In zunehmendem Tempo geraten in diesen Tagen alte Strukturen ins Wanken und unterliegen dem großen, globalen Wandel. Mit ihnen verändern sich auch Berufe, die Berufstätigkeit an sich sowie die Arbeitswelt. Gleichzeitig beginnen immer mehr Menschen, die eigenen Bedürfnisse zu spüren und somit verringert sich die bislang geduldige Bereitschaft, sich fremdbestimmt unangenehmen oder unsinnigen Arbeitsbedingungen zu unterwerfen. Der innere Ruf nach Berufung wird laut und lauter. Was aber genau ist „Berufung“ eigentlich? Wie kannst du die Deine finden, wie sie umsetzen?

 

Zuerst das Wort

Umgangssprachlich verbinden wir mit diesem Wort eine berufliche Aktivität, die wirklich zu uns passt, in der die eigenen Bedürfnisse erfüllt und die eigenen Potenziale zur Entfaltung kommen können.

Aber Berufung ist mehr! Berufung ist ein Weg. In ihrem Buch „Die Boten des neuen Morgens“ schrieb B. Marciniak bereits Ende der 1980er, dass Berufung Ausdruck eines inneren Reifeprozesses ist. Wir können es auch Umsetzung des Lebensplans nennen. Hierbei wird schnell deutlich, dass es weniger um rein berufliche Aspekte als vielmehr um gesamtpersönliche Entwicklung und Ausdruck geht. Berufung ist nicht lediglich der richtige Inhalt, Rahmenbedingungen und Zeitpunkt. Es ist der innerste Ausdruck deines Wesens, umgesetzt in die Tätigkeit, für die du hier auf Erden wandelst. Somit erweitert sich die Frage nach der eigenen Berufung in der Weise, dass dein innerstes Wesen sowie deine Grenzen und Gaben hierfür eine wesentliche Rolle spielen.

Geht es somit also weniger darum, im Außen die richtigen Inhalte, die richtigen Kolleg*innen oder die möglichst passenden Rahmenbedingungen zu finden? Doch, auch dies alles gehört zum Prozess der Berufung. Aber es ist der zweite Schritt. Vorerst gilt es, das eigene Wesen zu erkunden und ent-falten. Alles entspringt dem Geist, dem Universellen, heißt es. Würdest du dein Augenmerk hauptsächlich auf die äußeren Faktoren lenken, hieße dies, das Pferd von hinten aufzuzäumen.

 

Bewusstsein und Berufung

Auf dem Weg zur eigenen Berufung kommen wir daher am Thema Bewusstsein nicht vorbei. Dieser Begriff wird in unterschiedlicher Weise definiert. Die klassische Beschreibung besagt einerseits, dass es hier um Wissen von etwas geht, das sich dem Menschen durch seine fünf Sinne erschlossen hat. Manche umschreiben es auch als die Summe der Überzeugungen eines Menschen, die von ihm bewusst durch Wort und Haltung vertreten werden. Bei beiden Definitionen spielen jedoch weder das Unbewusste, noch gar universelle Informationsquellen eine aktive Rolle.

Im spirituellen Kontext erfährt dieser Begriff eine andere Konnotation. Bewusstsein beschreibt hier eine durch die intuitive und mediale Verbindung zur geistigen (Innen-)Welt entstandene Erfahrungsqualität. Bewusstsein erschließt Wissen auf sichtbaren, aber eben auch (bislang) unsichtbaren Ebenen, die jedoch die Interpretation und das Empfinden meiner selbst und der Welt prägen und gestalten. Es ist das Gewahrwerden der zweiten Seite der Medaille „Leben“.

Um Zugang zu diesen Quellen zu erlangen, bedarf es der Erweiterung unserer inneren Sinne wie der Intuition. Wie kann dies geschehen? Zum Beispiel durch Achtsamkeit, Meditation, Lesen der eigenen Körpersprache, Verabschiedung alter, blockierender Muster und Glaubenssätze oder Kontakt zur Natur und Tieren.

Nun mag sich das alles ein wenig umfangreich anfühlen. „Das kann ich doch niemals alles schaffen! Und das in der kurzen Zeit! Ich will doch endlich nur meine Berufung leben!“

Bitte bedenke erneut: Berufung ist ein Weg. Und bitte bedenke, wie viele Jahre du möglicherweise einen unpassenden Beruf ausgeübt hast. Wie lange du schon in unpassenden Arbeitsbedingungen gewirkt hast. Und seit wie langer Zeit du dich bereits angepasst, verbogen und selbst verleugnet hast. Dies braucht schon in wenig Zeit, um gedreht und verarbeitet zu werden.

Die gute Nachricht ist: Die jetzige Zeitqualität unterstützt diese Prozesse enorm. Das heißt, diese Entwicklungen vollziehen sich deutlich schneller als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Jetzt ist also ein hervorragender Moment, um in deine Selbstentwicklung einzusteigen bzw. sie weiterzuführen.

 

Blaupause und Berufung

Immer häufiger taucht in spirituellen und therapeutischen Kontexten der Begriff der „Blaupause“ auf.  Was ist damit gemeint? Früher wurden mit Hilfe einer Vorlage und eines meist blauen Durchschreibpapiers per Hand Kopien angefertigt. Der Begriff Pause steht hier für Kopie und mit der Blaupause ist die Vorlage oder das Original gemeint.

Die menschliche Blaupause existiert auf der geistigen Ebene, findet aber ihren Ausdruck in unserer Physis und unserem Energie- und Emotionalkörper. Die Blaupause symbolisiert all unsere (auch in früheren Inkarnationen erworbenen) Erfahrungen, Empfindungen sowie Bedürfnisse und Ziele. Die Antwort auf die Frage „Warum bin ich hier?“ ist in der Blaupause notiert.

Das große Dilemma ist jedoch, dass die meisten von uns große Teile unserer Blaupause beim Geburtsprozess „vergessen“ haben – und somit auch den Zweck unseres Hierseins.

Das Bedürfnis nach Berufung ist der Ruf der Seele, nun endlich den Grund des eigenen Hierseins zu erkennen und zu erfüllen. Das Wassermannzeitalter, in das wir eingetaucht sind, trägt neben der Einladung zum Wir auch die Aufforderung zum authentischen Ich in sich. Daher keimt in so vielen Menschen derzeit der Wunsch nach ihrer wirklichen Berufung auf.

 

Arbeitsleben versus Privatleben

Unsere bisherige Arbeitswelt zeichnet sich durch eine teils sehr strikte Abgrenzung zum Privatleben aus. „Das ist privat! Das gehört nicht hier her!“ haben sicherlich viele von uns schon einmal zu hören bekommen. Damit wird der Mensch aus dem Arbeitsprozess als individuelles und fühlendes Wesen ausgeschlossen. Er soll Funktionen erfüllen. Die Unplanbarkeit des menschlichen Gemüts wird als Störfaktor empfunden und entsprechend behandelt.

Was ändert sich nun derzeit und im Empfinden vieler Menschen? Diese Spaltung in „Funktionserfüller*in“ und fühlendes Wesen wird als zunehmend unstimmig empfunden. Ja, sie macht vielfach auch krank. Mehr und mehr erkennen Menschen dies inzwischen und beginnen nach neuen Wegen im Umgang miteinander zu suchen. Auch das ist Teil der Berufung.

 

Ist Berufung planbar?

Sonja Ariel von Staden, spirituelle Künstlerin und Influencerin, erinnert uns immer wieder an folgenden Satz: „Willst Du Gott zum Lachen bringen, mache einen Plan!“.

Bei der Frage nach der Planbarkeit einer Berufung ist es wichtig, sich das Unterfangen etwas differenzierter anzuschauen. Aus was besteht dieser Weg hauptsächlich?

  1. Selbsterkenntnis
  2. Heilung alter Wunden und Blockaden
  3. Entwicklung neuer Optionen und Handlungsschritte
  4. Umsetzung entwickelter Ziele

Bereits bei dieser kleinen Auflistung wird deutlich, dass die vier Punkte eine unterschiedlich starke Planbarkeit in sich tragen. Selbsterkenntnis und Heilung alter Wunden lassen sich nicht so determiniert bewältigen, während dies beim Herangehen an konkrete Ziele durchaus sinnvoll ist.

Gleichzeitig besteht jeder der vier Punkte in sich aus verschiedenen Schritten, die ebenfalls unterschiedlich leicht planbar sind. Zum Beispiel bei Punkt 1 und Punkt 3:

Selbsterkenntnis ist in der Regel erst dann effektiv möglich, wenn der betreffende Mensch den Wunsch danach verspürt. Aus meiner Sicht ist die innere Entscheidung für den Weg der Selbsterkenntnis der zentrale Aspekt. Nicht alle, die sich auf diesen Weg begeben haben, haben sich auch entschieden. Dies wird spätestens in den unbequemen Momenten des Prozesses deutlich.

Diese innere Entscheidung ist nicht planbar, wie auch der Moment des Beginns der Suche und die Abfolge der thematischen Schritte der Selbsterkenntnis nicht planbar sind. Ich kann und sollte jedoch in Teilschritten planen: Bin ich eher offen für Unterstützung durch Bücher, Videos, einzelne Menschen oder Gruppen? Welche Methoden sprechen mich an? Wie oft möchte ich Unterstützung in der Woche, im Monat oder im Jahr in Anspruch nehmen? 

Zu Punkt 3: Die Frage möglicher neuer Optionen lässt sich häufig sehr gut auf intuitivem und medialem Weg finden. Unser Verstand wurde zwar seit Generationen darauf trainiert, hier Antworten zu geben und wir sind schnell dabei, ihn einzuspannen – aber er ist nicht der beste Ratgeber, denn ihm fehlt der Überblick im Sein.

Sobald sich dein Gefühl/ deine Intuition stabilisiert, in welche Richtung es für dich gehen kann, ist es hilfreich, den Verstand wieder mit ins Boot zu holen. So entsteht eine wunderbare Synergie. Planbar ist also Alles, das im Rahmen der Übersicht des Verstands liegt. Darüber hinaus, also Fügungen, Zu-Fall (es fällt Dir zu), Synchronizitäten oder Eingebungen sind Sache von Herz und Bauch. Lerne daher zu unterscheiden, mit welchen „Werkzeugen“ du welche Schritte deines Weges am besten meistern kannst.

 

Arbeitswelt der Zukunft: Synergie und Flow

Der globale Wandel ist umfassend und niemand kann derzeit voraussagen, wie genau sich die Dinge verändern werden. Aber mehr denn je sind alle Menschen dazu eingeladen, selbst aktiv zu werden und eigenverantwortlich all das in die Hand zu nehmen und auf den Weg zu bringen, was ihnen wichtig ist und sie ausmacht.

Der zentrale Begriff hierbei ist Eigenverantwortung. So sehr wir in den alten Arbeitsstrukturen eingeschränkt waren und uns vieles abgenommen wurde und nicht in unserer Verantwortung lag, so sehr ist es nun an der Zeit, die Dinge wieder selbst zu gestalten – auch in der Berufswelt. Nun gilt es, Inhalte umzusetzen, die dich bewegen und dein Innerstes zum Strahlen bringen; Strukturen zu schaffen, die zu deinem Wohl und dem Wohl Aller sind sowie Verbindungen zu kreieren, die tragfähig, nachhaltig und menschenwürdig sind.

Immer wieder taucht dieser Tage der Hinweis auf, dass der Mensch so ungleich viel mehr ist als das, was er bislang von sich weiß und hat zeigen können. Gerade die Geschichte der hochbegabten und hochsensiblen Menschen ist hierfür ein Beispiel.

Wir stehen am Anfang dieser bahnbrechenden Umwälzungen. Wir stehen am Start, mit nichts anderem in unseren Händen als unseren alten Erfahrungen, die wir verabschieden wollen, weil sie verletzen und schmerzen. Wir stehen aber auch mit uns selbst am Start, jede und jeder mit dem ganzen Paket Mensch-Sein in uns drinnen. Was sind also unsere neuen Wegweiser?

Dein eigenes Gefühl und dein Körper geben dir klare Hinweise, was für dich selbst stimmt. Und der Flow deines Handelns. Erlebst du Flow, das tiefe Eintauchen in das momentane Tun im Vergessen des Rests der Welt? Dann suche, diese Momente zu mehren.

Synergien sind die Antworten des Universums. Dies sind jene Augenblicke und Situationen, in denen dein Flow auf den Flow eines anderen Menschen trifft – und Neues erschafft.

Entdecke diese neuen Werkzeuge für dich und probiere dich mit ihnen aus. Das sind die ersten Schritte deiner Berufung!

Über den Autor

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Cordula Roemer ist Dipl. Pädagogin, HSP-Beraterin u. –Coach, Dozentin und Autorin. Seit 2007 weiß sie von ihrer eigenen Hochsensibilität und gründete 2009 das Offene Berliner HSP-Treffen, das seither monatlich stattfindet. Vorträge, Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte, Beratungen für Betroffene und Sachbücher folgten.

Mehr Infos

Bücher:
Cordula Roemer: Hurra, ich bin hochsensibel! Und nun?, Springer 2017
Cordula Roemer: Perlen im Getriebe – Hochsensibel im Beruf, Humboldt 2018
Cordula Roemer und Anne Oemig: Ein hochsensibles Jahr mit Gustav, Springer 2018



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