Überlegungen von MA’al zum Wassermannzeitalter

Interessanterweise sehnen sich viele Menschen danach, frei zu sein. Um frei zu sein, ist es erst mal in Betracht zu ziehen, dass man im Gefängnis sitzt, denn wie sonst sollte dieser Wunsch zu interpretieren sein?

Manche haben es sich hübsch eingerichtet, Sofa, Fernseher, Gardinen und die Gitterstäbe angestrichen, ein paar Bilder aufgehangen, so das die Zellen ganz wohnlich aussehen. Regelmäßig gibt es etwas zu essen, es ist warm und man kann sogar mit den Wärtern ein bißchen plaudern.

Auch kann man sich prima beschweren, wenn was nicht stimmt, das Essen furchtbar ist oder dergleichen. Aber alles in allem ist man doch zufrieden, die Routine beruhigt die Nerven, keine Aufregung und der Arbeitsdienst ist auch nicht so schlecht. Schließlich kann man sich davon Süßigkeiten oder andere Vergnügungen kaufen.

Das es noch was anderes gibt, hat man vielleicht schon mal gehört aber ist noch nie jemandem begegnet, der ausgebrochen ist. Warum auch.

Die Gefängniswärter sind eure niederen Empfindungen, euer innerer Dialog, eure Selbstbezogenheit und alle Vorstellungen, die ihr in euch tragt und die euch davon abhalten über den Tellerrand zu schauen. Alle Entscheidungs- und Verhaltensmuster, die ihr aufrechterhaltet, nur um zu vermeiden, die Tür eurer Zelle zu öffnen und die Welt dahinter zu inspizieren.

Die Wände sind die Projektionen, die ihr in euch tragt. Eure Vorurteile und Bewertungen, Furcht und Angst jeglicher Couleur, die von den Wärtern fleißig genährt werden. Die meisten Menschen ziehen diesen Lebensraum, der ihnen die Illusion von Sicherheit vermittelt, der Freiheit vor. Auch wenn sie immer davon sprechen, sich auf ihrer Pritsche Luftschlösser ausmalen wie es wohl wäre, wenn…

Aber der Schritt an die frische Luft, wo auch mal ein frischer Wind bläst und man nass werden kann, ist doch eine andere Sache. Lieber im Trockenen bleiben bei hartem Brot und fauligem Wasser.

Willkommen an Bord

Für das Wassermannzeitalter gibt es eine sehr schöne Allegorie.

Ihr seid an Bord eines Schiffes gegangen, um unentdecktes Land zu suchen. Ihr verlasst den Hafen und segelt auf das offene Meer hinaus. Ein wunderbares Gefühl.

Auf offener See zu sein, birgt natürlich auch Risiken. Es kommt Sturm auf, die Wellen schlagen hoch und die Gischt spritzt einem ins Gesicht. An ganz schlechten Tagen spinnt mal der Kompass und der Navigator liegt mit einer Erkältung im Bett, dann gibt es auch noch Flauten. Aber an guten Tagen, das ist das Beste was es gibt.

Es braucht nur ein bisschen Mut um anzuheuern und ihr könnt ja in der Kombüse als Küchenjunge oder als Leichtmatrose anfangen. Keiner erwartet von euch, dass ihr schon das Kapitänspatent in der Tasche habt und wisst wie alles funktioniert. Das einzige was es braucht ist eure Bereitschaft zu lernen bis ihr mit allem vertraut seid und euch auskennt. Dann könnt ihr euer altes Leben getrost über Bord werfen.

Das unentdeckte Land

Das Land auf das ihr zusteuert ist ganz neu. Frisch ausgepackt und glänzend und fast noch unberührt. Es gibt noch keine Straßen oder richtige Weganzeiger, nur so ein paar Schilder: Gral rechts abbiegen ca. 500 km oder Weisheit, zweiter Berg links, 300 km. Zwischendurch begegnet ihr einem Reiseführer, wie mir zum Beispiel, der euch auf dem Laufenden hält, einige weiße Stellen füllen kann, damit ihr euch weiter zurechtfindet, oder wie ihr gemeinsam mit anderen schwieriges Terrain nehmen könnt.

Es ist ein Abenteuer und derzeit fühlt es sich noch wie Zelten auf ungewissen Gelände an und nie weiss man was als nächstes passiert. Aber wo anders sonst würde man Wesen und Geschöpfen aus Licht begegnen, sich von der Speise der Götter nähren und schon in der Ferne die Städte aus Licht erahnen können, die sich herabsenken werden.

Also, worauf wartet ihr noch?

Werft eure Wärter vor die Tür, packt nur das Nötigste zusammen und begebt euch zum nächsten Hafen. Haltet Ausschau nach einem feinen Schiff und Leinen los.

Die Welt, die ihr zurücklasst, ist im Prozess der Auflösung. Was immer ihr für euer Leben ersehnt, es ist schon so, dass es an euch ist, euch auf den Weg zu machen, um dorthin zu gelangen.

Ihr habt nichts zu verlieren, nur eure Freiheit zu gewinnen.

(Bild: © Wikipedia, Ebstorfer World Map, ca. 1300 Jdh.)