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Verhaltensmuster verstehen und verwandeln

Die erste Beziehung, die wir  im Leben eingehen, ist, und zwar in zunehmendem Maße, beengend, wenig kommunikativ, und nur insofern freiwillig, als wir uns aus Gründen, die wir schnell wieder vergessen, unsere Eltern ausgesucht haben – und dann sehen können, was diesmal aus ihnen geworden ist. Denn Mutter ist heute viel moderner als in der viktorianischen Zeit, als sie unsere Schwester war, und Vater hat ein ziemlich autoritäres Gehabe gekriegt dafür, daß er mal unsere Tochter war. Das erspart der ersten, der verwandtschaftlichen Beziehung indes Langeweile.
Wenn wir vom Reinkarnationsgedanken ausgehen und damit von karmischer Wiederbegegnung, haben wir aber eh Neues miteinander zu lernen oder kriegen nach dem karmischen Prinzip von Ursache und Wirkung jetzt die Wirkung von etwas zu spüren, zu dem wir anno dunnemals die Ursache gelegt haben.
Es fängt spätestens in der pränatalen Phase an: Strampeln, weil zu eng, zu unbequem. Mutter jauchzt vor Glück: „Es bewegt sich!“. Klar, einen Waldlauf wird es machen. Sich im Unterholz verstecken wird es, weil Vater gesagt hat, eigentlich könnten sie sich gar kein Kind leisten. Bei der Befruchtung war das noch ganz anders. Sowas speichern die Zellen nämlich alles und später, wenn „es“ dann eine Sie oder ein Er geworden ist, tickt im Unterbewußtsein das schlechte Gewissen. Ein Unwertgefühl breitet sich aus und  wird später einen guten Menschen hervorbringen. Ein Helfersyndrom mit dem aufrechten Gang. ’Seht, ich  brauche fast nichts für mich, aber ihr könnt alles (von was?) von mir haben; habt mich lieb!‘ Nun sind die Eltern aber auch sehr mit sich beschäftigt. Ist stressig so ein Kind! Merken. Und stillhalten: nicht bewegen. Wird nur wieder mißverstanden. 
Merken außerdem: Wir wollen es anders machen. Besser als die Eltern. Das funktioniert aber nur in einer Partnerschaftsstruktur, die ähnlich der ist, die wir bei unseren Eltern beobachtet haben. Schon verheddern wir uns im Knäuel der Nabelschnüre.
Die erste Bindung, die wir eingehen, ist nur insofern freiwillig, als wir auch hier aus Gründen, die wir schnell wieder vergessen, eine karmisch bedingte Verabredung einhalten – und dann mehr und mehr erstaunlich finden, was diesmal aus uns geworden ist – und wird. Viele Menschen scheinen reinkarnationsgeübt deshalb auch vorsorglich viele Verabredungen getroffen zu haben.
Da nun alle mit neuen Inkarnationskleidern zu diesem Rendezvous kommen, ist jede Beziehung ein Kennen-Lernen, also eine Mischung aus Kennen und Lernen. Ein endlich Verstandenwerdenwollen. Ein Sobleibenkönnenwollen wie wir jetzt sind. Aber damit hatten schon die Eltern ein Problem. Wir haben gelernt, die Erwar- tungen zu erfüllen, die an uns gestellt werden. Dies führt uns zu unserer Identifikation. Geliebt, wie wir sind, müssen wir dem Bild des anderen entsprechen, weshalb würden wir sonst wohl geliebt? Nicht bewegen. Und nicht kommunizieren, wie unser eigenes Bild von uns ist, wo wir  selbst unsere Rolle sehen, wo wir unsere Identifizierung finden könnten. Und so beginnt Verwirklichung immer durch die Rolle, die andere uns zuschreiben; da können wir strampeln, wie wir wollen. Im weiten Niemandsland zwischen Identifikation (von außen/ durch andere) und Identifizierung (von innen/ durch uns selbst) suchen wir innere Heimat – und kommen nirgends an, wenn wir nicht kommunizieren, in welchem Irrtum sich andere über unsere Person befinden.
In meiner Beratungspraxis gebe ich oftmals eine Übung, die schon in unserer Kindheit für alle Beteiligten förderlich gewesen wäre.

Und die geht so:
Teilen Sie ein Blatt Papier in 3 Spalten ein. In die erste schreiben Sie: „Was ich an ihr/ihm liebe“. Machen Sie eine Liste. In die zweite Spalte schreiben Sie die Zuordnungen: „Wie ich diese Eigenschaft(en) würdige“. In der dritten Spalte fragen Sie sich: „Will  sie/er das so – ja oder nein?“ Und dann vergleichen Sie Ihre Ergebnisse.

Wieviele Gesten werden nicht richtig verstanden! Wieviele Gesten werden nicht gesehen! Dabei sind wir in ständiger Kommunikation miteinander: „Es ist nicht möglich, nicht zu kommunizieren.“
Allein durch Anwesenheit erfolgt eine Beziehungsdefinition. Und wenn wir kein Wort miteinander austauschen, so spricht doch unser Körper.
Wie war das im Bauch nochmal? Strampeln sollte sagen: ’Es ist eng hier. Ich liege unbequem. Kümmere dich um mich.’ Und was passiert? Mutter registriert erfreut und beruhigt, daß das Kind sich bewegt in seiner allerersten Beziehungskiste.

Informationen, was Menschen von uns erwarten und auch, wie wir damit umgehen sollten, sind in unserem Namen gespeichert.
In der Kabbala, der jüdischen Geheimlehre, wird jedem der 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets eine spezifische Energie, ein Lebensprinzip zugeordnet und jedem Prinzip wiederum eine Zahl. Auf diese Weise werden Namen rechenbar, werden Menschen „be-rechenbar“. Hierauf bauen die von mir begründete Karma-Kabbalistik und die Namenspsychologie auf. Ich habe weit mehr als zehntausend Analysen gemacht und ungezählte Male in meiner Eigenschaft als Psychologin für die Fortführung vieler Partnerschaften „ge- strampelt“. Ich bin richtig verstanden worden. Es hat sich etwas bewegt.

Manchmal bedarf es aber einfach auch nur der simplen, aufrichtig gemeinten Nachfrage: „Was willst du?“. Denn wenn beide beziehungs-weise handeln bzw. vorher still werden für das Hineinlauschen,  sich Beachtung und Achtung schenken, wird aus Beziehung Partnerschaft.

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