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Bei spirituellem Wachstum sprechen wir oft auch von Bewusstseinserweiterung. Was bedeutet das? Und wie funktioniert es? Shai Tubali über die einfache und effektive Methode des Ausdehnens.

 

Alles hat Grenzen

Alles in diesem Universum ist eine Struktur. Jedes Phänomen in diesem Universum hat seine Grenzen und Umrisse, eine eigene Form, Merkmale und Eigenschaften. Und das stimmt nicht nur für sichtbare Formen, sondern auch für subtilere Erscheinungen wie Gedanken, Emotionen und Empfindungen, ja auch für Ideen, Glaubensvorstellungen, Symbole und menschliche Verhaltensmuster. In der Tat hat selbst das Universum an sich eine Struktur, die wir durch unser Bewusstsein reflektieren können, und sogar unser Bewusstsein selbst hat eine Struktur.

Das Verständnis, dass alles eine Struktur und damit auch eine Grenze hat, ist äußerst wichtig und geht über philosophische Erwägungen weit hinaus. Denn in dem Moment, in dem man eine Struktur und ihre Grenzen identifiziert, kann man sie einfach transzendieren. Wenn man entdeckt, was jenseits der Grenzen einer Struktur liegt, bedeutet dies, dass man über ihre Schranken hinausgehen kann, dass man weiter und freier als die klar umrissene Struktur wird. Jedes Mal, wenn wir eine solche Grenze überwinden, wird uns klar werden, dass wir uns in irgendeiner Weise verändert haben, dass wir eine enorme Veränderung in unserem Bewusstsein, in unseren Gedanken, Emotionen und Gefühlen erlebt haben – und so erkennen wir, dass wir viel mehr sein können, als wir uns je vorstellen konnten.

 

Bewusstseinserweiterung

Unser Bewusstsein verfügt über ein riesiges, wenn nicht gar unermessliches Spektrum an Möglichkeiten, wir könnten Zeit unseres Lebens darin eintauchen, ohne sein Ende zu erreichen. So, wie uns der Weltraum mit seinen Milliarden Galaxien erstaunt und in sich unzählige mögliche Entdeckungen trägt, liegt auch in unserem Bewusstsein eine gewaltige Bandbreite möglicher Erlebnisse, Einsichten und subtiler Dimensionen verborgen.

Ein gewisser Teil dieses Spektrums ist im Laufe der Geschichte von vielen Menschen entdeckt worden, die sich ausgiebig mit Meditation und spiritueller Kontemplation beschäftigt haben. Einiges davon kann nun durch ein sehr nützliches Werkzeug für das Bewusstsein enthüllt werden, das ich „Ausdehnung“ nenne. Die Ausdehnung ist ein Werkzeug, mit dessen Hilfe man in die Weiten des Bewusstseins navigieren kann. Dazu werden wir unser Bewusstsein auf ein Objekt unserer Aufmerksamkeit konzentrieren und diese Erfahrung ausdehnen; wir werden seine Grenzen durchbrechen und erkennen, dass wir auf eine neue Weise fühlen und wahrnehmen können.

 

Bedingungsloses Glück

Wir werden mit einer sehr einfachen Ausdehnung anfangen – der Ausdehnung einer positiven Emotion. Natürlich sind wir nicht daran gewöhnt, eine positive Emotion auszudehnen, da eine positive Emotion für sich genommen schon mehr als ausreichend scheint. Allein der Vorschlag, eine positive Emotion auszudehnen, legt nahe, dass es etwas jenseits ihrer Grenzen gibt, das wir finden sollten. Aber warum sollten wir das tun? Nun, die einfache positive Emotion entsteht meistens aus flüchtigen Umständen, sie hängt von einem bestimmten Erlebnis ab, einer Person oder einem vorübergehenden Zustand – ihre Ausdehnung dagegen enthüllt uns ein neues Potenzial, eine freie und glückliche Existenz, deren Freiheit und Glück nicht von äußeren Umständen abhängt, die von nichts verursacht werden muss.

In diesem Sinne schließe jetzt also kurz die Augen und erlaube deinem Bewusstsein, ganz mühelos einen Moment oder einen längeren Zeitraum auftauchen zu lassen, in dem du die positivste Emotion erlebt hast, die du dir denken kannst. Es könnte deine Hochzeitsnacht sein oder die Geburt deines ersten Kindes; es könnte ein Moment sein, in dem du ein großes wissenschaftliches Mysterium begriffen hast oder der Moment, in dem du beim Meditieren oder in der Natur einen Zustand unendlichen Friedens gefunden hast. Schließe einfach die Augen, lasse einen Moment lang los und erlaube deinem Bewusstsein, eine derart wunderbare Zeit an seine Oberfläche steigen zu lassen…

Du brauchst nicht mit Hilfe deines Verstandes angestrengt danach zu suchen. Jede Erinnerung an das Erlebnis einer tiefen positiven Emotion verbirgt sich in genau diesem Moment in den Zellen deines Körpers. Die gute Nachricht lautet, dass die Erinnerung an positive Erlebnisse in uns ganz und gar lebendig ist, nicht nur die an traumatische Erlebnisse. Wir neigen dazu zu sagen: „Dieses Trauma verfolgt mich, als wäre es gestern erst passiert.“ Und vergessen dabei, dass auf die exakt gleiche Weise jederzeit auch ein seelischer Höhenflug in Reichweite ist, wir müssen dafür nur mit einer lebendigen positiven Erinnerung in Kontakt kommen.

Sobald du eine solche lebendige Erinnerung gefunden hast, komme mit ihr in Berührung, sinnlich, emotional und visuell. Hole sie dir vor dein inneres Auge und dann, indem du dich auf sie konzentrierst und in sie hineinatmest, erlebst du sie wieder ganz und gar neu. Als Nächstes versuche diese positive Erinnerung auszusprechen – wie fühlt es sich an? Du brauchst das Erlebnis nicht zu analysieren oder zu interpretieren. Fühle es einfach aufs Tiefste und beschreibe, wie es sich anfühlt.

Eine Frau könnte sich zum Beispiel an die Geburt ihres ersten Kindes erinnern, einen Moment, in dem sie den Gipfel emotionaler und spiritueller Erhabenheit erlebt hat. Als Antwort auf die Frage „Wie fühlt es sich an“ könnte sie erwidern: „Als würden Grenzen aufbrechen, als würde ich mich endlos öffnen. Es fühlt sich an wie Leben, das aus mir herausströmt, wie ein komplettes Aufgehen im Wunder der Schöpfung…“.

So würde sie die Struktur der Emotion zunächst charakterisieren. Nachdem du also die Emotionen und das ganze Erlebnis zum Leben erweckt hast, ist es an der Zeit, die emotionale Struktur als – im wahrsten Sinne des Wortes – visuelle Form zu enthüllen.

Die Struktur erkennen

Wie erkennt man eine Struktur? Jeder von uns trägt in sich nicht nur jene Sinne, mit denen er die sichtbare Welt wahrnehmen und beschreiben kann, sondern auch innere Sinne, die Sinne des Bewusstseins. Wir nutzen diese Sinne unter anderem im Traumzustand. Wann immer wir träumen, können wir Dinge und Ereignisse berühren, riechen, schmecken, hören und sehen, die keine objektive Existenz haben. Wir benutzen also genau diese Sinne, um Strukturen in unserem Bewusstsein zu erkennen und zu beschreiben.

Am wichtigsten ist es zu erkennen, wo genau die Struktur – in diesem Fall die emotionale Struktur – in unserem Körper erscheint. Unser Körper ist der erste Anker. Selbst wenn wir es mit einem sehr hohen spirituellen oder abstrakten Zustand zu tun haben, gibt es immer einen Bereich des Körpers, der am meisten auf diesen Zustand reagiert und mit ihm verbunden ist.

Nachdem wir den Bereich des Körpers gefunden haben, der am meisten mit dem Erlebnis korrespondiert, können wir unsere inneren Sinne einschalten und so recht einfach die Form der Emotion erkennen. Es ist vielleicht eine Überraschung, aber tatsächlich hat jede Emotion eine Form, die irgendwo in uns existiert. Es könnte eine geometrische Form sein – ein Rechteck, ein Kreis, ein Dreieck, eine Pyramide oder eine Ellipse – aber es ist auch möglich, dass es sich um ein weniger abstraktes Bild handelt, eine sich öffnende Blume, stille Wellen im Ozean oder ein loderndes Feuer.

Als Nächstes identifizieren wir die Farbe der emotionalen Struktur….

Dann benennen wir das zentrale Gefühl oder die Empfindung, die mit der Struktur einhergeht…

Schließlich konzentrieren wir uns auf den Geruch der Struktur – ein Geruch, der nicht unbedingt konkret wie der Duft von Rosen sein muss, sondern auch eine allgemeine Stimmung oder Atmosphäre beschreiben kann, wie der Geruch von Liebe…

Schließlich wählen wir einen allgemeinen Namen für die gesamte Struktur aus. Ein „allgemeiner Name“ meint nicht unbedingt eine absolut exakte Bezeichnung, sondern einfach den ersten Namen, der aus unserem Innersten aufsteigt, wenn wir uns auf die gesamte Struktur konzentrieren, die wie soeben erkannt haben.

So könnte die glückliche Frau aus unserem vorigen Beispiel die Struktur als eine reinweiße Blume im Zentrum ihrer Brust sehen, die Empfindung dazu könnte Vollkommenheit sein oder Fülle, mit dem Geruch äußerster Schönheit. Der erste allgemeine Name, der beim Betrachten dieser Struktur in ihrem Inneren aufsteigt, könnte ‚Neues Leben‘ sein.

Emotionen Ausdehnen

In diesem Stadium sind wir bereit, die erste Ausdehnung der emotionalen Struktur zu vollziehen. Es ist recht schwierig, ein abstraktes Phänomen wie eine Emotion auszudehnen. In dem Moment aber, in dem ihre Struktur erkannt und charakterisiert worden ist, ist es viel leichter, sie auszudehnen und zu entdecken, was jenseits ihrer Grenzen liegt. Was ist der weiteste Zustand, zu dem die Struktur des Neuen Lebens uns führen kann? Was ist das volle Potenzial dieser Struktur – ein Potenzial, das uns weit über die Grenzen dieses oder eines anderen vorüberziehenden emotionalen Erlebnisses hinausführen kann, entgegen unserer Gewohnheit, solche Erlebnisse schon bald als bloße Erinnerungen verblassen zu lassen?

Ausdehnung ist das Jenseits; sie bedeutet, dass wir uns jenseits der Grenzen von allem bewegen, das wir kennen und gewohnt sind. Und so ist die Ausdehnung wie ein Fortbewegungsmittel des Bewusstseins, mit dessen Hilfe wir uns leicht aus jedem beengten und begrenzten Zustand in einen viel weiteren und sogar grenzenlosen Zustand bewegen können. Das hat die wundersame Folge, dass jeder kurze Moment des Glücks sich in Glückseligkeit verwandeln kann, und ebenso kann sich jede verstörende negative Emotion von einer Ausdehnung zur nächsten in spirituelle Erhabenheit verwandeln.

 

Ausdehnung – die Weiten des Bewusstseins

Wir führen Ausdehnungen auf die folgende Art und Weise durch: Wir atmen in die Struktur hinein und erlauben ihr, sich weiter und weiter auszudehnen, indem wir unsere Vorstellungskraft und unseren Atem nutzen (mit der Zeit wird die Struktur sich wie von selbst ausdehnen, als natürlicher Impuls des Bewusstseins, ohne dass wir etwas von unserer Seite aus dafür tun müssen). Dafür nutzen wir den spezifischen Teil des Körpers und das Bild oder die Form, die wir gefunden haben – sie sind unsere Ankerpunkte, unsere lebendigsten und greifbarsten Bezugspunkte während des Ausdehnungsprozesses.

Nun impliziert allein die Tatsache, dass wir die Struktur identifiziert haben, dass unser Bewusstsein viel weiter als die Struktur selbst ist – richtig? Was zuerst riesig schien, vielleicht sogar zu groß, um es überhaupt zu fassen, zeigt sich jetzt als etwas, das in unserem Bewusstsein enthalten und deutlich wahrnehmbar ist. Noch einmal, man kann nur etwas ausdehnen, dessen Grenzen eindeutig identifiziert worden sind; nur das, was einen Anfang, eine Mitte und ein Ende hat. Behalte diesen wichtigen Punkt in Erinnerung: Er wird besonders wichtig, wenn wir das Stadium der Selbsttherapie erreichen und mit schmerzhaften negativen Emotionen arbeiten. Es ist natürlich einfacher, die Grenzen einer positiven Emotion zu erkennen, die wir bereitwillig und gerne noch einmal erleben möchten, und es ist schwerer, zumindest am Anfang, eine negative Emotion zum Leben zu erwecken und es dann zu wagen, ihre Grenzen zu definieren.

Es gibt gewisse negative Emotionen, die uns unendlich groß vorkommen und bei denen wir uns vorstellen, dass die Berührung mit ihnen uns in einen bodenlosen Abgrund der Traurigkeit sinken lassen würde…. Allein die Tatsache, dass wir willens sind, die Struktur in unserem Bewusstsein zu halten, sie wahrzunehmen, ohne ihr entkommen zu wollen, sie zu verurteilen, uns zu rechtfertigen oder uns mit ihr zu identifizieren, gibt uns die Möglichkeit, sie zu transzendieren – wir begreifen uns selbst als einen größeren Raum des Gewahrseins, der allem gestatten kann, in ihm aufzusteigen, ohne dass sich Abwehr- oder Anziehungskräfte einmischen. Als dieser Raum stimmen wir zu, diese Struktur einfach sein zu lassen, während wir uns gleichermaßen zum Wohle unserer Entwicklung über die gewohnten Grenzen hinauswagen.

In diesem wundersamen Zustand also akzeptieren wir einerseits alles, was auftauchen mag – genau so, wie es ist. Wir gewähren allem einen Platz in uns, und gleichzeitig machen wir uns an das Transzendieren, indem wir die Struktur bewusst immer weiter und weiter ausdehnen, bis sie ihre äußerste Grenze erreicht hat, bis sie sich nicht mehr weiter ausdehnen kann. Wir führen die Struktur bis zu einem Punkt, an dem sie sich uns ganz und gar zeigen kann. Vielleicht erstaunt es uns, dass die Struktur tatsächlich dieser Bitte folgt, und doch ist dies ganz einfach der erste Schritt auf unserem Weg, Meister unseres eigenen Bewusstseins zu werden.

 

Von Grenzen ins grenzenloses Bewusstsein

Der Prozess des Ausdehnens der Struktur kann mit dem Aufblasen eines Ballons verglichen werden, der schließlich seine maximale Grenze erreicht und dann explodiert. Auf die gleiche Weise versucht die Struktur, uns zu zeigen, wie weit sie sich ausdehnen kann, bis sie schließlich zerspringt und in einen weiteren Raum aufgeht.

Unsere frischgebackene Mutter könnte mithilfe ihrer Vorstellungskraft und ihrer Gefühle in die weiße Blume in ihrem Herzen atmen und sie ausdehnen. Die Blume würde vielleicht in einem solchen Maße wachsen, dass sie schließlich ihren gesamten Körper umfängt und sogar darüber hinausgeht; auf einmal würde es scheinen, als existiere ihr Körper innerhalb der Blume, nicht umgekehrt. Aber an einem bestimmten Punkt würde sich die Blume nicht mehr weiter ausdehnen können und dann würde sich zeigen, dass auch sie in einem noch weiteren Raum existiert, einem Raum, der die Blume also enthält. Die Blume würde gewissermaßen in diesen neuen Raum aufgehen und so würde unser Bewusstsein sich auf die Größe der neuen Ebene ausdehnen, jenseits der Grenzen der ursprünglichen Emotion, mit der wir den Prozess begonnen haben.

„Gib der ausgedehnten Emotion einen Namen“, würden wir dann die Frau, die den Moment der Geburt ihres Kindes ein weiteres Mal erlebt, bitten. Nun, da ihr Bewusstsein weiter und umfassender ist, könnte sie die ausgedehnte Emotion als das vollkommene Selbst bezeichnen. Dieses vollkommene Selbst ist ein größerer und weiterer Zustand als der erste, den sie benannt hat. Dieser erste Zustand hieß: Neues Leben. Neues Leben war eine Emotion, die von äußeren Umständen abhing, in diesem Beispiel von dem Erlebnis des Gebärens. Das vollkommene Selbst hingegen ist eine akausale Emotion, eher eine Qualität des Seins als eine bekannte Emotion und somit nicht mehr von den äußeren Umständen abhängig.

 

Expansion ins Unendliche

Auf diese Weise bewegen wir uns, ganz wie bei der legendären Matrjoschka- Puppe, beim Ausdehnen der ursprünglichen positiven Emotion in immer weiter werdende Räume hinein, wobei in jedem Stadium der vorherige Raum – der uns anfangs schon sehr weit erschienen sein mag – in den Raum, der sich als Nächstes zeigt, aufgenommen wird. In jedem einzelnen Stadium führen wir den Prozess der Ausdehnung durch und charakterisieren gleich anschließend die neue Struktur oder den neuen Raum mit einem allgemeinen Namen: Wir fragen, wie es sich anfühlt. Wir finden einen Bereich des Körpers, der am stärksten mit dem Zustand verbunden ist. Eine Form oder ein Bild, eine Farbe, eine Empfindung, einen Geruch oder eine Stimmung…

Langsam, aber sicher bewegt sich unsere Mutter vom Erleben des Neuen Lebens in das vollkommene Selbst und vom vollkommenen Selbst zum grenzenlosen Raum und vom grenzenlosen Raum zur völligen Freiheit. Von der völligen Freiheit gelangt sie zu etwas, das sich kaum in Worte fassen lässt. Sie könnte es Gott oder Unendlichkeit nennen.

 

Glück aushalten

Auf unserem Weg durch den Prozess der Ausdehnung werden wir eine wichtige Prägung überwinden müssen: Wir sind nicht daran gewöhnt, so glücklich zu sein, so großartig. Wir sind daran gewöhnt, mit sehr wenig zufrieden zu sein, mit einer winzigen Menge an Freude, wir erleben von Zeit zu Zeit Emotionen schwacher oder mittlerer Stärke – aber nur selten gestatten wir uns, überwältigt zu sein, bis in die Haarspitzen angefüllt mit Liebe, Glück, Gewissheit und Vollkommenheit.

Ein Grund dafür ist, dass unsere Umgebung zu Zynismus neigt und diese Art „naiver“ Gefühle nicht unbedingt toleriert. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass diese Emotionen ihnen auf verstörende Weise vor Augen führen, mit welchen Kompromissen sie sich im eigenen Leben abgefunden haben. Hinzu kommt, dass viele Menschen aus ihrem bisherigen Leben die Lehre gezogen haben, dass auf ein positives Erlebnis stets emotionaler Schmerz oder eine Form körperlichen Leidens folgt.

Es gibt aber noch einen weiteren Grund: Der soziale Moralkodex hat in uns ein Misstrauen gepflanzt gegenüber der Lebenskraft, die durch uns hindurchsprudelt. Er warnt uns, dass wir, wann immer unsere Lebenskraft überquillt, auf unbedachte Weise handeln und uns dabei die Finger verbrennen können. Wir haben schon früh in unserer Kindheit gelernt, unser Erleben einzuschränken, sodass niemand verletzt wird, besonders wir selbst nicht. Dies ist also die Prägung: Man darf niemals zu glücklich sein. Aber was hat uns unser Gehorsam gegenüber diesem Gesetz wirklich gebracht? Dieses Experiment ist fehlgeschlagen, und eigentlich verdienen wir mehr, viel mehr, denn wir sind Teil dieses wundersamen Lebens.

Es kann also sein, dass während des Prozesses der Ausdehnung genau dann, wenn unser Wesen sich in diesen Zustand der Glückseligkeit hinein ausdehnt, plötzlich in irgendeiner Form negative Gefühle oder körperliche Spannungen entstehen, die versuchen, uns von den neuen Räumen abzulenken. Diese Anspannung ist aber kein Gegner der ausgedehnten Räume und wir sollten ihr Vorhandensein nicht so interpretieren, als seien wir plötzlich in Ungnade gefallen. Im Gegenteil: Ihr Erscheinen ist ein Garant dafür, dass ein Prozess der Reinigung und Befreiung im Körper-Psyche-Komplex in Gang gekommen ist. Je mehr unser Sein sich ausdehnt, desto mehr neue Energie wird freigesetzt und beginnt, in uns zu fließen; wie ein ekstatischer, erregter Fluss stürzt es gegen die Dämme, die wir selbst geschaffen haben, indem wir an falschen Glaubensvorstellungen, Gedanken und Emotionen angehaftet sind.

Die Lösung dafür ist wirklich einfach: Bring deine Aufmerksamkeit zu dem Raum selbst zurück, beschreibe seine Struktur und mache mit der Ausdehnung weiter. An einem bestimmten Punkt wird die alles einschließende Harmonie, die für diese ausgedehnten Räume charakteristisch ist, in deinen Körper und Geist fließen und sie in ein harmonisches, gesundes und gesegnetes System verwandeln. Beginne die Veränderung also in deinem Wesen, und Körper und Geist werden bald nachfolgen.

 

Der grenzenlose Zustand

Dehne weiter aus und führe etwa fünf Ausdehnungen durch. Es ist gut möglich, dass du nach zwei oder drei Ausdehnungen das Gefühl haben wirst, zu weiteren Ausdehnungen nicht in der Lage zu sein – versuche, die Ausdehnung noch ein klein wenig weiter voranzutreiben… So oder so wirst du an einem bestimmten Punkt in einen Zustand gelangen, bei dem du fühlst, dass er sich nicht weiter ausdehnen lässt. Demnach hat dieser Zustand, so weit du es deinem gegenwärtigen Entwicklungszustand entsprechend weißt, keine Grenzen. Du hast also einen grenzenlosen Zustand erreicht.

Dieser Zustand ist wertvoller als Gold, er ist der Schlüssel für unendliche Möglichkeiten. Denk daran: Wann immer du diesen Prozess der Ausdehnung durchführst, werden die Bewusstseinszustände, die du erreichen kannst, deutlich entwickelter und größer sein als das, was du beim letzten Mal erreicht hast. Das liegt daran, dass der Prozess der Ausdehnung dein Bewusstsein im wahrsten Sinne des Wortes ausdehnt und was immer dir an einem bestimmten Punkt grenzenlos vorkam, wird beim nächsten Mal der erste, ausgedehnte Zustand sein, den du erreichst. Auf diese Weise begegnest du deinem wahren Wesen. Die positive Emotion verwandelt sich in ein Tor, durch das du in die grenzenlosen Räume deines Bewusstseins treten kannst. Immer mehr verliert sich die Abhängigkeit von äußeren Umständen, anderen Menschen und vorübergehenden Erlebnissen und du begegnest den tiefsten Emotionen in ihrem reinsten Zustand, innerhalb deines allumfassenden Selbst. Das ist wahre Freiheit.

Durch den Prozess der Ausdehnung fängst du an, Gefühle und Emotionen der Erleuchtung zu berühren. Manche erreichen an dem einen oder anderen Punkt einen White Light (weißes Licht) genannten Zustand: Ihr Bewusstsein wird von dem strahlenden Licht ihres spirituellen Wesens überflutet. Aber auch jenseits der Ebene des White Light warten weitere Stufen und enorme Zustände, die von uns erkundet und voll erlebt werden wollen. Bald wirst du in der Lage sein, Zustände zu erleben, die man früher nur mit konsequenter Meditation über Monate oder sogar Jahre erreichen konnte. Dies ist möglich, weil die Ausdehnung die schnellste, direkteste und bewussteste Art ist, das Bewusstsein zu weiten. Willkommen in der Welt der Ausdehnung.

 

Mehr Artikel von Shai Tubali

White Light – Landkarte der energetischen Felder des Bewusstseins

 

Buch

White Light
Reise zur Glückseligkeit

Shai Tubali

 

250 Seiten

Verlag J.Kamphausen

 

ISBN 978-3-89901-707-6

 

 

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5 Responses

  1. Elisabeth Marichal

    Keine Übung und kein Konzept bringt dich in dem Zustand des unendlichen Glücks und der unendlichen Liebe. Es ist alleine die Erleuchtung die das bewirkt. Dafür ist es wichtig alles los zu lassen. Der Weg führt alleine über sich Selbst. Alles andere ist ein Schein und genauso eine Illusion wie die Person. Es ist ja die Person die etwas will und nicht eine geistige Entscheidung in einem winzigen Augenblick.

    In Liebe ♥

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  2. Cornelia

    Das Buch habe ich nicht gelesen. Als Yoga- und Meditationslehrerin habe ich eine ähnliche Meditationsanleitung geschrieben. Im NLP gibt es eine Übung die Menschen in einen kraftvollen Zustand hineinführt.
    Fast genauso beschrieben, wie in dem Artkel. Interessant ist immer die Reaktion vieler Menschen. Für die meisten sind diese positive Emotionen „zuviel“ – Sie sind wirklich damit (noch!) überfordert
    Gut für die Reflektionen anschließen sind folgende Zitate von Neslon Mendala (N.M)
    „Unsere tiefgreifendste Angst ist nicht, dass wir ungenügend sind. Unsere tiefste Angst ist, über das Messbare hinaus kraftvoll zu sein.“ N. M.
    „Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, das uns erschreckt.“ N. M.
    „Wir fragen uns, wer bin ich, mich brillant, großartig, talentiert, phantastisch zu nennen? Aber wer bist Du, Dich nicht so zu nennen? Du bist ein Kind Gottes.“ N. M.
    „Dich selbst klein zu halten, dient nicht der Welt. Zitat Nelson Mandela
    Es ist nichts Erleuchtendes daran, sich so klein zu machen, dass andere um Dich herum sich nicht sicher fühlen“. N. M.
    „Wir sind alle bestimmt, zu leuchten, wie es die Kinder tun.“ N. M.
    „Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu manifestieren.“ N. M.
    „Und wenn wir unser eigenes Licht erscheinen lassen, geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis dasselbe zu tun.“ N. M.

    Lichtvole Zeiten wünscht
    Cornelia

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  3. Natalie

    Ich habe das Buch gelesen und empfehle es jedem.
    Es ist berührend und intelligent und es enthält eine Reihe praktischer Übungen, die mich sehr neugierig machen – eine habe ich schon ausprobiert, der Effekt war ziemlich überraschend und toll.

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