Nicht immer ist Ayurveda auch da drin, wo es drauf steht. Die österreichische Ayurveda-Spezialistin Irene Rhyner erklärt, warum Qualität bei ayurvedischen Ölen so wichtig ist und worauf man achten sollte.

Bewusst entscheiden sich viele Menschen bei ihrer Ernährung für die beste Qualität der Nahrung. Sie kaufen biologisch ein, vermeiden Plastikverpackungen, besorgen ihr Gemüse und Obst gerne auf dem Markt und wählen regionale Produkte aus. Sie wissen um diese positive Wirkung der Lebensmittel, die ihrem Körper und ihrem Geist zugutekommen. Nicht nur mit den Doshas, den prägenden Faktoren der individuellen Konstitution – „Vata“, „Pitta“ und „Kapha“ – , sondern auch mit den Triguna, den universellen Charakterenergien – „Sattva“, „Rajas“ und „Tamas“ – , kennen sich mittlerweile fast alle Ayurvedaund Yoga-Kundigen aus. Die Eigenschaften der Triguna werden, wie die der Doshas, über Nahrungsmittel, aber auch über alles, was wir uns auf die Haut schmieren oder über unseren Geist zu uns nehmen, weitertransportiert und können so auf die körperliche und seelische Balance einwirken.

Gute Pflege für die Haut

Halten Sie es bei Ayurveda-Ölen und Ayurveda- Körperprodukten genauso wie mit dem Essen: Cremen und reiben Sie nur die beste Qualität von Ayurveda-Produkten auf Ihren Körper! Es ist nämlich ganz und gar nicht egal, womit Sie sich einölen. Als unser größtes Organ und als hochsensible Hülle schickt unsere Haut unsagbar viele Informationen an die anderen Körperzellen weiter. Jedes einzelne Shrota (Körperkanälchen) ist total aufgeregt, wenn es bei einer Ganzkörpermassage so viele „Neuigkeiten“ erfährt, und sieht es als wichtige Aufgabe, möglichst nur Hilfreiches weiterzuschicken. Das funktioniert aber nur dann, wenn auch was Gutes zur Verfügung gestellt wird.

Was macht Öl zu einem echten Ayurveda-Öl?

Mittlerweile bieten in Europa viele Firmen ayurvedische Öle an, doch Ayurveda-Öl ist nicht gleich Ayurveda-Öl! Hier gibt es tatsächlich große Unterschiede. Umgangssprachlich werden Ayurveda-Öle einfachheitshalber meist nur mit dem groben Überbegriff „Thaila“ benannt, auch wenn es noch weitere Öle und Bezeichnungen gibt. Mit dem Label „Thaila“ sollte eigentlich klar sein, dass es sich um ein traditionell hergestelltes Ayurveda-Körpermassageöl handelt. Diese Massageöle sind immer gekochte Öl-Kräuterzubereitungen, die in einem traditionellen Kochverfahren und somit in einem aufwendigen alchemistischen Prozess, der mehrere Wochen dauern kann, hergestellt wurden. Somit sind sie in der Lage, tief in die Gewebeschichten zu diffundieren (einzudringen) und die Körperkanälchen durchzuputzen.

Die hierzulande inzwischen oft erhältlichen kaltgepressten Öle mit ätherischen Düften, versehen mit schicken, typengerechten Ayurveda- Bezeichnungen, sind vielleicht für Wohlfühlmassagen gut, erfüllen aber keineswegs den Sinn und Zweck eines traditionellen Ayurvedaöles. Ayurveda-Ölmassagen sind im medizinischen Sinne nämlich eigentlich „Körperwaschungen“, weil sie der Reinigung und Entschlackung der Gewebe dienen. Zur Sicherheit fragen Sie beim Kauf oder vor der Massage gezielt nach, welches Öl genau verwendet wird oder da über den Ladentisch geht.

Ayurveda selbst unterscheidet bei den Ayurveda-Ölen zwischen:

Thaila
Diese besitzen im Allgemeinen die Farbe, den Geruch und den Geschmack der verwendeten Substanzen und die Konsistenz von Öl. Meist werden die Thaila mit Sesamöl gekocht. Gut für alle Vata-, Vata-Pitta-
und Vata-Kapha-Tpyen.

Kuzhambu
Dies sind Öle, die außer Sesamöl auch Rizinusöl und Ghee (Butterschmalz) enthalten. Diese Öle haben eine stark nährende Wirkung (Brimhana). Aus diesem Grund werden Kuzhambu bei Vata- und Vata-Pitta-Störungen, verbunden mit Gewebeverlust, Abmagerung, Immunschwäche und nach schweren Krankheit empfohlen.

Keram
In einigen ayurvedischen Öl-Präparaten wird Kokosöl statt Sesamöl verwendet. In diesem Fall werden diese dann nicht als Thaila bezeichnet, sondern Keram oder Kokosöl genannt. Kokosöl ist in der Wirkung leicht austrocknend und kühlend. Es eignet sich gut für Pitta- und Pitta-Kapha-Typen.

Welches Thaila passt für Sie?

Bei der Wahl eines traditionellen ayurvedischen Öles sollte die Konstitution von Ihrem Dosha berücksichtigt werden oder sonst ein Tridosha-Öl (für alle Konstituionen geeignet) zum Einsatz kommen. Für den Kopf sollten immer kühlende Thaila verwendet werden. Also ein Pitta-Thaila oder Bhringa (Kopf)- Thaila. Auch Mischungen, die Kokosöl oder Ghee enthalten, sind für Kopfmassagen geeignet. Regelmäßige Ayurveda-Massagen sind ein effizientes und völlig natürliches Anti-Aging- Geheimmittel. Sie wirken stärkend und verlangsamen nach ayurvedischer Sicht den Alterungsprozess. Durch den Reinigungseffekt können sich quasi gar keine großen Ablagerungen anhäufen, weil die Gewebe ja regelmäßig „durchgeputzt“ werden. Ayurveda-Ölmassagen halten den Körper geschmeidig und schmieren die Gelenke. So wird in der Tat sprichwörtlich für ein „reibungsloses Funktionieren“ sämtlicher Körperabläufe gesorgt, was inzwischen sogar wissenschatliche Studien belegen.

Gut geölte Gesundheitsvorsorge

In den klassischen Schriften warnte ein bekannter Ayurveda-Arzt bereits vor 5000 Jahren davor, sich erst dann um die Gesundheit zu kümmern, wenn man schon erkrankt ist: „Investieren Sie in Ihre Gesundheit, warten Sie nicht, bis Sie krank sind. Vorher können Sie planen und sind in der Lage, die Kosten zu überschauen. Wenn Sie erst krank sind, brauchen Sie Hilfe und werden alles nehmen, damit es Ihnen besser geht. Dann erhalten Sie laufend Rechnungen von Ihrem Arzt und können nicht abschätzen, wieviel da noch auf Sie zukommt. Sie laufen vielleicht sogar Gefahr, Ihr Vermögen zu verlieren!“ Fazit: Der Mehrpreis für hervorragendes Ayurveda- Thaila lohnt sich immer. Pflegen Sie sich mit dem besten Öl, welches Sie kriegen können. Massieren Sie sich regelmäßig selbst oder lassen sich massieren. Bringen Sie zu Ihrem Masseur oder im Urlaub in den Spa das eigene, hochwertige Ayurveda-Thaila mit, dann wissen Sie immer, mit welchen Informationen Ihre Körperzellen gefüttert werden, und spüren den tollen Effekt!

Author: Oliver Bartsch

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