Hochsensible haben ein intensives Empfinden und Erleben. Durch ihre verstärkte, tiefere und detailliertere  Reizaufnahme verarbeiten sie in ihrem Gehirn ein Mehrfaches von dem, was an Eindrücken in den Gehirnen “normaler” Menschen verarbeitet wird. Mit Smalltalk können sie meist nichts anfangen und haben möglicherweise starke Reaktionen auf Medikamente, Alkohol und Koffein sowie Anfälligkeiten für Stress, Leistungsdruck und Zeitknappheit. Betitelt werden sie oft als zart besaitet, dünnhäutig, überempfindlich und vieles andere mehr.

Die Qualitäten, die eine Hochsensibilität mit sich bringt, werden oft nicht gesehen. Diese sind u. a. detailreiche Wahrnehmung, hohe Begeisterungsfähigkeit, vielseitige Interessen, ein ausgeprägtes Langzeitgedächtnis. Befindlichkeiten, Stimmungen und Emotionen anderer Menschen werden leichter und detaillierter erkannt. Hochsensible sind stärker beeinflussbar durch Stimmungen anderer Menschen, haben ein ausgeprägtes intuitives Denken. Sie lassen sich nicht abspeisen, wenn sie nicht das Gefühl von Stimmigkeit haben. Sie denken in größeren Zusammenhängen, können viele Dinge gleichzeitig erfassen und wollen sie tief ergründen, können komplexe Aufgaben erfüllen, wollen “erkennen”, “erfühlen”, wissen und wachsen. Es ist ihnen wichtig, den Sinn des Lebens zu erkennen, sie haben einen ausgeprägten Altruismus, Gerechtigkeitssinn und hohen moralischen Anspruch. Gesund entwickelt , sind sie vielschichtige und stabile Persönlichkeiten (u.a. aus Wikipedia).  

Als Hochsensible und Empathikerin1) habe ich einige Jahrzehnte zum Thema Hochsensibilität Erfahrungen gesammelt, viel gelesen und Forschungen angestellt. Dabei haben sich für mich folgende Punkte als lebenserleichternd herausgestellt: 

  1. Körpergefühle wahrnehmen

Ein gutes Empfinden für meine eigenen Körpergefühle zu haben hilft mir, klarer feststellen zu können, wenn etwas Neues oder Fremdes zu mir kommt. Über die gefühlte Veränderung als Hinweis kann ich dann zeitnah reagieren. Manchmal heißt das auch, dass ich das erforschen muss. Wenn ich genau weiß, wann das neue Gefühl eingetreten ist, kann ich aus meinem Lebensumfeld zu genau der Zeit meistens gute Rückschlüsse ziehen. Und mit Übung, Zeit und manchmal auch Unterstützung von außen gelingt das immer besser.

Es gibt viele Methoden, die eigenen Körpergefühle gut kennen zu lernen. Mir hat Shiatsu mit Selbsterfahrung dabei sehr weiter geholfen.

  1. Den eigenen Raum spüren

Meinen eigenen Raum und meine eigene Schwingung wahrzunehmen und ein beständiges Bewusstsein dafür zu haben, bedeutet auch, den Raum und die Schwingung anderer Menschen als einen Raum wahrnehmen zu können, der nicht meiner ist. Die Atemraumarbeit nach Jack Lee Rosenberg hat mir dabei geholfen. Als mir das nicht ausreichte, habe ich erfolgreich mit weiteren Schwingungsräumen experimentiert. Treffe ich auf Schwingungen, die Resonanzen bei mir auslösen, kann ich das über mein Körper- , Raum- , Schwingungsbewusstsein erkennen und so damit weitergehen. Oft geht es dann bei Punkt 3 weiter.

  1. Schattenarbeit – und mich selbst ganz annehmen

Immer wieder ist ein entspanntes und Kräfte erhaltendes Umgehen mit bestimmten Situationen nicht möglich, weil eingeschliffene Verhaltensweisen oder Denkmuster aus vergangenen Zeiten oder auch belastende Erfahrungen dazwischen funken. Hochsensible nehmen viel wahr und kommen so viel schneller in Situationen, die sie mit ihrem Schatten konfrontieren.

Manchmal kann ich den Grund alleine nicht erkennen. Dann brauche ich jemanden, der mich dabei begleitet. Auch hier gibt es viele Unterstützungsmöglichkeiten von guten Freunden bis zu Menschen, die dies beruflich anbieten. Für mich hat es sich als hilfreich erwiesen, wenn diese Menschen eine „integrale“ Sicht auf die Welt haben. Auch hat mich der positive Glaubenssatz „Ich bin völlig in Ordnung” oft gestresst, weil ich dann sofort perfekt sein wollte. Ich habe ihn dann erweitert in: „Ich bin völlig in Ordnung, so wie ich gerade jetzt bin auf meinem Weg.” So können sowohl mein Unterbewusstsein als auch mein klares Denken mitgehen und entspannen.

  1. Distanz und Nähe leben

Distanz wird oft als etwas Schlechtes verstanden, Nähe manchmal auch. Gesunde Distanz und Nähe empfindet jeder Mensch unterschiedlich und sie sind zudem situationsabhängig. Für Hochsensible ist es besonders wichtig, diese Bedürfnisse zu erkennen und ihnen Raum zu verschaffen.

Nähe kann entstehen, wenn beide sie wollen und auch zulassen können. Und bei einer gesunden Distanz kann ich aus einer Beziehung heraustreten, wenn das gerade gut und richtig für mich ist. Dann kann ich mich ohne Schuldgefühle dem widmen, was mich gerade interessiert, ob es ein Hobby, die Unterhaltung mit anderen Menschen oder etwas anderes ist. Ein Anhaltspunkt für „gesund“ kann sein, dass ich meine Energie halte und im günstigen Fall steigere. Wenn ich so wieder in die Nähe gehe – wenn ich es möchte – kann ich genährt wieder in Beziehung gehen und bringe etwas Belebendes ein.

Wenn mein Bedürfnis nach Distanz mit dem Nähebedürfnis meines Gegenübers kollidiert, kann ich mich erklären und mein Gegenüber anhören. Oft ist das möglich, aber manchmal stelle ich  fest, dass ich bei bestimmten Begegnungen dauerhaft Energie verliere. Wenn ich dann nichts finde, was ich bei mir wachstumsorientiert verändern kann oder mein Gegenüber bei sich verändern möchte, ist das für mich ein Grund, diese Beziehung zu beenden. Ein gutes Miteinander und sich Begegnen beinhaltet für mich einen Energiezuwachs, selbst wenn es um Themen geht, bei denen wir nicht der gleichen Meinung sind.

  1. In die Stille gehen

Mitten in all diesen vielen Eindrücken und Wahrnehmungen in die Stille gehen zu können und in die Anbindung mit etwas Größerem zu gehen, kann etwas Beruhigendes und Erdendes haben. Dies will geübt sein und braucht regelmäßige Praxis. Erfahrungsgemäß gelingt dies leichter in einem Feld von Meditation mit anderen Menschen als Gruppe.

  1. Spiral Dynamics

Spiral Dynamics halte ich aus verschiedenen Gründen für wichtig. Zum einen war es für mich als Hochsensible wichtig zu erkennen, dass ich in einigen Entwicklungslinien zwar schon viel erreicht hatte, in anderen Bereichen aber noch entwicklungsfähig war. Durch dieses nach außen hin ungleichmäßige energetische Erscheinungsbild war ich für einige meiner Gegenüber wahrscheinlich schwer einschätzbar, was dann möglicherweise zu einer Fehlinterpretationen geführt hat. Zum anderen möchten die Empathiker ihr Wissen gerne weitergeben, denn sie wollen, dass es den anderen gut geht. Das kann aber schiefgehen. Menschen haben unterschiedliche Welt- oder Glaubensbilder und wenn wir etwas sagen, was da nicht hineinpasst, erhalten wir nicht selten eine prompte Ablehnung.

Orientieren wir uns an den Bedürfnissen und den Lebenseinstellungen unseres Gegenübers und sprechen in der dazu passenden Sprache und Gedankenwelt, ist die Wahrscheinlichkeit, willkommen zu sein, viel größer. Als Hochsensible sollte uns das möglich sein, wenn wir das entsprechende Werkzeug dazu haben.

Hier sind die Spiral Dynamics eine gute Landkarte, um ein besseres Verständnis zu entwickeln. Für viele Hochsensible ist es ein Meilenstein, zu hören, dass es andere Hochsensible gibt und man nicht „unnormal” ist. Die Spiral Dynamics haben bei mir ein ähnliches Aha!-Erlebnis ausgelöst, weil ich auf einmal verstand, warum bestimmte Situationen genau so verlaufen sind. Und ich konnte besser erkennen, was mein Anteil und was fremde Anteile sind – und was ich an mir und meinem Umgang mit meinen Mitmenschen und meiner Umwelt bisher noch nicht entwickelt hatte. 
Eine Beschreibung der Spiral Dynamics finden Sie u.a. HIER.

  1. Übungssettings

Als Empathiker verfügen wir über viele Fähigkeiten. Ohne Rückmeldungen durch andere Menschen erkennen wir unsere Fähigkeiten nicht immer als Qualität oder überschätzen uns. Immer wieder nutze ich die Gelegenheit, wenn ich andere Menschen mit besonderen Fähigkeiten treffe, mich mit diesen über meine Wahrnehmungen auszutauschen. Auch wenn der eine „sieht” und der andere „hört” und der Dritte noch anders „wahrnimmt”, gibt es bei gesundem Erkennen gleiche Erkenntnisse. Das stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. In Übungssettings kann geübt werden, die eigenen Wahrnehmungen in einer Form auszudrücken, mit der das Gegenüber umgehen kann. Sie sind also ein Realitätscheck.

Ob hochsensibel oder nicht: Jeder hat die eine oder andere Begabung mehr oder weniger entwickelt und kann sich anschauen, wo er oder sie Entwicklungsmöglichkeiten hat. Für Hochsensible, die ausschließlich auf der Sinneswahrnehmungsebene leicht überflutet sind, halte ich die Punkte 1 und 2 (Körper- und Raumwahrnehmungsfähigkeiten) sowie 4 (Distanz und Nähe) für das Wichtigste. Als Hochsensible und zusätzliche Empathikerin waren und sind für mich alle sieben Punkte für ein kraftvolles und erfülltes Leben wichtig. Lasst uns unsere Talente in die Welt bringen.

 

1) Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Zur Empathie gehört auch die Reaktion auf die Gefühle Anderer wie zum Beispiel Mitleid, Trauer, Schmerz oder Hilfsimpuls. Grundlage der Empathie ist die Selbstwahrnehmung; je offener man für seine eigenen Emotionen ist, desto besser kann man die Gefühle anderer deuten. Empathie spielt in vielen Wissenschaften eine fundamentale Rolle, von der Kriminalistik über die Politikwissenschaft, Psychotherapie, Psychologie, Physiologie, Pädagogik, Philosophie, Sprachwissenschaft, Medizin und Psychiatrie bis hin zum Management oder Marketing. (Quelle: Wikipedia)

 

Termine in Berlin und demnächst in Falkensee

Über den Autor

Avatar of Ullaa Dieker

16 Jahre Erfahrung als Heilpraktikerin und Leiterin von Seminaren zu vielen Lebensthemen. 
Als Hochsensible und hochbegabte Empathikerin bietet sie Einzelarbeit und Gruppen zum Thema Hochsensibilität an. Mit ihrer 20jährigen Tätigkeit/Personalführung in einem großen Konzern, ihrem siebenmonatigem Arbeitsaufenthalt in einer großen Gemeinschaft und ihrer Arbeit als Heilpraktikerin verfügt sie über viel Erfahrung und ein fundiertes Wissen, das sie bei der Entwicklung und Leitung ihres Workshops „Spiral Dynamics in meiner, deiner und unserer Welt“ einbringt.
Angebote: Integrale Heilpraxis, Berlin und Falkensee. „Spiral Dynamics in meiner, deiner und unserer Welt“  November 2015, Infoabende im Oktober. Infoabende Hochsensibilität

Mehr Infos

0152 559 68 770
03322 12 15 585
www.facebook.com/ullaa.dieker

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