Ayurveda, die Wissenschaft des Lebens, ist eines der ältesten traditionellen Heilsysteme unserer Welt. Die vielen Empfehlungen sind im Grunde universell und an jedem Wohnort unabhängig vom indischen Ursprung anwendbar. Doch häufig scheitern wir an der Umsetzung, da uns viele der Grundsätze, Zutaten für Gerichte und Vorgehensweisen im Ayurveda als kompliziert, zeitaufwändig und/oder nicht zeitgemäß erscheinen. Dabei ist es mit der richtigen Betrachtungsweise gar nicht so schwer, den Ayurveda modern und an unsere westlichen Bedürfnisse angepasst zu leben.

von Dr. med Janna Scharfenberg

In diesem Artikel möchte ich aus den unterschiedlichen Lebensbereichen, die unseren schnelllebigen Alltag ausmachen, ein paar konkrete und sofort umsetzbare Tipps geben. So wird der Ayurveda ganz leicht, und aus etwas fremd Erscheinendem wird ein begreifbares, logisches und intuitives Lebenskonzept. Diese Tipps fasse ich als Ayurveda-Lifehacks zusammen. Unter einem Lifehack versteht man soviel wie eine effektive und effiziente Strategie, mit der du ein Problem oder Anliegen undogmatisch und pragmatisch lösen kannst. Denn das ist der Ayurveda im Grunde: zielgerichtet, unkompliziert und sehr wirksam.

Ayurveda-Lifehack #1: Muss ich meinen Dosha-Typ kennen?

Ayurveda kennt drei Konstitutionstypen: Vata, Pitta und Kapha. Das Wissen über den eigenen Dosha-Typ macht natürlich eine Menge aus, dennoch ist es nicht so einfach, diesen wirklich selbst zu bestimmen, denn: Wir tragen naturgemäß alle Doshas in uns und können daher häufig nicht ganz klar differenzieren. Es ist schwierig, alleine zu unterscheiden, ob es sich um unsere Grundkonstitution handelt oder eventuell eine Dysbalance vorliegt. Daher eignen sich Tests in Eigenregie nur für eine grobe Einschätzung und zum Herantasten an das Thema. Trotzdem kann man aber auch ohne das ausführliche Wissen über seine genaue Dosha-Konstitution stark von der ayurvedischen Lehre profitieren, denn viele Empfehlungen sind universell, saisonal und allgemeingültig: – Hör auf deine Bedürfnisse! Was brauchst du in welcher Situation gerade besonders? – Ernährung: Auch hier kannst du mit einer saisonalen, regionalen und frischen Küche jedem Dosha-Typ grundsätzlich etwas Gutes tun. – Gehe mit dem Jahresrhythmus: Jeder Saison ist im Ayurveda ein gewisses Dosha zugeordnet. Hier kannst du die allgemeinen Empfehlungen auch unabhängig vom eigenen Typ umsetzen.

Ayurveda-Lifehack #2 – Tägliche Ernährung

Der Ayurveda bietet uns eine Fülle an verschiedensten Empfehlungen rund um das Essen an. Dabei geht es aber nicht darum, diese buchstabengetreu und verbissen durchzuziehen. Es gilt, dir jene Empfehlungen herauszunehmen, die für dich stimmig sind, und diese für dein Leben passend zu gestalten. Die ayurvedische Küche setzt zudem auf Einfachheit und eine überschaubare Menge an Zutaten pro Gericht, denn so kann die Speise bestmöglich vom Körper verdaut werden, ohne dass dieser sich auf zu viele verschiedene Ingredienzien konzentrieren muss.

Gekochte Speisen

Im Ayurveda werden grundsätzlich viele schonend zubereitete warme Speisen empfohlen; die in der westlichen Welt oft hochgepriesene Rohkost kommt hier nicht zum Einsatz. Der Grund dafür ist, dass unser Körper so möglichst wenig Energie aufwenden muss, um die Mahlzeit zu verdauen und zu verstoffwechseln. Dies ist nicht nur eine immense Unterstützung für unsere Verdauungsorgane, sondern sorgt auch für die Stärke unserer Mitte, unseres Agnis (Verdauungsfeuer).

Mittags die größte Mahlzeit essen

Zwischen 10 und 14 Uhr befinden wir uns in der Pitta-Zeit und somit brennt unser Agni nun am stärksten. Daher bietet es sich an, nun die größte Mahlzeit des Tages zu dir zu nehmen. Dies mag sich vielleicht erst einmal widersprüchlich anhören, und häufig erhalte ich als Gegenargument, dass man nach einer großen Portion am Mittag doch geplättet wäre und furchtbar müde. Dies liegt aber nicht daran, dass die Hauptmahlzeit am Mittag ist, sondern dass diese häufig aus einer ungünstigen Lebensmittelkombination (zum Beispiel eine schwere Sahnesauce mit Käse und Pasta) liegt, diese schnell hinuntergeschlungen wurde und der Körper eigentlich noch mit einem schwer zu verdauenden Frühstück zu kämpfen hat. Es ist quasi eine Kettenreaktion. Wenn du den Morgen gut startest, dein Mittagessen richtig wählst und entspannt isst, wirst du keine Probleme mit Müdigkeit haben.

Warme Getränke statt kalte Limo

Im Ayurveda werden nicht nur kühle Speisen, sondern auch kalte Getränke eher gemieden. Der Grund ist der gleiche wie bei Rohkost: Es schwächt unsere Verdauung und braucht viel Energie. Daher wird empfohlen, als Durstlöscher über den Tag verteilt warmes Wasser schluckweise zu trinken. Du kannst dieses morgens vorbereiten und einfach in eine Thermosflasche geben. In den wärmeren Jahreszeiten und zwischendurch kannst du selbstverständlich auch Wasser mit Raumtemperatur trinken. Auch aus medizinischer Sicht solltest du kohlensäurehaltige und zucker- oder süßstoffhaltige Softdrinks meiden. Sie enthalten viele künstliche Farbstoffe, können deine Verdauung irritieren und haben keinerlei positiven Nutzen für unsere Gesundheit.

Snackpause!

In unserer modernen Welt befinden wir uns in einem ständigen Snack-Modus. Wir haben immer Zugang zu Nahrungsmitteln. Dies bringt uns dazu, dass wir eigentlich ständig essen und unser Verdauungstrakt ohne Unterlass arbeiten muss. Er hat somit keinerlei Pause und kann nie vollständig verdauen. Auch dies sorgt für Ama-Rückstände (Verdauungsgifte) und Beschwerden. Probier daher aus, zwischen den einzelnen Mahlzeiten auf Snacks zu verzichten. Ganz klassisch reichen drei Mahlzeiten am Tag gut aus. Kapha- Menschen mit einer langsamen, aber beständigen Verdauung können durchaus auch gut mit zwei Mahlzeiten auskommen, quirlige Vata-Typen benötigen statt drei größerer Mahlzeiten vielleicht vier kleinere. Auch hier spielt es am Ende des Tages keine Rolle, welches Schema für dich am besten passt, wichtig ist einfach, dass du dazwischen deinem Verdauungstrakt einmal Ruhe gönnst.

Ayurveda-Lifehack #3 – Gesund auf (Geschäfts-)Reisen

Gerade wenn wir viel unterwegs sind, ist es besonders schwierig, gesunde Routinen, die wir zu Hause vielleicht ganz einfach umsetzen können, beizubehalten. Doch auch dies muss gar nicht so schwer sein, wenn wir einfach ein paar Utensilien immer mit im Gepäck haben: Thermoskanne oder -becher Eine Thermoskanne kann dir unglaublich gute Dienste erweisen. Zum einen hast du so dein heißes Wasser immer dabei, das du auch unterwegs gut schluckweise zu dir nehmen kannst. Du kannst sie aber natürlich auch etwas zweckentfremden. Nicht nur einmal habe ich mir auf trubeligen Businessreisen mittags beim Asiaten in die Thermoskanne eine warme Suppe einfüllen lassen, die ich dann abends als leichte Mahlzeit im Hotelzimmer noch genossen habe. Sei einfach erfinderisch!

Dein eigener Porridge-Mix

Die meisten Hotels bieten morgens nicht unbedingt ein Frühstück im Ayurveda-Stil an, daher kannst du ganz einfach einen eigenen Porridge- Mix dabei haben, den du fertig gemischt kaufen oder dir zu Hause aus verschiedenen Getreideflocken, ein paar klein geschnittenen Trockenfrüchten und Nüssen selbst zusammenstellen kannst. Diesen kannst du dann im Hotel einfach mit heißem Wasser aufgießen und eventuell durch ein paar Komponenten vom Frühstücksbuffet ergänzen.

Sesamöl

Ein kleines Fläschen Sesamöl (alternativ: neutrales Mandelöl) kannst du unterwegs ganz vielseitig einsetzen. Zum Ölziehen, für die Massage und Einölung deines Körpers, um trockene Schleimhäute (vor allem in der Nase) zu befeuchten und zu nähren, für trockene Haarspitzen, wunderbare Fußmassagen und vieles mehr…

Ayurveda-Lifehack #4 – Ayurveda mit Kindern

Das Leben mit (kleinen) Kindern kann herausfordernd, wunderbar, aber auch anstrengend sein. Da kann es schnell passieren, dass vorher gut etablierte gesunde Routinen plötzlich nicht mehr umgesetzt werden. Daher braucht es eine Anpassung, die auch die Kleinen mit einbezieht und ihnen von Anfang an einen achtsamen, natürlichen und gesunden Umgang mit dem eigenen Körper vermittelt. Im Ayurveda wird der individuellen kindlichen Dosha-Konstitution ein großer Stellenwert beigemessen, um so auch die Kleinsten in ihrer Entwicklung typengerecht zu unterstützen. Außerdem kann es Eltern helfen, ein besseres Verständnis für ihre Sprösslinge zu entwickeln. Ganz unabhängig vom Typ kann man aber einige ganz grundsätzliche ayurvedische Komponenten in den Alltag einfließen lassen. Hierbei ist es aber ganz wichtig, dass diese nicht forciert werden, sondern immer wieder angeboten und einfach als ganz natürliche tägliche Handlung vorgelebt werden. Kinder gehen naturgemäß durch die verschiedensten Entwicklungsschritte und sich hier auch einmal mit einem klaren „Nein“ abgrenzen zu dürfen, ist für sie wichtig.

Gemeinsame Routinen entwickeln

Wiederkehrende Handlungen geben Kindern Sicherheit und Geborgenheit. Sie können sich auf das einstellen, was kommt. Kreiere daher mit deinem Kind/deinen Kindern für euch passende Routinen, egal wie diese aussehen.

Ayurvedisches Kinderfrühstück

Auch Kinder können morgens schon ganz wunderbar mit einem kleinen Glas Wasser starten. Frisch gemachte Pfannkuchen mit Früchten oder ein warmes Porridge am Morgen eignen sich hervorragend für einen gut gesättigten Start in den Tag. Für Kinder kann man das Porridge durch einen kleinen Schuss Ahornsirup etwas süßer gestalten.

Gemeinsame Yogapraxis

Wenn du Yoga zu deiner täglichen Praxis zählst, kannst du dein Kind auch daran teilhaben lassen. Erwarte bitte nicht, dass hieraus eine ungestörte 90-minütige Praxis entsteht – ein paar einfache Übungen reichen aus und die Kleinen sind häufig die besten Imitatoren und machen vergnügt mit.

Ayurvedisches Superfood für Kinder

Chyavanprash ist ein Fruchtmus, welches aus der indischen Stachelbeere gewonnen wird und mit einer Vielzahl verschiedener Kräuter und Honig eingekocht wird. In der ayurvedischen Tradition hat es im Familienleben einen hohen Stellenwert und wird Kindern dort als gesundheitsförderndes Mittel häufig pur, in eine warme Milch eingerührt oder zum Essen gegeben.

Kichererbsen-Laddus

Kapha-Typen mögen Süßes sehr gerne. Dabei sollten sie darauf achten, dass süße Speisen nicht zu viel Zucker enthalten und der Blutzuckerspiegel möglichst stabil bleibt. Diese Kichererbsenrauten eignen sich besonders gut, denn sie enthalten komplexe Kohlenhydrate und viele Nährstoffe. Zutaten 100 g Ghee (vegane Variante: Kokosöl) 150g Kichererbsenmehl 1/2 TL Ingwerpulver Je 1 kleine Prise Zimt, Kardamom und Vanille 1/2 TL Kurkumapulver 50g Sharkara (ayurvedischer Rohrzucker), alternativ Kokosblütenzucker oder Rohrzucker

Zubereitung
• Ghee in einer Pfanne bei geringer Temperatur erwärmen und flüssig werden lassen.
• Alle Gewürze darin kurz anrösten.
• Zucker dazugeben und schmelzen lassen.
• Kichererbsenmehl untermengen. Bei mittlerer Temperatur mehrere Minuten rösten, bis ein köstlicher Duft aufsteigt und das Ganze sich zu einer feuchten, homogenen Masse verbindet.
• Die Masse auf ein mit Backpapier versehenes Blech fingerdick ausstreichen und an einem kühlen Ort bestenfalls mehrere Stunden auskühlen lassen.
• Wenn die Masse komplett trocken und fest ist, kann sie in Rauten geschnitten und in einem luftdichten Behälter aufbe wahrt werden.

Author: Oliver Bartsch

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