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Wir sind alle einzigartig, aber niemand ist etwas Besonderes. Wir sind nur Öffnungen im Gewebe der Unendlichkeit, durch die das eine Licht in diese Welt scheint – durch jeden von uns auf einzigartige Weise. Je weiter wir auf unserer spirituellen Reise vorankommen, desto durchsichtiger werden wir für dieses Wunder, das durch uns hindurchscheinen möchte. Und je durchsichtiger wir werden, desto mehr erkennen wir uns selbst als dieses eine Licht, erfüllt von Dankbarkeit und Staunen.

Der Weg dahin hat viele Phasen, die alle ihre eigenen Herausforderungen haben. Eine Metapher für diesen Weg könnte vielleicht so aussehen, auch wenn Metaphern immer auch falsch sind:

Ein Licht in uns allen

Es gibt nur ein Bewusstsein in der Schöpfung, ein einziges Licht, das durch uns alle scheint. Als Seele sind wir wie das Licht, das durch eine Linse scheint, die das Strahlen der Quelle auf eine bestimmte Art und Weise bricht, manche Frequenzen betont und andere abschwächt. Das Licht unserer Seele scheint nicht aus sich selbst heraus, es ist das eine Licht, das in uns allen leuchtet. Jede Seele ist eine einzigartige Komposition von Frequenzen aus diesem einen Licht, ein einzigartiger Ausdruck des Unendlichen und gleichzeitig eins mit ihm.

Diese Komposition von Schwingungen ist unser wahres Selbst, unser ursprüngliches Licht. Die Linse, durch die das große Licht scheint, ist fast transparent, sanft und klar formt sie das große Licht zu diesem Selbst und um diese Licht-Form herum bildet sich eine subtile Identität – das „Ich bin“ unserer Seele. In dieser Form sind wir ein Wunder: Wir erfahren uns gleichzeitig als das Ganze und als Individuum, balancieren auf der Grenze zwischen Einheit und Ich.

Je tiefer wir in die Schöpfung eintauchen, desto stärker wird die Identifikation. Über die Leben lagern sich Verunreinigungen auf der Linse ab, welche die ursprüngliche Schwingungskomposition unserer Seele trüben und verzerren. Diese Verunreinigungen bilden ein scheinbares Selbst, eine Person, die wir glauben zu sein.

Der Weg zurück

Der Weg zurück nimmt den umgekehrten Weg, den Weg der Selbsterkenntnis. Wir erkennen, was zu uns gehört, was unser ursprüngliches Licht ist und was Ballast, den wir im Laufe unserer Reise angesammelt haben. Nach und nach reinigen wir die Linse und unser Selbst kann wieder in die Welt scheinen, ausgedrückt durch den Körper und Geist. Wir werden ganz und gar unsere Seele. Dann erkennen wir, dass wir nichteinmal die Seele sind, das nichts existiert außer das eine Licht der Unendlichkeit, das durch alle Seelen scheint.

Nach vielen Jahren und Leben der Identifikation mit der Persönlichkeit gibt es irgendwann einen Moment, in welcher wir unserer Seele gewahr werden, in dem wir unwandelbar und für immer erkennen, dass wir mehr sind als Körper und Persönlichkeit. Das Licht unserer Aufmerksamkeit zieht sich von der Welt zurück und blickt auf sich selbst, ruht in sich, erkennt sich. Diesen Moment nenne ich „Erwachen“.

Noch davor mag es eine Zeit geben, die wir „Suchen“ nennen könnten – auch wenn vielleicht nicht alle Menschen bewusst etwas suchen mögen. In dieser Zeit wird uns bewusst, dass etwas nicht stimmt, dass unser Leben nicht reicht. Unser Bewusstsein erwacht langsam aus seinem Schlummer der Identifikation. Plötzlich beobachten wir uns, wie wir sprechen und handeln und ein Gefühl mag aufstiegen, das uns sagt: „Das bin doch gar nicht ich!“ Wir werden uns gewahr, dass wir Masken tragen, dass konditionierte Verhaltensweisen unser Leben bestimmen. Gefühle, die wir lange nicht gefühlt haben, melden sich plötzlich, verlangen angeschaut zu werden. Wir spüren etwas in uns, etwas Größeres, fühlen, dass wir so viel Liebe im Herzen tragen, dass so viel mehr Potenzial in uns steckt, das wir nicht nach Außen bringen können. Eine Frage wird immer lauter in uns: „Wer bin ich wirklich?“

Ehrlichkeit

Der Schritt, diese Frage wirklich zuzulassen, markiert einen ersten Wendepunkt in unserem Leben. Sie wirklich zuzulassen, heißt, von nun an als diese Frage zu leben: „Wer bin ich wirklich, in diesem Moment? Was fühle ich wirklich? Was ist meine höchste Wahrheit?“ Es bedeutet, fortwährend in sich hineinzuspüren, in Hingabe an sich selbst, mit dem Vorsatz, stets die höchste Wahrheit auszudrücken.

Das wird nicht gelingen, zumindest nicht immer. Konditionierte Verhaltensweisen, Ängste und Unbewusstheit werden immer mal wieder dazwischenfunken. Es hilft wirklich nicht, sich dafür schuldig zu fühlen, es ist normal. Wichtig ist, dass so all unsere Unbewusstheit in das Licht unseres Bewusstseins gerückt wird.

Eine Zeit der Ehrlichkeit setzt ein. Ehrlichkeit mit uns selbst, mit anderen. Der Mut, tief in uns selbst zu schauen und andere tief in uns schauen zu lassen. Eine Zeit der Wahrheit. Die Wahrheit ist kann wie ein Schwert sein, und ihre Schnitte sind nicht immer angenehm. Auch ist die Wahrheit zunächst oft ein fast heroischer Akt, zum Beispiel dann, wenn wir uns trauen zu sagen: „Du, was ich gerade gesagt habe, stimmt gar nicht.“ Wenn wir mitten in einem Muster innehalten und etwas Wahreres tun. Aber das Gefühl der Wahrheit, das Glück, das einen überkommt, wenn man in Wahrheit ist, ist der Nektar, der einem die Kraft gibt für diese Zeit.

Und dann stellt man fest, wie viel einfacher das Leben ist, ohne das ganze Getue und Geheuchel, die Versteckspiele und Gefälligkeiten. Wie eine Einfachheit, Klarheit und Ruhe in das Leben kommt, wie sich der seelische Stress auflöst, der durch die Entfernung zur Wahrheit entstanden war.

Sein

Und irgendwann in diesem Prozess wird es Momente völliger Wachheit geben, ein klares Spüren der eignen Essenz, die verbunden und verwoben ist mit dem natürlichen Fluss des Ganzen. Momente der Freiheit und inneren Ganzheit. Momente, in denen unser Wesen nicht mehr zersplittert ist in tausende Stückchen, die in konditionierten Verhaltensweisen gefangen sind, sondern wir heil und ganz werde in unserer wahren Natur.

Lao-Tzu schreibt über einen Menschen, der sein eigenes Wesen befreit:

„Er tut dies nicht, indem er sich erhöht, sondern indem er herabsteigt. Er steigt herab zu allem was einfach, bescheiden und wahr ist und integriert es in sich selbst. Er wird zu einem Meister von Einfachheit, Bescheidenheit und Wahrheit. Vollständig befreit von seinem früheren, falschen Leben entdeckt er seine reine, wahre Natur, welche die reine, wahre Natur des Universums ist.“

Immer klarer wird, dass es reicht, in Wahrheit zu sein. In Einfachheit. Einfach du selbst zu sein ist genug. Es gibt nicht viel mehr zu tun. Tatsächlich geht es mehr ums Sein, denn um das Tun. Darum, den Kontakt zu halten zum inneren Sein, der reinen, wahren Natur, ganz bei uns, ganz innen zu bleiben, während wir leidenschaftlich in der Welt handeln.

Herausforderungen

Das Leben wird uns dann in all jene Situationen führen, in denen wir mehr über uns lernen können: Wo stecken wir noch fest? Wo ist eine Gabe, eine bestimmte Frequenz oder Qualität, die wir in uns noch zum Erblühen bringen können? Das Leben ist unser Spiegel und Lehrer auf dem Weg zu uns selbst und Gefühl wird unser wichtigster Sinn – ein stetes inneres Spüren, das uns führt, dem wir vertrauen.

Der Weg geht nicht nur über blühende Wiesen – oft ist er mehr eine Achterbahn im Regen. Doch wie wild die Fahrt wird, hängt davon ab, wie sehr wir anhaften an unser falsches Selbst, wie sehr wir bereit sind, loszulassen. Heilung kann schnell geschehen, aber die Anhaftungen und Identifikationen loszulassen, braucht oft Zeit.

Die Frage ist, wie sehr wir bereit sind, wirklich nach Innen zu gehen und aus unserem eigenen Herzen zu leben.

Leben als Seele

Je mehr Unwahrheit von uns abfällt, je mehr falsche Identifikationen wir loslassen, desto näher kommen wir der Quelle. Unser Licht strahlt immer mehr in seiner reinen, wahren Natur. Handlung entspringt frei und spontan unserem Sein. Wir werden zu einem Raum, in dem Erfahrung kommen und gehen darf, ohne Anhaftung und Identifikation. Wir werden zu einer Öffnung im Gewebe des Unendlichen. Wir leben als Seele.

 

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4 Responses

  1. Sue

    Lieber David, Du sprichst mir aus der Seele – wie so oft. Danke für Deine wunderbaren Artikel.
    Herzlichst
    Sue

    Antworten
  2. A.C.Feist-Nerowski

    Ich hätt gern ein klitzekleines Veto *liebkuck*

    Jeder ist einzigartig und jeder ist besonders, aber keiner ist etwas Besseres, es sei denn, für die eigene Lebensaufgabe. Zum Brötchenbacken ist ein Bäcker halt besser als ein Automechaniker.

    *erklärbär aus*

    < weiter liest

    Antworten

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