von Jeane Bridges

Beim Neujahrsspaziergang war es wieder so weit: Während ich ein wenig müde von der Silvesternacht bedächtig einen Fuß vor den anderen setzte, wurde ich von zwei sprintenden Joggern überholt. Kurze Zeit später kam mir eine weitere Joggerin entgegen. Aufrechter Körper, federnder Laufschritt, langgestreckter Hals, strahlende Augen und ein mildes Lächeln für mich.

Ich begegne ihnen immer am ersten Tag des Jahres – diesen Menschen, die ihren Vorsatz, mehr Sport zu treiben, im Januar sofort in die Tat umsetzen. Mein Körper ist an diesen Morgen meist schwer, Bewegung fällt mir nicht leicht. Und doch spüre auch ich ihn: den Ruf des Neubeginns.

Neubeginn ohne Vorsätze

Wenn die Tage nach der Wintersonnenwende wieder länger werden, öffnen sich meine Poren dem Licht entgegen. Wenn die ersten Knospen, versteckt unter Raureif, sprießen, liegt in der kalten Luft das Versprechen, dass ein neuer Anfang möglich ist. Das Alte vergeht und macht Platz für das Neue. Es ist ein Rhythmus, dem wir gerne Folge leisten.
Umfragen zufolge machen sich über ein Drittel der Deutschen Vorsätze fürs neue Jahr. Gesünder leben, nicht mehr rauchen, schlanker sein, gelassener reagieren, mehr Zeit mit den Liebsten verbringen, ein besserer Mensch werden. Für mich greift das Vorsätze-Machen, das auf Selbstoptimierung zielt, zu kurz. Eigentlich bin ich mit mir ganz zufrieden. Aber ich lebe in Beziehungen und Konstellationen, die ich gerne ändern würde. Ich möchte, dass mir Glück in den Schoß fällt, Liebe für mich vom Himmel regnet und die Welt ein besserer Ort für uns alle wird. Deshalb manifestiere ich.

Als ich das erste Mal vom Thema Manifestieren hörte, war ich Anfang zwanzig und unglücklich verliebt. Eine Freundin empfahl mir damals ein Buch, in dem es darum ging, mit der Kraft der eigenen Gedanken die Realität umzugestalten. Das erschien mir eine grandiose Möglichkeit, den jungen Mann, mit dem ich mir eine Beziehung wünschte, in mein Leben zu ziehen! Ich begann, mich intensiv mit meinen Gedanken über ihn und mich auseinanderzusetzen. Dabei stellte ich fest, dass es keine Liebe war, die ich für ihn empfand. Ich war nur in eine Abhängigkeit geraten. Mit dieser Erkenntnis konnte ich mich befreien. Was mir blieb, war ein starkes Interesse an Manifestation.

Manifestieren ohne Zweifel

Wenn ich darüber nachdenke, so fallen mir unzählige Situationen meines Lebens ein, in denen ich unbewusst manifestiert habe: Als Dreizehnjährige wollte ich unbedingt so feminine Daumen haben, wie eine Klassenkameradin von mir. Ich formulierte den Wunsch: Auch meine Daumen sollen eine Taille haben. Und siehe da: Ein paar Wochen später entwickelten sich aus meinen Kinderfingern Damendaumen. Natürlich kann man bei diesem Beispiel kritisch anmerken, dass ich vielleicht auch derartige Daumen bekommen hätte, wenn ich es nicht gewünscht hätte. Aber es gibt auch Ereignisse in meiner Biografie, die sich schwer als Zufall bezeichnen lassen.

Vor ein paar Jahren lag ich eines Abends im Bett, als mich ein sehr klarer, fordernder Gedanke überkam: Ich will jetzt mehr Geld. Es war kein Hoffen auf Reichtum. Ich war auch nicht in einer Notsituation oder verzweifelt. Es war ein tiefes Gefühl, die plötzlich aufkeimende Überzeugung, dass ich mehr Geld, als ich zurzeit einnahm, verdiente. In dieser Nacht gönnte ich mir von ganzem Herzen, wohlhabend zu sein. Am nächsten Tag dachte ich nicht mehr darüber nach.
Aber zehn Tage später kam mir das Ereignis wieder in den Sinn, als ich einen Brief mit einem Testament zu meinen Gunsten erhielt. Eine Großtante von mir, die sechzehn Jahre in einem Wachkoma gelegen hatte, war verstorben und vermachte mir eine recht hohe Summe ihrer Ersparnisse. Ich hatte eine bewusste Intention gesetzt, sie mit einem intensiven Gefühl aufgeladen und das Wichtigste: Zwischen dem Wunsch und mir standen keine Zweifel. Das ist manifestieren.

Freude an der Schöpferkraft

Inzwischen bin ich überzeugt davon, dass sich jeder Mensch durch sein gesamtes Leben manifestiert. Wir können nicht nicht manifestieren. Alles, was uns widerfährt, ist die Summe unserer Gedanken. Da diese Gedanken leider oftmals kritisch, selbstsabotierend und von Ängsten besetzt sind, legen wir unserem Glück Steine in den Weg, ohne es zu bemerken. Sobald wir bereit sind, unsere Gedanken und Gefühle zu beobachten, sind wir in der Lage, bewusste Intentionen zu setzen.

Die Arbeit an den eigenen Glaubenssätzen ist anstrengend, aber wertvoll. Ich habe auf diese Weise gelernt, Gutes in mein Leben zu ziehen, offen für positive Wendungen zu sein und Wünsche ans Universum zu senden, die sich realisieren, sobald ich bereit dazu bin. Auf eins kann ich mich immer wieder verlassen: Wenn sich ein Wunsch für mich selbstverständlich und gut anfühlt, wenn er einen angenehmen Platz in meiner Vorstellung ausfüllt, ohne dabei eine Enge zu erzeugen, dann bin ich ihm gewachsen und er wird sehr bald in meiner Realität in Erscheinung treten.

Der Anfang eines Jahres ist für mich eine besonders schöne Zeit, um zu manifestieren. Mit der Energie des zunehmenden Lichts steigt in mir die Freude an der eigenen Schöpferkraft. Während ich einen langen Spaziergang an der Promenade mache, die kühle Luft einatme und der Sonne entgegen blinzle, stelle ich mir vor, wie mein Leben noch schöner wird. Ich bin dankbar für alles, was ich in diesem Moment bin, habe und teilen darf. Und ich bin empfangsbereit für die eine Nachricht, die mich zum Strahlen bringt.

 

Buchtipp

Der Wunsch. In sechs Schritten Liebe, Glück und Fülle manifestieren
Jeane Bridges
Herausgeber ‏ : ‎ tolino media
Erscheinungstermin ‏ : ‎ 13. November 2025
Sprache ‏ : ‎ Deutsch
Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 212 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3750759293131
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3759293138
Abmessungen ‏ : ‎ 14.8 x 1.4 x 21 cm

 

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