von Caroline Raasch

Die Menschen sagen oft, ohne Gesundheit ist alles nichts – was auch stimmt – aber es müsste genauso heißen, ohne Liebe ist alles nichts. Wir können uns mit den feinsten Lebensmitteln ernähren, materiell gut abgesichert sein, uns in einer Krankheit fachkundig begleiten lassen, unsere Kinder bestmöglich fördern und respektvoll mit unseren Mitmenschen umgehen, aber wenn wir hinter all dem nicht die Liebe in der Welt spüren, dann wird alles in seiner Wirkung nicht das erreichen, was möglich wäre und auch bei dem anderen nicht in der, vielleicht sogar beabsichtigten, Tiefe ankommen.

Das bedeutet nicht, dass ich alle Menschen, mit denen ich zu tun habe, lieben muss oder dass ich alles lieben muss, was ich tue – auch wenn das ein gutes Ziel sein kann. Wenn ich etwas nicht in Liebe tun kann, es mir aber möglich ist, mich dennoch mit den ungeliebten Notwendigkeiten zu versöhnen, kann ich zumindest in positiver Schwingung bleiben.

Liebe ist Fülle

Die meisten Menschen verbinden Liebe mit Sexualität oder Leidenschaft und mit dem Gefühl, welches sie in einer Partnerschaft haben. Liebe ist aber etwas, was noch viel tiefer geht und mit der persönlichen Liebe im Grunde wenig zu tun hat. Diese Liebe im Verhältnis zu Leidenschaft oder Begehren ist im Grunde auch so etwas wie eine Art Polarität – in diesem Fall betrifft es Fülle und Leere. In der Liebe bin ich aus mir heraus gefüllt und kann gut etwas geben, ohne zu erwarten und brauche nichts. Alles, was ich bekomme, sind wundervolle Zugaben.

Liebe ist bedingungslos und wie sich das anfühlt, erleben wir am ehesten mit unseren eigenen Kindern – besonders wenn sie klein sind. Und in der Leidenschaft, die meist mit SehnSUCHT einher geht, fehlt einem etwas. Sie ist oft mit dem Gefühl einer inneren Leere verbunden, die man dann im Außen zu füllen versucht (die falsch verstandene Liebe).

Natürlich gibt es auch wunderbare erotische Liebe und dann ist der körperliche Höhepunkt ein göttlicher Moment. Es ist aber auch deshalb ein göttlicher Moment, weil wir in diesem kurzen Augenblick auf der körperlichen Ebene Anteil an der Schöpfung haben. Ich glaube, dass wir durch eine tiefe Begegnung mit Eros, überhaupt erst in die Nähe von wirklicher Liebe kommen und dann mehr und mehr begreifen, dass sie alles einschließt und nicht beim Eros wieder aufhört. Auch für Sokrates war Eros ein Mittelwesen zwischen Gott und Mensch.1

Liebe ist Eros

Diese göttliche Liebe umfasst alles und ist ein Zustand, in den man hineinwächst, sobald man herauswächst aus dem Schuld-Unschuld-, Vorwurfs- und Bewertungsdenken; wenn man im Innersten begriffen hat, dass dieses nur der eigenen seelischen Verdrängung und Schmerzvermeidung dient. Diese Liebe ist nur möglich, wenn man sich dem eigenen Lebensweg wirklich gestellt hat. Durch alle Emotionen hindurch. Erst, wer den heilenden Schmerz und mit ihm die wundervollen Wandlungen erfahren konnte, wird diese Art der Liebe empfinden. Sie offenbart sich, wenn man am eigenen Leib gespürt hat, dass wir alle unschuldig sind, unser Gegenüber, genau wie man selbst. Dann können wir den anderen so sehen, wie er ist und uns selbst in gleicher Weise annehmen – all das führt uns in die göttliche Liebe, weil wir auf ganz tiefer Ebene spüren, wie eingebunden wir in das Wunder Kosmos sind. Wir spüren, dass wir unserer Anlage entsprechend geführt und beschützt sind, dass alles miteinander in beeindruckender Perfektion sinnhaft verbunden und Liebe der Urgrund und die Quelle allen Seins ist.2

Dieser Urgrund ist das höchste Prinzip im Leben. Es ist eine Liebe, die dem Geistigen entspringt und die einzige Kraft, die Dinge vereinen kann, ohne sie besitzen zu wollen, und die sowohl verbindet als auch befreit. Liebe ist weit mehr als ein Gefühl. Liebe ist Lebensenergie, ein Bewusstseinszustand und innerste Substanz der Schöpfung. Diese Bewusstseinsenergie ist es auch, die uns auf unserem Lebensweg trägt, wenn es unwägbar scheint, und uns die Kraft zur Annahme des gegenwärtigen Moments gibt.

Wenn ich um diese Angebundenheit im Innersten weiß, dann bin ich auch bereit, mich im gewissen Sinne dem Leben hinzugeben, mich allem zu stellen und zur Not alles zu verlieren. Und genau dann werde ich alles bekommen, was ich brauche. Die Tür der Liebe öffnet sich, wenn ich die Angst überwunden habe. Und manchmal offenbart sich das Wunder der Liebe ganz unerwartet, wenn ich mitten in der Natur sitze, von der ich nichts will, und erfüllt bin von Dankbarkeit und spüre, ich bin mit allem EINS. Es sind anfangs oft kurze Momente, die mit der Zeit immer stärker werden. Dann brauche ich im Außen immer weniger.

Liebe ist Gott

Wenn ich mit dieser Liebe anderen Menschen begegne, schließt sich jede Form von Gewalt und Abwertung aus, weil ich ganz tief in mir die Gewissheit habe, dass auch der andere und die Welt, in der ich lebe, ein Teil von mir ist und dass alles, was mir begegnet, mein Inneres spiegelt. Wenn wir uns dieser allumfassenden göttlichen Liebe nähern, werden wir auch auf der Beziehungsebene auf andere Art lieben. Letztlich ist es unerheblich, welchen Namen wir diesem Empfinden geben. Manche nennen es auch Gott. Jeder, der das einmal gespürt hat, weiß, dass es dieses ist. Und das verliert man nicht mehr.

Intellektuell kann man das nicht wirklich begreifen. Es ist als würde man jemandem erklären wollen, wie Ananas schmeckt oder wie es sich anfühlt, ein Kind zu gebären.

Jede noch so gute Erklärung wird nie dasselbe sein, wie ein eigenes Erleben und damit kann es sich auch im Empfinden nicht tragend verankern. Auf diesem Weg empfindet man irgendwann die verbreitete Absurdität, Liebe an eine Körbchengröße oder andere Eigenschaften zu knüpfen. Wenn ich vordergründig die äußere Erscheinung eines Menschen liebe, dann liebe ich im Grunde gar nicht ihn selbst, sondern eben nur seine Hülle.

Wir sind alle von dieser wahrhaftigen Liebe durchdrungen, Mensch, Pflanze und Tier. Mir persönlich treibt das tiefe Gefühl der Verbundenheit mit allem und die Dankbarkeit darüber, so gut eingebettet zu sein in diesem Universum, immer mal wieder Tränen in die Augen. Jeder, der einmal an dieser Stelle war, wird nicht so weiter machen können wie vorher, es verändert einen. Daher ist es wichtig, dass jeder sich selbst auf den Weg macht, der im ersten Schritt immer ein Weg zu sich ist.

Liebe lässt frei, Liebe braucht nichts und ist unabhängig vom Zurückgeliebtwerden. Wirkliche Liebe und Mitgefühl hören nicht vor der eigenen Haustür auf, sondern verbinden und lassen uns auch an künftige Generationen denken. Liebe ist Energie und vermehrt sich, wenn wir sie teilen, wie Glück und Freude. Diese Liebe können wir auch von unseren Kindern lernen und unsere eigenen Beziehungen dadurch heilen. Dann wird die Welt in gleicher Weise heilen.

 

Der Text ist ein Auszug aus „Wie aus Gott Google wurde“ – beginnend in den Mythen der Antike über die Astrologie und die Liebe bis hin zum Transhumanismus. Scheinbar ganz verschiedene Themen, die dennoch über einen roten Faden verbunden sind und uns den aktuellen  Umbruch in der Welt aus ganz anderer Sicht betrachten lassen. Und Mut machen.

Wie aus Gott Google wurde
Caroline Raasch
Erscheinungstermin ‏ : ‎ 11. Juni 2023
Sprache : ‎ Deutsch
Seitenzahl der Print-Ausgabe : ‎ 516 
ISBN-10 : ‎ 3347911814
ISBN-13 : ‎ 978-3347911819
caroline-raasch.de/Buch

Über den Autor

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Die Autorin Caroline Raasch arbeitet seit 1997 als Astrologin und Heilpraktikerin in eigener Praxis in Berlin-Lichterfelde. Sie war 10 Jahre Schülerin bei Wolfgang Döbereiner, dem Begründer der „Münchner Rhythmenlehre“ und dem sicher bedeutendsten Astrologen unserer Zeit. Er befreite die Astrologie von Aberglauben, Unterhaltung und unseriösen Voraussagen und füllte sie stattdessen mit tiefem Inhalt, indem er altes Wissen mit neuen Strukturen verband, die Homöopathie und vor allem die griechische, aber auch die biblische Mythologie in sein Deutungssystem mit einbezog.

Dieses Buch ist die Essenz einer langjährigen beratenden Arbeit in den Bereichen Psychologie, Homöopathie, Phytotherapie, Traumdeutung und Gesichterlesen – alles immer im Kontext und auf Basis dieser Astrologie.

Das Buch ist überall im Handel erhältlich als Hardcover, Softcover und als e-book.



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