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Es gilt manchen als „das gefährlichste Projekt“ des Internets. Eine völlig freie Währung, fälschungssicher, universell einsetzbar, unabhängig von Banken und Regierungen. Ein Währung, die von keiner Zentralbank ausgegeben wird und deren Transaktionen nur durch den Algorithmus der Währung selbst kontrolliert werden. Manche halten die von Satoshi Nakamoto entwickelte „Hacker-Währung“ Bitcoin für ein Kettenbrief-System, aber es ist wohl weit mehr. Mittlerweile kann man für die virtuelle Währung sehr reale Güter einkaufen und sie in sogar in Dollar umtauschen.

Geschaffen werden die Bitcoins, indem sie einfach errechnet werden. Durch das komplexe System der Bitcoins ist viel Rechenpower nötig, um das System am Laufen zu halten. Denn die Crypto-Währung läuft nicht über einen zentralen Rechner, der die Transaktionen regelt und kontrolliert, sondern über ein Netz aus Rechnern, sogenannten Nodes – ähnlich den Peer-to-Peer Tauschbörsen. Wer seine Rechenpower für die Bitcoins zur Verfügung stellt, wird dafür in neu geschaffenen Bitcoins bezahlt – so gelangt neues Geld in Umlauf – geschaffen aus Rechenleistung und Elektrizität.

Open-Source-Währung

Der Journalist Jason Calacanis ist sich sicher: Bitcoins haben die Macht, Regierungen zu stürzen und ganze Wirtschaftssysteme destabilisieren. Tausende Hacker haben bereits versucht, Sicherheitslücken oder Fehler in diesem System der Geldschöpfung zu finden – ohne Erfolg. Die Währung ist fälschungssicher, anonym, beliebig teilbar und nicht rückverfolgbar. Mittlerweile werden Transaktionen in der Währung getätigt, die im Bereich von vielen Millionen Dollar liegen.

Geht es nach den Fans der Bitcoins, sind sie eine Währung der Zukunft – eine Open-Source-Währung, an der kein Kreditkartenunternehmen und keine Bank mitverdient, die nicht zentral kontrollierbar ist. Die Konzeption der Währung ist relativ komplex, aber auch Währungsexperten können keine wesentlichen Mängel feststellen. Bitcoins sind offenbar doch weit mehr als ein Schneeballsystem, wie anfangs vielfach behauptet wurde.

Und auch weit mehr als Regionalwährungen, wie etwa der Chiemgauer oder Urstromtaler in Deutschland. Denn diese sind an den Euro gekoppelt, während Bitcoins völlig unabhängig von bisherigen Währungen funktionieren. Zudem werden in Bitcoins Millionen umgesetzt, was man von den wenigsten Alternativwährungen sagen kann.

Der Bitcoin wertet derzeit drastisch auf – war er vor Kurzem noch etwa 20 Dollar-Cent pro Bitcoin wert, sind es mittlerweile stolze acht Dollar. Einer der Entwickler wurde nun bei der CIA vorgeladen, um über das System zu referieren, dass einigen offenbar Sorge bereitet.

Rechtsfreies Geld

Der Rechtsstatus der Bitcoins ist derzeit durch kein Gesetz zu definieren. Durch seine Anonymität eignet es sich daher hervorragend auch für kriminelle Zwecke wie Drogengeschäfte – eine Schattenseite, die sich aber kaum vermeiden lässt, wenn man ein wirklich freies und anarchisches Geldsystem will.

„Würde die neue Währung tatsächlich weithin akzeptiert, hätte das unter Umständen gravierende Folgen: Plötzlich könnte Geld rund um den Globus verschoben werden, mit einigen wenigen Mausklicks, und zwar völlig anonym, fast kostenlos und nicht nachverfolgbar.“ schreibt der Spiegel über die Währung, eine Vorstellung, die in der andauernden Geldsystemkrise für viele genial erscheint.

Virtuelles Geld

Auch Euro und Dollar sind heute zu 90 Prozent nur noch Zahlen in Computern, trotzdem mutet es beängstigend an, dass man sein ganzes Vermögen durch einen Plattencrash verlieren könnte und ein längerer Stromausfall die ganze Bitcoin-Wirtschaft lahmlegt. Ob die Bitcoins damit wirklich zukunftsweisend sind, bleibt fraglich.

Aufgrund der Struktur der Währung kann nur eine bestimmte Menge Bitcoins erzeugt werden, dieses Maximum ist etwa 2034 erreicht. Ab dann beginnt eine deflationäre Phase, die den einzelnen Bitcoin aufwertet. Das wird von vielen als Problem gesehen, da es sehr viel Sinn macht Bitcoins zu horten, wenn ihr Wert notgedrungen ständig zunimmt. Damit wiederholt die Währung wohl einen der wesentlichen Mängel unseres Systems. Im Sinne der Geldmenge ist es kein Problem, Bitcoins lassen sich bis auf acht Kommastellen teilen.

Beachtlich ist allemal, dass es heutzutage tatsächlich möglich ist, ein neues Geldsystem „in der Garage“ zu erschaffen und daraus einen Millionenmarkt zu machen, der die Möglichkeit bieten würde, das alte System realtiv schnell abzulösen. Denn Wert erhält eine Währung allein durch seine Akzeptanz – und die steigt bei den Bitcoins noch immer stetig.

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4 Responses

  1. HW

    Hallo Rolf Jehring,

    so einen Blödsinn habe ich noch nirgends gelesen:
    „Geld- und wirtschaftssystem wären eigenständig und sollen nicht miteinander verknüpft sein.“

    So wie Kirche und Staat?

    Ein Geldsystem ist eine äußerst nützliche Sache für wirtschaftliche Angelegenheiten.
    Einen anderen Zweck hat es nicht. Das Geldsystem, wie es die 8 Familien bis heute etabliert haben ist ein Werkzeug zur Unterdrückung aller anderen Menschen.

    Will man dieses Geldsystem abschaffen, so müßt ihr über die 8 Familien.
    Pilze rottet man aus, indem man das Pilzgeflecht nachhaltig zerstört.
    Anders geht es nicht.

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  2. Rolf Jehring

    zugegebenermaßen halte ich den Titel der Story auch für blöd.
    Aber das, was dahintersteckt, kann eine von vielen Lösungen sein.
    Die Verknüpfung vom Geld- und Wirtschaftssystem ist im übrigen nicht sinnvoll, weil jedeseigenständig bestehen kann.
    Ein freies Geldsystem paßt zumindest in mein Bild des freinen Bürgers.
    Rolf

    Antworten
  3. HW

    Das Geld der Hacker .. . SO EIN SCHMARRN
    Wer und wo sind den diese Hacker?
    Es gab mal echte Hacker, diese Zeiten sind leider vorbei.
    Ein echter Hacker schert sich nicht um Geld, der hat andere Interessen.

    Merkt ihr eigentlich, wie von irgend jemandem versucht wird,
    alles mögliche, das irgendwie in dessen Augen systemfeindliche
    zu komprimitieren. Auch wenn die Methoden eigentlich unglaublich dämlich sind?

    Da die durchschnittliche Bevölkerung null Checkung hat, gelingt dies leider auch recht gut.

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  4. WellenbeobachterHH

    Das einzig wirklich Interessante daran ist, dass sich darin noch schneller die innere Dynamik der abstrakten Wertverwertung zeigt.

    Spätestens dieses Turbogeld sollte deutlich werden lassen, warum man „Marktwirtschaft“ gedanklich nicht positiv besetzen kann. Der Wachstumszwang steckt in der Warenform, also der kaufmännisch Logik selbst.

    Davon abgesehen wäre es interessant zu erfahren, ob damit nur Dienstleistungen gehandelt werden, oder ob es einen realen physischen Bezug zur materiellen Produktion und somit echten Wertschöpfung gibt. Es liegt zumindest die Vermutung nahe, dass das kaum der Fall sein dürfte, denn ich habe es weder hier noch in anderen Berichten gelesen.

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