Es begann alles vor 20 Jahren bei einem Abendessen in Berlin-Prenzlauer Berg: Mit jedem Bissen war Anita Printz mehr Feuer und Flamme für das vorgesetzte Mahl – das ayurvedisch war. Ihr Interesse war geweckt. Nach zwei Jahren ayurvedischem Selbststudium folgte eine Ausbildung zur Ayurveda- Köchin an der renommierten Rosenberg- Akademie in Birstein, um ihr Wissen zu vertiefen. Sie hatte dann die Idee, ayurvedische Brotaufstriche herzustellen und auf Berliner Wochenmärkten zu verkaufen. Anfangs stand sie allein auf dem Markt, inzwischen ist sie die Chefin einer blühenden Manufaktur, in der viele Herstellungsschritte aus Überzeugung noch von Hand gemacht werden. Die mehrfach preisgekrönten Suppen und Aufstriche von Anaveda – die man in Berlin auf Wochenmärkten und in allerlei Biomärkten kaufen kann – transponieren altes ayurvedisches Ernährungswissen in die heutige, oft zu schnelllebige Zeit. Ihr inneres Feuer und die Begeisterung hat sich Anita Printz auch in ihrer Firma bewahrt: Die Ayurveda-Küche ist für sie eine Sache von Freude und Lust. Ihre Produkte sind tierleidfrei und aus saisonalen und fast nur regionalen Zutaten. „Heimisch ayurvedisch“ nennt sie das. Mit SEIN war Anita Printz im Gespräch.

von Shermin Arif

Wie sah das Leben vor Anaveda aus?

Ich stamme ursprünglich aus dem Unterallgäu. Beruflich habe ich verschiedene Dinge getan und war unter anderem Kauffrau und Soziologin. Irgendwann haben mich das bunte Treiben und die Kunst und Kultur dieser weltoffenen Stadt nach Berlin gelockt.

Haben Sie schon immer gerne gekocht?

Essen hat einen hohen Stellenwert bei mir. Ich habe in meiner Familie kochen gelernt und habe schon immer täglich warm gekocht. Ich genieße es, in Gemeinschaft zu kochen und zu genießen, dem Körper etwas Gutes zu tun, und war schon immer neugierig auf internationale Kochgewohnheiten.

Haben Sie eine Kochausbildung?

Keine klassische, aber die Ausbildung zur Ayurveda-Köchin am Birstein Institut. Und ich habe immer von meinen Köchen gelernt, die ich angestellt habe, und sie von mir. Es war eine sehr gute Symbiose.

Wie entstand die Idee zu Anaveda?

Ich bin meiner Berufung gefolgt, habe das getan, was sich für mich schon immer richtig angefühlt und mich begeistert hat: gesund kochen, Rezepte kreieren. Das wollte und musste irgendwann einfach raus. Die Anfänge waren spannend und aufregend, ich stand alleine mit meinen selbstgemachten Brotaufstrichen auf dem Winterfeldtmarkt und war ganz überrascht, als mein Stand leergekauft war.

Und dann kamen die Suppen dazu?

Ich habe auf dem Wochenmarkt am Mexikoplatz mein dreijähriges Firmenjubiläum gefeiert und wollte meinen Kunden dazu etwas Gutes tun. Ich kochte zu diesem Anlass eine frische Rote-Bete-Suppe, und die kam offenbar so gut an, dass sich die Kunden diese Suppe für jede Woche und ihren üblichen Einkauf bei mir wünschten. Später kam dann die Idee, auch für den Handel zu produzieren.

Warum setzen Sie nicht mehr Maschinen in der Produktion ein?

Wir begreifen uns als eine kreative Manufaktur, mit absichtlich langsamem Wachstum. Durch die Handarbeit bleiben wir auch immer nah am Produkt.

Wie passt das zusammen: Suppen im Glas und Ayurveda?

Die Empfehlungen sprechen sich doch immer für frisch gekochtes Essen aus? Das ist richtig, aber viele Menschen sind einfach nicht in der Lage, im Arbeitsalltag täglich frisch zu kochen. Sie möchten sich aber dennoch gesund ernähren und suchen liebevoll zubereitete, verträgliche Varianten zu ihrem bisherigen Mittagstisch in der Kantine oder am Imbiss um die Ecke. Ich biete ihnen mit meinen Suppen, die durch die ayurvedischen Gewürze gut verträglich und außerdem sehr schmackhaft sind, diese Möglichkeit. Die Suppen werden in einem schonenden Verfahren haltbar gemacht und schmecken fast wie frisch, was mir oft von meinen Kunden bestätigt wird.

Was genau bedeutet für Sie „heimisch ayurvedisch“?

Wo unsere Wurzeln sind, sollten wir auch die Wurzeln essen – unser Organismus verträgt und verwertet am besten, was er gewöhnt ist. Daher beziehe ich schon seit 15 Jahren mein Gemüse vom Biobauern Heinrich aus der Region, mit dem mich eine vertrauensvolle Geschäftsfreundschaft und die Dankbarkeit darüber verbindet, was die Natur uns gibt. Ich koche vornehmlich mit regionalen Zutaten und gebe bekannten regionalen Produkten – wie Kürbis oder Lauch – durch meine ayurvedische Zubereitung eine besondere Note. Manche Gewürze und Produkte wie beispielsweise Ingwer oder Kokosmilch stammen natürlich nicht aus Deutschland. Demnächst bringen wir aber eine neue Suppenlinie heraus – komplett aus hierzulande traditionell angebauten Gewürzen und Zutaten.

Wie entstehen die Suppen?

Ich entwickle Gewürzmischungen, die auf das Rohprodukt abgestimmt werden, es gibt einen hohen Anteil an Gemüse, ich setze gute Öle und beste Rohstoffe ein, die mit der Hand verarbeitet werden. Den Prozess der Haltbarmachung für den Handel haben Lebensmitteltechnologen begleitet, mir war wichtig, dass dies so schonend wie möglich und ohne jegliche zugesetzte Konservierungsstoffe erfolgt, damit Geschmack und Qualität erhalten bleiben. Neben unserem festen Sortiment in Gläsern produzieren wir auch frische Suppen für unsere Marktstände und zusätzlich noch täglich wechselnde frische Suppen für die Berliner Biomärkte von denn’s.

Wonach schmecken die Suppen?

Sie sind stückig und nicht glattpüriert. Mir ist wichtig, dass man die Bestandteile erkennen und herausschmecken kann. Die Grundzutaten finden sich in den Namen der Suppen wieder, zum Beispiel „Nordindisches Möhrencurry“ oder „Schwarzes Bohnenchili“. Unser Rotes Linsencurry kommt in Berlin besonders gut an.

Gab es in ihrer Firmengeschichte etwas besonders Schönes?

Da denke ich gern an ein schönes Erlebnis zurück, und zwar an das 10jährige Firmenjubiläum in meinem Bistro in der Oranienstraße, an dem ich mit meinen Angestellten, langjährigen Wegbegleitern und Geschäftsfreunden gefeiert habe, was wir bis dahin alles geschafft hatten.

Welche Empfehlung würden Sie unseren Leser/ innen gerne mitgeben?

Unbedingt auch mal selbst den Kochlöffel in die Hand zu nehmen: Entspannt an einem Samstag auf dem Wochenmarkt einzukaufen, die Lebensmittel in die Hand zu nehmen, ihre Herkunft zu erfragen, dann mit Ruhe, ausgewählten Gewürzen und guten Zutaten das Essen zuzubereiten, es in Gemeinschaft mit Familie und Freunden zu genießen und diesen Genuss zu feiern.

Kürbis-Lauch-Eintopf für 4-5 Personen

0,75 l Wasser, 500 g Kürbis, 300 g Kartoffeln, 1 Zwiebel, 1 Stange Lauch, 1 Möhre, 1 süßer Apfel, 1 Scheibe Sellerie, etwas neutrales Öl oder Ghee, Gewürze: Jeweils ¼ TL (gestrichen) Koriander gemahlen, Fenchel gemahlen, Kreuzkümmel gemahlen, Kurkuma gemahlen, Currypulver gemahlen 1 Prise Muskat und 1 Prise Zimt, 2 EL Gemüsebrühe (Pulver), 2 EL Senf Zitronensaft, Optional: Sahne oder Kokosmilch

Zubereitung
• Kürbis, Sellerie, Möhre und Lauch putzen und in Würfel schneiden. Apfel waschen und würfeln. Zwiebel schälen und fein hacken.
• In einem Topf die Zwiebel in neutralem Öl oder Ghee andünsten.
• Jetzt das Gemüse dazugeben und anschwitzen lassen. Immer wieder umrühren.
• Dann die Gewürze dazugeben und umrühren. Aufpassen, dass nichts anbrennt.
• Mit Wasser aufgießen und sanft im geschlossenen Topf köcheln lassen, bis das Gemüse weich ist.
• Gemüsebrühe einrühren, Senf dazugeben und einen guten Spritzer Zitronensaft.
• Abschmecken und nach Belieben etwas Sahne oder Kokosmilch dazugeben.

Author: Oliver Bartsch

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