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Wir alle wissen, wie kraftvoll es sich anfühlt, wenn wir uns in der Tiefe des Atems befinden, wenn wir eins sind mit dem Pulsieren des Blutes, des Herzschlags, wenn wir in genau jenem Augenblick in allen Sinnen wach und gleich – zeitig in die Sinne versunken sind. – Sowohl im Yoga wie auch im Body-Mind Centering® (BMC®) werden die dynamischen Zusammenhänge zwischen Körper und Geist, Gedanken, Emotionen und Bewusstsein erforscht.

Von Nina Wehnert

Jede Zelle in unserem Körper nimmt wahr, kann sich bewegen und hat Präsenz. Wir sind spürende, wandelnde Wesen, und noch bevor es ein Nervensystem gab, konnten wir wahrnehmen, uns bewegen und sein. Erleben und Erfahrung finden zunächst auf zellulärer Ebene statt. Im BMC® richten wir die Aufmerksamkeit auf verschiedene Strukturen im Körper: Knochen, Muskeln, Faszien, Organe, Flüssigkeiten, Drüsen, Nervenzellen. Im Yoga würde man dazu „Dharana“ sagen: die Konzentration, die gesam melte Ausrichtung des Geistes auf ein Objekt.

Durch Bewegung, Berührung und Spüren, durch anatomische Informationen und Bilder machen wir sie uns erfahrbar. Es geht dabei um ein ganzheitliches, inneres Erfassen, das weit über das rein intellektuelle Verständnis hinausreicht. Im Yoga: Dhyana – ein Zustand der Sammlung und des Versinkens. In diesem „Gewahr-Sein“ steckt Wertschätzung für das gesamte Potenzial, das in unserem Körper steckt. Es ist Wahrnehmen ohne Wertung und ein Sich-Öffnen all unserer Fähigkeiten – bis in die molekulare Ebene.

Samadhi als Selbst-Verkörperung

„Samadhi“ bezeichnet den Zustand der Auflösung. Wir „sind“, ohne zu differenzieren. Im BMC® nennt man diesen Zustand „Embodiment“. Es bin nicht mehr ich, die wahrnimmt, sondern die Zelle, das Gewebe, die Struktur selbst – der „Mind“ eines jeweiligen Gewebes. Das Nervensystem und damit unsere Kognition registriert erst danach.

Im Yoga wird oft die Aufmerksamkeit auf den Bewegungsapparat gerichtet. Es wird dann von Muskeln und Knochen gesprochen, neuerdings auch von Faszien. Organe werden erst dann erwähnt, wenn wir sie „entgiften“ – Detox. Die Drüsen werden genannt, wenn es um Hormonyoga geht.

Beachten wir allerdings das Potenzial in allen Strukturen, ohne sie auf ihre Krankheiten zu reduzieren, so kann Wachheit im gesamten Körper entstehen. „Ahimsa“ – die viel gepriesene Gewaltfreiheit im Yoga – könnte dann auch als „Nächstenliebe“ jedes Gewebes im Körper verstanden werden. Jedes Gewebe kann in seiner eigenen Charakteristik die Bewegung unterstützen und das Sein vervollkommnen. So sind die Organe nicht nur lebensnotwendig, sondern geben dem Körper Fülle und Dreidimensionalität. Ihr Volumen unterstützt den Bewegungsapparat. Flüssigkeiten wie Blut, Lymphe, Liquor durchströmen uns wie ein flüssiges Netzwerk, sie lassen uns pulsieren und schwingen. Knochen geben uns die Qualität von Struktur und Klarheit. Drüsen erschließen kristalline Energie.

Body-Mind Centering® – Die Intelligenz unserer Zellen nutzen

Wenn wir nachvollziehen, wie die jeweiligen Körperstrukturen (embryologisch) entstanden sind, welche Wege unterschiedliche Zellen unternommen haben, um genau zu dem Organ zu werden, welches sie nun bilden, wenn wir begreifen, wie sich die Bewegungsmuster unserer Entwicklungsstufen mit denen der Evolution ähneln (vom Einzeller bis zum gehenden Wesen), können wir uns und dem gesamten Leben wertschätzend gegenübertreten. Religionen, Hautfarben, Staatsangehörigkeiten stehen dann nicht mehr im Vordergrund: Wir alle sind durch einen faszinierenden Prozess der Zellteilung und -migration entstanden und haben nun ein Herz und eine Leber. Nutzen wir dieses Wissen, diese Erfahrung für unsere Yogapraxis, dann können wir die dem Körper innewohnende Intelligenz nutzen, anstatt sie auszubremsen.

Body-Mind Centering® ist von der US-Amerikanerin Bonnie Bainbridge Cohen in intensiver Forschungsarbeit gemeinsam mit anderen Praktizierenden der Methode über Jahrzehnte entwickelt worden. Es wird in Kursen und Einzelarbeit angeboten und findet Anwendung in Yoga, Musik, Tanz, Kinderpädagogik, Ergotherapie und als Körpertherapie. Ein tiefer Respekt vor den endlosen Ausdrucksformen des Lebens, die Akzeptanz all dessen, was wir nicht wissen, und die Bereitschaft zur Begegnung sind wesent liche Merkmale im Body-Mind Centering®.

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