„Und jetzt lest ihr euch gegenseitig.“ Ich spüre ein Holpern in meinem Bauch, leichte Panik breitet sich aus. Mit „lesen“ ist gemeint, dass ich mit meinen Hellsinnen Blockaden im Chakra einer anderen Kursteilnehmerin erfassen soll. Aber Hellsinne habe ich nicht. Darum bin ich ja hier, im Training zur „Full Sensory Perception“ in Mount Shasta. Gut, manchmal habe ich etwas gesehen, und dann ist es passiert und ja, nachts arbeiten Lichtwesen an mir, manchmal sehe ich auch die. Aber auf Kommando hellsehen? So habe ich mir diesen 15-tägigen Kurs nicht vorgestellt. Ich dachte, ich bekomme eine Einweihung – und plop, geht mein drittes Auge auf und ich kann alles sehen was ich will. Auren, Gedanken, Gefühle, Tumore, Lichtwesen, eine kaputte Leber,… wie man sich das eben so vorstellt. Ich zumindest. Es ist der zweite Tag des Kurses. Keine Einweihung, keine Öffnung des dritten Auges. Nur zwei Meditationen und etwas Theorie.

Amorah, unsere Lehrerin, ist unerbittlich. Sie drängt uns endlich zu beginnen. Ich gehe in Gedanken die Schritte durch, die auf dem Blatt Papier vor mir stehen und bitte darum, dass mir was gezeigt wird. Irgendwas. Vor meinem geistigen Auge erscheint tatsächlich etwas. Ein Löwe. Ich spreche einfach aus, was ich sehe, auch scheint es mir lächerlich. Durch das Sprechen verändert sich das Bild, ich erkenne langsam mehr. Der Löwe wirkt königlich, fast scheint mir, er trägt einen roten Umhang. Er sitzt auf einem Schlachtfeld und blickt auf all die Toten in ihren Kettenhemden und Panzerungen. Ich spüre seine tiefe Traurigkeit. Er hat seine Männer hierher geführt. Er ist verantwortlich für ihren Tod. Er dachte, dies sei der richtige Schritt, um alle zu schützen. Und nun ist er verantwortlich für ihren Tod. Nie wieder wird er für so etwas verantwortlich sein können. Ich begreife, dass der Löwe ein Symbol ist für einen Herrscher. Mir wird klar, dass ich hier vielleicht ein vergangenes Leben meiner Mitstreiterin lese. Ein Gedanke formt sich in meinem Kopf, ein Gedanke des Löwen – „Nie wieder werde ich in meiner vollen Kraft stehen, denn es bringt zu viel Leid.“ Ein Glaubenssatz. Tatsächlich, ich habe einen Glaubenssatz gelesen. Ich öffne die Augen und schaue die junge Frau an, die vor mir sitzt. Sie hat Tränen in den Augen. So absurd die Geschichte für mich anfangs schien, in ihr hat sie tiefe Emotionen geweckt.

Der Kurs ist anfangs mühsam für mich, die ersten Bilder, die ich bekomme, sind symbolisch und ich muss die Deutung erst erspüren. Eine andere Teilnehmerin bekommt ganze Texte von ihrer geistigen Führung. Das hätte ich auch gern, das ist bestimmt leichter. Später erzählt sie mir, sie hätte gern all die Bilder gesehen, so wie ich sie sehe. Im zweiten Kurs bekommt auch sie ihre ersten Bilder, und ich sehe ein paar Wörter vor mir. Schon nach dem zweiten Kurs lese ich so sicher, dass ich es im Rahmen meiner Arbeit anbieten kann. Anfangs bin ich noch nervös vor jeder Sitzung, die ich gebe, aber die Dinge, die ich sehe sind immer von Bedeutung für meine Klienten und tragen zur Problemlösung bei. Ich vertraue mehr und mehr auf meine Fähigkeiten und die geistige Führung.

Alle Sinne, die wir im physischen haben, existieren auch auf der geistigen Ebene. Oft sind einige unserer Sinne stärker ausgeprägt als andere, das spiegelt sich meist auch auf der geistigen Ebene wider. Menschen, die eher visuell sind, bekommen anfangs eher Bilder. Auditive Menschen sind eher hellhörig, usw. Mit der Zeit entwickeln sich auch die nicht so ausgeprägten Sinne stärker, aber meist empfängt man durch bestimmte Kanäle mehr Informationen. Verblüfft und beruhigt hat es mich, dass es auch das Hellwissen gibt. In meiner ersten Lesung habe ich die Gedanken des Löwen nicht gehört, sondern einfach gewusst, was in ihm vorging. Diesem Sinn zu vertrauen fällt anfangs am schwersten, denn das Wissen steigt in einem auf und scheint Teil der eigenen Gedanken- und Gefühlswelt zu sein. Oft denkt man „Das habe ich mir jetzt wohl ausgedacht.“. Die Reaktion des Klienten zeigt einem dann aber, dass dem nicht so war. Hellwissen ist verlässlicher, wenn man unbeteiligt für andere liest, wie zum Beispiel im Rahmen einer Sitzung. Arbeitet man an sich selbst, oder will man in einer Sitzung ein bestimmtes Ergebnis erreichen, kann einem das Ego vermeintliche Wahrheiten vorgaukeln, die in alte Programme und Muster, oder auch Wunschvorstellungen der Lesenden passen. Es gibt da allerdings eine innere Instanz, die genau weiß, ob das, was man zu empfangen glaubt, auch tatsächlich der eigenen, höheren Wahrheit entspricht. Diese Wahrheit fühlt sich im Herzen und im Bauch warm an, man hat dort ein Gefühl von Weite, Helligkeit, oder spürt einen erleichterten Seufzer. Kommt die Wahrheit aus dem Ego, das einen vermeintlichen Mangel ausgleichen will oder einen bestimmten energetischen Status beibehalten möchte, dann fühlt es sich vor allem im Bauch an, als ob da etwas nicht ganz stimmt. Unter dem schönen Schein liegt noch etwas Dunkleres. Ich vergleiche es immer mit dem Gefühl einer Katze, die gegen den Strich gestreichelt wird. Hier bedarf es einer großen inneren Ehrlichkeit, denn gerne schiebt man dieses Gefühl schnell beiseite oder ignoriert es ganz. Hinterher kommt dann oft der Gedanke „Das habe ich doch von Anfang an gewusst, dass das nicht ganz in Ordnung war.“ Diesen Balanceakt, das immer wieder Reinfühlen, sich zur eigenen Ehrlichkeit zwingen und etwas wieder loszulassen, bedarf viel Übung und Ausdauer.

Nach und nach entwickelt jeder seinen eigenen Stil um Informationen aus der geistigen Welt zu empfangen. Man löst sich mehr und mehr von erlernten Protokollen und entwickelt eine immer stärkere Klarheit und Sicherheit. Voraussetzung hierfür ist allerdings die eigene innere Arbeit. Denn je weniger man mit Themen anderer resoniert, weil man sie schon im eigenen Kontext bearbeitet hat, um so ein besserer Kanal wird man und um so sauberer liest man. Hier liegt eine große Verantwortlichkeit für Übermittler von Wissen und Botschaften aus der geistigen Welt. Das Ego meldet sich immer mal wieder, und je mehr Themen man für sich gelöst hat, desto tiefer liegen die Schichten, aus denen das Ego sein Haupt erhebt. Es kann einem immer schwerer fallen, die höhere Wahrheit zu erkennen. Vor allem für geübte Übermittler kann dies problematisch sein, denn oft glaubt man, bestimmte Themen schon gelöst zu haben, oder so weit in der spirituellen Entwicklung fortgeschritten zu sein, dass man dieses Thema gar nicht mehr haben kann. Aber alle Themen werden stetig aufs Neue geprüft, auf immer anderen Ebenen. Hier ist es ratsam sich zu erlauben, nie ausgelernt zu haben.

Was ich an meinem Kurs so geschätzt habe, ist dass es hier nicht hauptsächlich um das Training der Vollsinne ging, sondern dass sie nur ein Schlüssel waren, um an sich und anderen arbeiten zu können. Durch das gegenseitige Lesen, Reparieren energetischer Strukturen und reinigende Energiearbeit aneinander waren es sehr intensive Wochen der inneren Arbeit, die uns alle in unserer persönlichen Entwicklung ein großes Stück weitergebracht haben. Es ist mir wichtig, dies auch in meinen eigenen Kursen zum Training der Hellsinne weiterzugeben.

Dr. Frauke Greil, Ph.D.

(Foto: Jürg Adler / pixelio.de)

Über den Autor

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Frauke Greil ist Wissenschaftlerin und Heilerin. Sie arbeitete als Molekularbiologin u.a. am Niederländischen Krebsforschungsinstitut und der Harvard Medical School in Boston, USA. Sie unterhält die Praxis “Energie Heilung Potsdam”, in der sie Pranaheilung, Reiki und andere Formen der Lichtarbeit anbietet. In der Pranaheilung ist sie in der zweiten Stufe ausgebildet, und im Reiki hält sie den dritten Grad einer Reikimeisterin. Aus der Erfahrung, dass jedes Heilsystem seine Stärken und Schwächen hat, lässt sie sich auch in anderen, weniger bekannten Modalitäten ausbilden (Pleiadische Lichtarbeit, Divine Intervention), um so maßgeschneiderte Behandlungen anbieten zu können.

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Lindenstrasse 12
14467 Potsdam

6 Responses

  1. Vanessa
    Nun ja...

    Also ich bin 13 und mir passieren komische Dinge z.b weiß ich was kommen wird ich habe auch öfters Deja Vus ich weiß was andere denken also wann sie es denken ich weiß auch wie sich ein Mensch fühlt ich muss nur in seine Augen sehen und schon fühle ich mich auch so deshalb schaue ich immer auf den Boden -.- was ich meine ist ich glaube nicht das ich hellsehen kann oder in die Zukunft sehen ich glaube das ich diese „Macht“ habe Vllt bilde ich mir das alles nur ein es ist halt seltsam das Sachen passieren die ich schon längst weiß z.b das jemand dieses Kommentar ließt und sich denkt die spinnt ps: war geraten 😉

    Antworten
    • Frank Knispel
      Hellsehen

      Du hast eine besondere Gabe weil du das Leben mit anderen Augen siehst

      Antworten
  2. Evie
    Ausbau

    Was mir des öfteren passiert ist, dass ich in meinem Alltag Situationen durchlebe, die ich bereits kenne. Sie dauern nie wirklich lange an, vielleicht 15 Sekunden.
    Ich habe auch schon oft gehört, dass ich wahrscheinlich einfach bereits ähnliche Situationen durlaufen habe, aber ich weiß, dass es nicht so ist.
    Woher kommt diese Fähigkeit & wie kann ich sie weiter ausbauen?

    Antworten
  3. Salome
    Silvermoon

    Hi ich bin 14. Ich habe Zukunftsträume seit ich in die Schule gehe und seit ein paar Monaten kann ich sogar die Zukunftsträume sehen. ich kann ab und zu hellsehen und möchte gerne lernen wie man hellsehen trainieren. ich erbitte um eine Antwort

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    • Indigoblau
      Indigo

      Hi Salemo.. Es ist sehr wahrscheinlich, dass du ein Indigokind bist.. das ist eine tolle gabe und genau in deinem alter erschienen mir auch solche träume.. halte daran fest und vertraue deinem instinkt

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    • Alexis
      Wegbegleiter

      Hallo Salome,
      wenn es sich für dich richtig anfühlt, können wir in Kontakt treten und darüber sprechen. Gehe deinen Weg. Wenn du einen Wegbegleiter suchst, antworte auf diesen Komentar und ich gebe dir eine Möglichkeit mich zu erreichen. Vielleicht bis bald. 🙂
      Marvin und Alexis

      Antworten

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