Die Erkenntnis, dass wir ein Leben lang Neues lernen können, ist noch relativ neu und hat den Blick auf den Menschen völlig verändert. Früher dachte man, die Entwicklung des Gehirns sei schon in der Jugend abgeschlossen. Heute gilt unter Psychologen, Naturwissenschaftlern, Pädagogen und Medizinern als relativ gesichert, dass man bis ins hohe Alter noch Neues hinzu lernen kann. Durch neue Eindrücke und Erfahrungen werden unsere Nervenzellen im Gehirn dazu gebracht, sich immer wieder neu zu verschalten. Je öfter eine Tätigkeit oder ein Gedanke wiederholt werden, desto breiter werden die Verbindungen im Gehirn.

In der Uni Hamburg übten Probanden zwischen 50 und 67 Jahren zu jonglieren. Aufnahmen des Gehirns zeigten später deutlich, dass sich durch das Training die Substanz in einer bestimmten Gehirnregion vergrößerte. Daraus leiten Forscher ab, dass das Gehirn ähnlich reagiert wie ein Muskel. Mit entsprechendem Training bleibt das Gehirn gesund und wächst, nutzt man es wenig, verkümmert es.
Wenn ein gutes Fundament gelegt ist, kann auch ein Erwachsener darauf aufbauen und zum Beispiel seine Sprachkenntnisse auffrischen.

Schwieriger ist es allerdings, sich neue Verhaltensweisen anzueignen. Denn unsere Reaktionen wie Wut, Angst oder Stress erfolgen häufig automatisch. Um seine eingeschliffenen Gewohnheiten zu durchbrechen, braucht man viel Zeit.
Studien belegen, dass Meditation dabei helfen kann. Denn wer eine Achtsamkeitstechnik lernt, übt sich darin, die eigenen Gefühle und Gedanken zu beobachten. Und er kann lernen, in einer Stresssituation mit Gelassenheit zu reagieren. Das hinterlässt auch Spuren im Gehirn. Bereits nach einem zweimonatigen Meditationskurs ändern sich die Hirnregionen, die für Stressreaktionen zuständig sind: die Dichte der grauen Substanz nimmt deutlich zu. Damit die Veränderung von Dauer ist, braucht es allerdings viel Übung. Seine Gefühlswelt zu verändern, ist ein lebenslanger Lernprozess.

Wenn das Gehirn mal Pause macht

Meditation aktiviert schon nach vier Wochen Bereiche im Gehirn, die mit der Regulierung von Emotionen in Verbindung gebracht werden. Probanden übten eine Form der Achtsamkeitsmeditation, die aus der traditionellen chinesischen Medizin stammt. Zum so genannten Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR) gehören u.a. Entspannungs- und Atemübungen. Psychologen vermuten, dass das Training auch bei psychischen Leiden helfen könnte.
Entscheidend ist beim Lernen weniger, was wir uns vorgenommen haben, sondern ob wir es uns auch wirklich zutrauen. Je älter wir werden, desto entscheidender ist Selbstvertrauen für den Lernerfolg. Menschen mit positiven Assoziationen zum Alter schneiden in Testergebnissen am besten ab. Auch die Motivation spielt eine große Rolle. Es muss kein Seniorenstudium sein, denn schon wenn man seinem Gehirn immer wieder neue Eindrücke liefert, hält man es jung und kann es später auch noch mit anderen Themengebieten aufnehmen.

Die Vermessung der Gefühle

Der Hirnforscher Richard Davidson schiebt regelmäßig tibetische Mönche in den Kernspintomographen und sieht sich auf den Bildern von deren Gehirn an, was Meditation dort bewirkt. Näheres finden Sie in dem Buch „Warum wir fühlen, wie wir fühlen“.

Foto: Walter Eberl / pixelio.de

Literatur: Zeit. Wissen Ratgeber Lernen 2012

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Lydia Poppe ist ­Online-Redakteurin für SEIN-Brandenburg und ist Gründerin und Koordinatorin des Netzwerk für ganzheitliche Gesundheit in Potsdam. Ihr Anliegen ist es, auf den steigenden Bedarf an ganzheitlicher Gesundheit, Medizin, Körperarbeit, Ernährung, Psychotherapie, Coaching, Meditation und Bewusstseinsarbeit gemeinsam mit anderen Antworten zu finden. www.ganzheitlich-gesund-potsdam.de