Sucht man nach deutschsprachigen Kochbüchern, die einfach und gut das Konzept der ayurvedischen Kochlehre in den normalen Lebensalltag integrieren, stößt man über kurz oder lang unweigerlich auf Ayurveda-Koch Volker Mehl. In seinem früheren Leben studierte er tatsächlich mal ein Semester katholische Theologie und brachte eine Ausbildung zum Versicherungs kaufmann hinter sich – bevor er zum Ayurveda fand und sich zum Gesundheitsberater ausbilden ließ. Eine klassische Kochausbildung hat er nicht, dafür ist er in der Küche seiner Mutter und Großmutter aufgewachsen und lernte dort frisch und im Rhythmus mit der Natur zu kochen. Mit SEIN-Mitarbeiterin Shermin Arif hat er sich über das Kochen nach ayurvedischer Tradition unterhalten.

Was treibt Sie in Ihrem Beruf als Ayurveda-Koch an?

In erster Linie gibt es meinem Leben Sinn und Tiefe, das ist meine Hauptmotivation. Geradlinig war Ihr Weg zum Kochberuf nicht. Gab es einen Moment, wo Sie die Erkenntnis hatten: Ja, genau das will ich machen? Bei mir ging es über ein paar Umwege… Man wacht ja nicht eines Tages auf und sagt sich, „Ich könnte mal Ayurveda-Koch werden.“ Mein Vater war als Küster bei der Kirche angestellt, von daher bin ich im positiven Sinn schon früh mit Spiritualität in Verbindung gekommen. Dazu kam noch, dass meine Mutter immer frisch für uns gekocht hat, von ihr kommt auch die Leidenschaft zum Kochen. Durch eine schwere Krankheit meines Vaters bin ich dann mit dem Thema ganzheitliche Heilmethoden in Kontakt gekommen und habe gesehen, welch Riesenpotenzial darin steckt. So habe ich mich dann eines Tages entschlossen, all diese Punkte zusammenzubringen, und Ayurveda ist der perfekte Weg dafür.

Geben Sie auch Kochkurse?

An meiner Akademie an den Standorten in Hamburg, Kassel und im südhessischen Lorsch kann man verschiedene Ausbildungen machen, zum Beispiel einen Schnupperkurs für Ayurveda-Neulinge. In Vorträgen erzähle ich auch über die Sicht des Ayurveda auf Krankheiten und gebe beispielsweise meine Erfahrungen zur ayurvedischen Ernährung für Krebspatienten weiter.

Ist die ayurvedische Küche rein pflanzlich?

Meine Rezepte sind durchweg vegetarisch. Therapeutisch kann es aber auch mal erforderlich sein, dem Patienten Fisch, Geflügel oder ausgewähltes Fleisch zu verabreichen. Ayurveda ist ja in erster Linie eine Medizin und kein ideologisches Konstrukt.

Braucht man für den Einstieg spezielle Zutaten und Gewürze?

Nein, gar nicht. Einfach mal ganz bewusst einkaufen und ganz bewusst kochen, das reicht völlig zum Einstieg, dafür braucht es weder exotische Gewürze noch besondere Zutaten! Da es sich bei Ayurveda um ein universelles Prinzip handelt, funktioniert es überall, auch bei der deutschen Küche. Auch Omas selbstgekochte Kartoffelsuppe kann Ayurveda sein.

Funktioniert es überhaupt, für eine große Familie mit vielen verschiedenen Konstitutionstypen problemlos ayurvedisch zu kochen? Worauf sollte man achten?

Gar kein Problem! Frisch gekocht, warm, regelmäßig und verdauungsentlastend essen, dann noch alle sechs Geschmäcker (süß, sauer, salzig, scharf, bitter und zusammenziehend/herb) in der Mahlzeit integrieren – das war’s schon.

Und wie sieht es mit Singlehaushalten aus? Gibt es da schnelle Ernährungsideen?

Für Singles gilt genau das Gleiche, und eine einfache Suppe ist auch schon Ayurveda. Man muss keine Wissenschaft daraus machen! Was hebt das ayurvedische Konzept des Kochens von der traditionellen europäischen Küche ab? In erste Linie geht es nicht um Verbote, Inhaltsstoffe und das bei uns verbreitete Gute-Lebensmittel- böse-Lebensmittel-Denken. Sondern darum, eine Ernährung zu wählen, die den Körper maximal nährt und minimal belastet. Ein grüner Smoothie oder ein kalorienarmer Salat haben zwar auf den ersten Blick tolle Vitamine, sind aber genau das Gegenteil von Ayurveda: Maximale Belastung des Stoffwechsels bei minimaler Nährstoffverwendung. Viel ist auch vergessen worden, was unsere Großmütter an Kochprinzipien noch kannten: Frisches und bewusstes Einkaufen und Kochen mit liebevoller Hingabe entspricht schon dem Konzept des Ayurveda.

Eigene Bücher sind ja wie Kinder – liegt Ihnen eines besonders am Herzen?

„Back to the Wurzeln“ – es ist zwar nicht mein bestverkauftes, aber mit Sicherheit mein konsequentestes Kochbuch. Und dann eben auch „Personal Trainer für die Seele“. Welche Projekte sind für die nahe Zukunft geplant? Ende September 2017 erscheint der „Personal Trainer“ und kurz danach, am 21.10. mein Buch „Agni Vitalis“, ein sehr spannendes Buch zur therapeutischen Bedeutung des richtigen Stoffwechsels. Ayurveda ist nicht nur gesunde Ernährung, Yoga und Heilkunst, sondern auch Philosophie und Spiritualität. Nimmt das bei Ihnen einen großen Stellenwert ein? Auf jeden Fall, das ist ja eine Grundvoraussetzung der Existenz, wir sind alle Teil eines großen Ganzen. Wobei meine Spiritualität eher benediktinisch geprägt ist, nach dem Leitspruch „Ora et labora“ (Anmerkung der Redaktion: „Bete und arbeite“, das Leitmotto der Benediktiner). Ich habe es nicht so mit dem stundenlangen Rumsitzen und Meditieren, ich übe lieber im Leben.

Möchten Sie unseren Leser/innen noch etwas mit auf den Weg geben?

Locker bleiben und sich nicht in ihr Leben reinquatschen lassen!

Süßkartoffel-Orangen-Cremesuppe (glutenfrei und laktosefrei)
600 ml Gemüsebrühe 500 g Süßkartoffeln 400 ml Kokosmilch 1 Orange 2 EL Ghee (in fester Form) je 1 EL gehackter Ingwer und süßes Currypulver 10 Minzeblätter Salz und Pfeffer zum Abschmecken Zubereitung Süßkartoffeln schälen und grob zerteilen. Orange filetieren und dabei den Saft auffangen. Ghee in einem Topf erhitzen. Ingwer, Currypulver und Süßkartoffeln darin ca. 3 Minuten glasig dünsten. Gemüsebrühe und Kokosmilch dazugeben und abgedeckt etwa 20 Minuten köcheln lassen. Orangenfilets, Orangensaft und Minze hinzufügen und die Suppe mit einem Stabmixer cremig pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und wenn gewünscht mit frischem Brot servieren

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