verbrechen begangen; Händezittern, Muskelkrämpfe).

 

Angst vor der Wut und dem Schmerz des inneren Kindes

Homöopathisch befreit Atropin den „Kinski in uns“, was vielen von uns sicherlich zunächst auch mal ganz gut bekommen würde. Denn wir haben Angst vor unserer Wut. Vielleicht könnte sie uns ja Probleme verursachen, so wie in unserer Kindheit. Vielleicht überwältigt uns die Wut, wenn wir uns ihr öffnen, vielleicht würden wir uns oder andere verletzen oder sogar jemanden töten…
Wut kann in ihrer verschlossenen rachsüchtigen, angstmachenden Form außer Kontrolle geraten und Schaden zufügen (Atropin-Leitsymptom: Raserei, Gewalttätigkeit, Schlagen), aber auch öffnen, helfen und alte Wunden heilen. Unter der Angst liegt immer der Schmerz verborgen. Der Schmerz, von dem wir glauben, dass er, wenn wir uns ihm öffnen, niemals enden und uns überwältigen wird. Oder dass wir gar an ihm sterben oder verrückt werden.

 

Die Brücke zum inneren Kind

Homöopathisch hilft uns Atropinum bei der Angst davor, unsere Wahrheit zu erfahren. Es verhilft uns zu einem klaren Blick im Hier und Jetzt, indem wir alte negative Erlebnisse, durch die wir uns ständig unbewusst bedroht fühlten, überwinden. Gesichert durch eine professionelle homöopathische Anamnese, und nur dann, kann Atropin, wenn es denn das individuell passende Mittel ist und der Zeitpunkt wirklich stimmt, seine heilende Wirkung entfalten und so die Brücke zum inneren Kind in uns selbst bauen. Denn es wird uns diesen Schmerz erst fühlen lassen, wenn es darauf vertraut, dass wir nicht davor wegrennen und es dabei unterstützen, von diesem Schmerz zu lernen und durch ihn hindurchzugehen.

Bild: © Alexander_Maier-fotolia.com

Über den Autor

Avatar of Werner Baumeister

ist Heilpraktiker mit homöopathischer Praxis in Berlin.

Die im SEIN regelmäßig veröffentlichte Fortsetzungsserie: „Homöopathische Arzneibilder von Werner Baumeister“ versteht sich auch als homöopathischer Spiegel aktuellen Zeitgeschehens.

(Sammlung aller bisher veröffentlichten Artikel) beim Autor direkt unter: 0172 – 391 25 85

Eine Antwort

  1. Nebulo

    Ich fühlte mich durchschaut und bin überzeugt, Atropin könnte mir helfen. Ich habe 2 Wochen Nux Vomica genommen und habe endlich erkannt, dass ich meine Seele vernachlässigt habe. Ich habe auf alle Rücksicht genommen – aber die wenigen Dinge, die meine Seele braucht, einfach nicht erkannt. Nie hätte ich gedacht, dass Homöopathie so eine starke Wirkung hat. Wieso muss eine professionelle Anamnese sein? Ist es nicht möglich, in sich hineinzuhören, das passende Mittel zu suchen und so selbständig Schritt für Schritt weiterzukommen? Ich denke daran, Atropinum zu Nux Vomica hinzuzunehmen. In einer niedrigen Potenz (D12) kann da sicher nichts schiefgehen? Wenn’s nicht passt kann man ja ein neues Mittel ausprobieren. Sie haben die Gründe und die Wirkung sehr gut erklärt

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