Viele Eberswalder/innen fragten sich, was im ehemaligen Outdoorladen in der Puschkinstraße 15 in Eberswalde passiert. Einen ersten Eindruck bekamen Passanten durch die liebevoll gestalteten Blumenkästen und die zahlreichen Poster und Flyer in den Schaufenstern. Nun hat mit der Thinkfarm in der der erste Coworking Space in Eberswalde offiziell eröffnet. Ein Artikel von Alexander Wenzel und Ingo Frost.

Coworking, zu deutsch „zusammen arbeiten“, ist eine Bürogemeinschaft für Freiberufler/ innen und junge Unternehmen. Sie können hier einen voll ausgestatteten Büroarbeitsplatz mit großem Schreibtisch, schnellem Internet, Telefonanschluss und Drucker mieten. Der Seminarbereich, ein Besprechungsraum und die Küche werden gemeinschaftlich genutzt. Das spart Geld und den Arbeitsaufwand, den die Neueinrichtung eines eigenen Büros mit sich bringen würde.

Neben den praktischen Vorteilen bietet die Thinkfarm Raum für Vernetzung, Unterstützung und Inspiration. Das Ziel der drei Gründer ist ein solidarisches, selbstorganisiertes miteinander Arbeiten, Teilen und Lernen. Hier sollen sich Menschen aus den unterschiedlichsten Disziplinen und Organisationsformen begegnen können, um kreative Ansätze für den gesellschaftlichen Wandel zu entwickeln.

Gemeinsam Ansätze für den großen Wandel entwickeln

Dass man gemeinsam mehr bewegen kann als allein, ist nichts Neues – und gilt vor allem für große und schwierige Projekte. An einem besonders großen, dem gesellschaftlichen Wandel, arbeiten deshalb seit 2013 in Berlin verschiedene Projekte und Initiativen gemeinsam unter einem Dach. In einer selbstorganisierten Bürogemeinschaft namens Thinkfarm. Seit letzter Woche gibt es solch eine „Coworking“-Möglichkeit nun auch in Eberswalde.

Die Thinkfarm wird von den Freiberuflern Madlen Haney, Sven Gumbrecht und Ingo Frost betrieben. Das Eberswalder Gründerteam beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit den Möglichkeiten zivilgesellschaftlicher Beteiligung sowie Bildungsarbeit in den Bereichen Umwelt, neue Medien und Sozialunternehmertum. So will das Trio  auch in Eberswalde Initiativen des sozial-ökologischen Wandels ein Zuhause geben. Interessierte können sich deshalb auch nicht einfach einkaufen, sondern müssen sich zuerst vorstellen. Ob das Projekt zur Thinkfarm passt, darüber berät dann die regelmäßig tagende NutzerInnenversammlung. Denn „wir treffen gemeinschaftlich Entscheidungen“, so Gumbrecht.

Bereits in 2012 haben sie mit Gleichgesinnten zum Thema Coworking eine Vernetzungsveranstaltung an der  Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung und einen Probearbeitstag im damaligen Freiraum organisiert. Als sich Anfang des Jahres die Gelegenheit eröffnete, einen Coworking Space zu gründen, zögerten die Drei nicht, ihre lang gereifte Idee in die Tat umzusetzen.

Und die meisten Eberswalder Arbeitsplätze sind auch schon vermietet, wie Sven Gumbrecht, einer der Initiatoren berichtet. Zumindest was die sogenannten Fixdesks betrifft. Denn InteressentInnen können in der Thinkfarm entweder einen festen und zu jeder Tageszeit zugänglichen oder flexiblen, mit anderen zu teilenden und in den Bürozeiten nutzbaren, Schreibtischplatz mieten. Und das inklusive Internet, Telefonanschluss und Drucker. Platz ist in den Räumlichkeiten in der Puschkinstraße für neun Fix- und acht Flexdesks. Seminarbereich, Besprechungsraum und Küche werden gemeinschaftlich genutzt.

Mit festen Arbeitsplätze sind in der Eberswalder Bürogemeinschaft schon das Klimaschutzprojekt Transition Thrive von hebewerk e.V. und wandelBar, die Inselwerke Energiegenossenschaft und verschiedene FreiberuflerInnen vertreten. Mit einem Projekt zur Regionalentwicklung habe außerdem die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Interesse bekundet, erzählt Gumbrecht. Und auch für Gruppentreffen können die Thinkfarm-Räumlichkeiten genutzt werden. Der ADFC hat zum Beispiel hier seine Regionalgruppe gegründet, eine Garteninitiative trifft sich regelmäßig.

Auch über die Region hinaus ist die Eberswalder Thinkfarm aktiv: Kooperationen bestehen mit den anderen beiden Thinkfarmen in Berlin und Kiel. Eberswalder MieterInnen können so je nach Verfügbarkeit auch im Berliner Gemeinschaftbüro arbeiten und andersherum Berliner in Eberswalde. Denn es gehe darum „Wissen zu teilen und auf neue Ideen zu kommen“, fasst Gumbrecht das Konzept dieses etwas anderen Coworking-Orts zusammen. Für die drei Gründer ist dieser Ort der ideale Nährboden für sinnstiftendes Handeln, hin zu einer sozial gerechten und ökologisch nachhaltigen Gesellschaft.

Dieser Artikel erschien in ähnlicher Form in der Online-Zeitung „Brandenburg im Wandel“ (ein Webprojekt für die öko-soziale Transformation in Brandenburg) sowie auf der Seite der Thinkfarm Eberswalde.

Beide Bilder: ©  Ingo Frost

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