von Heidi Jäger

Er ist ein sensibler Beobachter und versucht, hinter die Dinge zu schauen. Joachim Hildebrandt fühlt sich ein in die Träume seiner Mitmenschen: in die „ersehnte Empfindung“ der „Alten Frau“, in den Tänzer, der viel zu schnell seine Hüften schwingt beim „Karneval, traurig“. Und immer wieder befragt er sich selbst: nach dem Woher und dem Wohin, nach Neuanfängen, die immer möglich sind. Was ist Wirklichkeit? Was Illusion? Lässt sich beides überhaupt trennen? Der Autor begibt sich auf die Berg- und Talfahrt des Lebens, greift nach den Wolken – ohne den Halt zu verlieren. Und immer wieder kreuzt die Katze seinen Weg. Sie begleitet den einsamen Wanderer durch die Nacht.

Die Fallhöhe ist groß. Joachim Hildebrandt versammelt in seinem Gedichtband „Offene Verabredung“ unspektakuläre und doppelbödige Beobachtungen der Natur, mehr oder weniger tiefgründige Oden auf die Liebe und bewegende Reflektionen auf den Krieg. In „Gaschda“ erzählt er mit schlichten einfühlsamen Worten über den Tod eines Soldaten, erst Anfang 20, dem in Tschetschenien Arm und Bein weggerissen werden. „Kurz vor Mitternacht,/sieht sein Kamerad/das fahle Gesicht/des Soldaten/leichenblass. Eine Haarsträhne/mit Todesschweiß/hängt ihm im Gesicht.“ Der Potsdamer Schriftsteller durchwandert die Straßen von Kalkutta, sieht in der indischen Großstadt den Bettlern zu, wie sie auf der Straße lagern: „an der Tankstelle lugen große und kleine Köpfe aus Decken hervor, darunter ein Kinderkopf“.

Von stimmungsvoller Dichte sind die Illustrationen Mohsin Zaidis, die die Gedanken des Lyrikers aufgreifen und weitertreiben. Der in Indien geborene Künstler, der in Berlin-Weißensee Malerei studierte, bringt mit seinen Schwarz-Weiß-Zeichnungen eine zusätzliche Klangfarbe in das grüne Büchlein mit seinen scheinbaren Belanglosigkeiten und tief empfundenen Wahrheiten.

ISBN 978-3-928832-41-0 Preis: EUR 12,-

Quelle: Postdamer Neueste Nachrichten vom 23.8.2012