von Caroline Raasch

Pflanzen verbinden alles; sie sind nicht gespalten, sie sind heil,4 das heißt heilig und deshalb wohnt so viel heilende Kraft in ihnen – auf körperlicher wie auf seelischer Ebene. Sie heilen Wunden, Hautausschläge oder Entzündungen genauso wie sie uns bei quälenden Emotionen unterstützen können, das Fehlende wieder besser zu integrieren, die geistige Anbindung zu stabilisieren. Pflanzen sind nicht nur geistige Wesen, sie sind auch geistige Nahrung. Ohne, dass man damals die biologischen und chemischen Zusammenhänge zwischen Mensch und Pflanze kannte, wusste man es intuitiv. Deshalb waren achtungsvolle Rituale, bevor man eine Pflanze erntete, ein Selbstverständnis. Ebenso selbstverständlich hat man dafür nie Eisen benutzt, denn man wusste instinktiv, dass Eisen energetisch der größte Feind der Pflanze ist, weil man damit ihre kosmische Energie schwächt.

Ihre Wirkungsweise hat man sich früher auf beobachtende und spirituelle Art erfahrbar gemacht. Die Menschen haben in diesem Bereich aber auch viel von den Tieren gelernt, da Tiere Heilkräuter immer instinktiv gefressen oder gemieden haben, beides manchmal nur zu bestimmten Zeiten. Die Instinkte der Menschen waren durch ein deutlich naturnaheres Leben und weniger äußerer Ablenkung als heute im Zeitalter des Internets viel mehr ausgeprägt, vielleicht sogar an einem Höhepunkt. Man vertraute der Intuition und hatte Achtung vor allen göttlichen Wesen. In ganz früher Zeit waren es meist die erfahrenen Schamanen, die sich, oft in tranceartigen Zuständen, mit der Pflanzenseele verbunden haben, um diese zu erfassen oder sie taten das, bevor sie sie ernteten, um sie für Heilzwecke zu nutzen.

Heilpflanzen im Wandel der Zeit

Um die Tiefe der Möglichkeiten in der Kräuterheilkunde wissen heute viel zu wenige und von der herrschenden Medizin wird sie teilweise belächelt. Wir dürfen uns an der Stelle einmal bewusst machen, wie viel Erfahrung die Menschheit, die 3 Millionen Jahre als Jäger und Sammler unterwegs war, mit Heilkräutern hat! Bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. gab es Steintafeln, in denen die Namen verschiedener Heilpflanzen geritzt waren und auch bei ägyptischen Priestern (um 2400 v. Chr.)5 fand man lange Auflistungen unterschiedlicher Heilpflanzen. In der Neuzeit waren es dann meist die naturkundigen Hexen, was im Ursprung nichts anderes bedeutet als „Heckensitzerin“, die das Wissen der Kräuter (er)kannten und weitergaben, ebenso wie die früheren Ärzte von der Antike bis zur Renaissance vor allem Kräuterheiler waren. Es wäre so wichtig, dass all das alte Heilwissen nicht in Vergessenheit gerät und es wäre nur angemessen, dieses Gebiet mit allen Zusammenhängen zur Pflicht in jeder medizinischen Ausbildung zu machen.

Es sind vor allem die einfachen wilden Heilkräuter, die schon immer unter den Hecken oder heute oft am Straßenrand wachsen, die am wichtigsten und am widerstandsfähigsten sind. Sie wachsen für uns vor unserer Haustür und das sind die Pflanzen, die die meisten heute für Unkraut halten und in ihren Gärten viel Zeit investieren, um sie wieder loszuwerden. Für viele Kleingärtner sind Brennnesseln im Garten schon etwas, das nicht sein darf, dabei gäbe es ohne Brennnesseln noch viel weniger Schmetterlinge. Mit dem Giersch, der wertvollen, wohlschmeckenden und  mineralstoffhaltigen Nierenpflanze, darf man den meisten gar nicht kommen. Sie erleben diese (Un)Kräuter oft als unzerstörbar und genau diese Energie haben sie auch. Sie haben sich seit Millionen von Jahren mit den auf der Erde vorhandenen Viren, Bakterien und Pilzen auseinandergesetzt und sich angepasst, wo es notwendig war. Sie haben allen Wandel überlebt und diese Informationen tragen sie als Heilkraft in sich.

Der Irrsinn der frühmittelalterlichen Kirchenväter, die die einheimischen Heilkräuter verdammt haben – das alte Kräuterwissen wurde erst durch Hildegard von Bingen wiederbelebt – und nur biotopfremde, „harmlose“ mediterrane Kräuter in den Klostergärten duldeten, geht heute im Grunde genauso weiter. (….)

Es gibt enorm viele Beispiele für Verbote von Naturheilmitteln in allen Bereichen. Das absurdeste scheint mir der „Brennessel-Krieg“7 in Frankreich. Von September 2002 bis April 2011 war der Verkauf von Brennesseljauche in Frankreich in der Landwirtschaft nicht mehr erlaubt.

Das heißt, dort war ein Düngen und Gießen der Gartenpflanzen mit natürlichen Stoffen verboten, die Ausbringung von Pestiziden jedoch erlaubt. Diese Entwicklung geschieht schon seit vielen Jahren schleichend im Hintergrund8 und viele Naturheilmittelhersteller mussten – und müssen immer wieder – diverse pflanzliche Bestandteile aus ihren Arzneimitteln entfernen.9

 

Wie man Wissen schafft – damals und heute

Das Problem ist vor allem folgendes: Je mehr der Mensch an der Schulmedizin scheitert und merkt, dass einige handelsübliche Medikamente ihn eher kränker machen anstatt gesünder, desto mehr sucht er den Weg in alternative Heilkunde, meist ist es anfangs die Kräutermedizin. Auf diesen alternativen Wegen wird der Mensch schon dadurch eigenständiger, weil er begreift, dass Körper, Seele und Geist behandelt werden müssen.

Wir fühlen uns heute umso fortschrittlicher, je gründlicher wir auch Pflanzen in ihre Einzelteile zerlegen, die Funktionsweise des Wachstums biologisch schlüssig nachvollziehen können oder die Zusammensetzung des Pflanzensafts in Wirkstoffe nach brauchbar und unbrauchbar unterteilen. Dann extrahiert man einzelne Wirkstoffe, weil wir die anderen für nicht relevant oder schädlich halten, und stellen diese am Ende noch synthetisch her.

Aber selbst, wenn der extrahierte „gute“ Wirkstoff, den wir zu uns nehmen, der dann in der Regel in der Konzentration um ein Vielfaches höher ist, als wir es je mit der reinen Pflanze erreichen könnten, wird das Mittel nie die Wirkung erzielen, wie es nur die gesamte Pflanze kann – denn das Wichtigste kommt hier nicht mehr vor und das ist der Geist der Pflanze. Es ist das, was sie in ihrer Gesamtheit ausmacht und sich durch ihr Wesen, ihre Vorlieben und Abneigungen sowie ihre Physiognomie mitteilt.

Nehmen wir den unkaputtbaren Giersch. Er gehört zum ersten Grün, das jedes Jahr machtvoll aus der Erde treibt, der an jeder Stelle unerschütterlich wächst, nahezu alles überwuchert, wenn man ihn nicht erntet und Menschen, gerade im Frühjahr, viel Kraft gibt. Ein Löwenzahn hat wiederum die Fähigkeit, sich groß und klein zu machen. Er kann 10 cm oder einen halben Meter groß werden – und das hat nichts mit dem Nährstoffgehalt des jeweiligen Bodens zu tun – er passt sich seiner Umgebung an. Interessanterweise stärkt er vor allem die Leber, die im gesunden Zustand dafür steht, sich nicht mehr immer anzupassen und auch mal angemessene Wut zuzulassen. Oder eine Zitronenmelisse, die dankbar und zart im leichten Schatten eines anderen wächst und Menschen hilft, ihr inneres Licht wiederzuentdecken und aus dem Schatten hervorzutreten.

Wo kommt das vor in den ganzen wissenschaftlichen Analysen? Hildegard von Bingen und andere kräuterkundige Menschen haben das und vieles mehr ohne Forschung gewusst. Es ist erstaunlich, was gerade Hildegard von Bingen alles wusste – sie hat kaum geirrt – außer vielleicht in dem Punkt, dass wir keine Nachtschattengewächse essen sollen und uns die Feige nicht zuträglich sei, weil sie uns lüstern mache. Sie war eben doch Nonne.

 

Der Geist der Pflanze

Unter dem Mikroskop oder im Labor können wir immer nur den materiellen Teil untersuchen, der Rest bleibt uns verschlossen. Nicht, dass ich Forschung ablehne, es ist wunderbar, was man heute alles weiß. Das Problem ist hier nur das gleiche wie an vielen anderen Stellen. Es sind Einzelteile. Wir reißen ein Ganzes auseinander und nehmen gar nicht wahr, dass wir damit auch den Geist, die Heilkraft der Pflanze zerteilen und sie dadurch deutlich mindern. Wer selber das Glück hat, in der Natur zu leben oder Heilkräuter aus dem eigenen Garten anwendet, wird den Unterschied sehr genau kennen. Es ist wie mit allem, was man einem größeren Zusammenhang entnimmt, am Ende kann man mit dem, was da übrigbleibt, nicht mehr so viel anfangen. Das Erforschte wäre um so vieles wertvoller im Zusammenhang mit dem, was auf der tieferen Ebene erkennbar ist, mit altem gewachsenen Wissen, wüsste man es zu integrieren. Heilwirkungen geschehen stets in beide Richtungen – einmal durchaus über die wirkenden Inhaltsstoffe, aber vor allem auch über das Prinzip der Ähnlichkeit.

Erst wenn ich die Eigenart einer Pflanze durchdrungen habe, erschließt sich mir das Heilmittel ganz. Oft kennen wir die Pflanzen gar nicht mehr, die wir zubereitet in den Apotheken kaufen können. Eine Pflanze zu verstehen ähnelt dem Prozess, einen Menschen in allen möglichen Lebenslagen gut kennenzulernen. Wir müssen ihr Erscheinungsbild studieren, sie beobachten, wie sie sich in den wechselnden Jahreszeiten und an verschiedenen Standorten und Wetterbedingungen verändert und verhält.

Die Pflanzen, die wir brauchen, wachsen meist in unserer Nähe, da wir mit ihnen ein energetisches Feld teilen – und das auch nicht zufällig. Wenn wir beispielsweise ein Grundstück neu übernehmen, darf man staunen, wie Teile der Vegetation sich langsam und beinahe unmerklich wandeln werden. Sie passt sich an vielen Stellen unserem Sein regelrecht an.

Pflanzen sind Seelenwesen und sie sind intelligent. Sie können kommunizieren, nehmen Lichtqualität und -stärke wahr und sind lernfähig.10 Das bedeutet, sie erinnern sich und können offenbar auch riechen, da sie über Duftstoffe kommunizieren. Pflanzen sind vor allem über die vielen Pilze in der Erde über sehr große Entfernungen miteinander verbunden. Das Myzel (die feinen Wurzelfäden) der Pilze funktioniert fast wie ein Nachrichtennetz, welches unterirdisch alles verbindet und die Informationen weitergibt, wo etwas fehlt. Im Grunde ist dieser riesige vernetzte Wurzelbereich das unterirdische Gehirn der Pflanzen. Sie führen ein regelrechtes Sozialleben – sie warnen sich untereinander vor Gefahren, es gibt Nachbarn, die sich beflügeln in ihrem Wachstum und andere, die sich das Leben gegenseitig schwer machen, meist dort, wo der Mensch eingegriffen hat. Pflanzen reagieren sogar auf Drogen11 und homöopathische Behandlungen und verfügen über hormonähnliche Substanzen. Ebenso hat man fast alle Neurotransmitter,12 die man bei Tieren und Menschen kennt, auch in ihnen gefunden, so zum Beispiel Acetylcholin, Melatonin oder Serotonin. Ob Pflanzen auch Schmerzen empfinden, das wissen wir nicht, aber sie reagieren auf positive und negative Schwingungen.

Wenn wir unsererseits mit den Pflanzen sprechen, wirkt sich das positiv aus. Ich bin sicher, dass viele von uns schon mal festgestellt haben, dass Pflanzen, die wir nicht mögen, bei uns nicht gut wachsen und da nützt auch der beste Kompost nichts. Der beste Dünger ist liebevolle Aufmerksamkeit und Dankbarkeit dafür, dass sie uns Freude bescheren mit ihrer Blütenpracht oder gar gute Nahrung oder Heilmittel sind. Es geht aber noch einen Schritt weiter: So wie sie uns geistige Nahrung sind, wirkt sich auch unsere geistige Entwicklung nährend auf die kosmischen Pflanzenwesen aus.13

 

Fußnoten:
4. Live Stream Vortrag „Die Seele der Natur“ mit Wolf-Dieter Storl am 8.7.2021 um 19:30h
5. Storl, „Kräuterkunde“, S. 36
6. Storl, „Einsichten und Weitblicke“, S. 200
7. https://www.legifrance.gouv.fr/jorf/id/JORFTEXT000023912654
8. Seit 2011 gibt es ein Gesetz, nach dem natürliche Heilmittel ihre Wirksamkeit auf die gleiche Weise nachweisen müssen wie chemische Präparate. Dass das nicht möglich ist, liegt auf der Hand. Weder haben kleine Betriebe die Gelder für solche Studien, noch lässt sich der Geist der Pflanze auf diese Weise belegen.
9. https://www.healthcaremarketing.eu/unternehmen/detail.php?rubric=
M%E4rkte&nr=23540&PHPSESSID=qiakslvfuc1o1bcr8t5mspm4k7
10. Bioterra 7/2015
11. https://tageswoche.ch/gesellschaft/pflanzen-haben-eine-art-unterirdisches-gehirn/
12. https://tageswoche.ch/gesellschaft/pflanzen-haben-eine-art-unterirdisches-gehirn/
13. lt. Wolf-Dieter Storl
14. Bioterra 7/20

 

Der Text ist ein Auszug aus „Wie aus Gott Google wurde“ – beginnend in den Mythen der Antike über die Astrologie und die Liebe bis hin zum Transhumanismus. Scheinbar ganz verschiedene Themen, die dennoch über einen roten Faden verbunden sind und uns den aktuellen  Umbruch in der Welt aus ganz anderer Sicht betrachten lassen. Und Mut machen.

Wie aus Gott Google wurde
Caroline Raasch
Erscheinungstermin ‏ : ‎ 11. Juni 2023
Sprache : ‎ Deutsch
Seitenzahl der Print-Ausgabe : ‎ 516 
ISBN-10 : ‎ 3347911814
ISBN-13 : ‎ 978-3347911819
caroline-raasch.de/Buch

 

Über den Autor

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Die Autorin Caroline Raasch arbeitet seit 1997 als Astrologin und Heilpraktikerin in eigener Praxis in Berlin-Lichterfelde. Sie war 10 Jahre Schülerin bei Wolfgang Döbereiner, dem Begründer der „Münchner Rhythmenlehre“ und dem sicher bedeutendsten Astrologen unserer Zeit. Er befreite die Astrologie von Aberglauben, Unterhaltung und unseriösen Voraussagen und füllte sie stattdessen mit tiefem Inhalt, indem er altes Wissen mit neuen Strukturen verband, die Homöopathie und vor allem die griechische, aber auch die biblische Mythologie in sein Deutungssystem mit einbezog.

Dieses Buch ist die Essenz einer langjährigen beratenden Arbeit in den Bereichen Psychologie, Homöopathie, Phytotherapie, Traumdeutung und Gesichterlesen – alles immer im Kontext und auf Basis dieser Astrologie.

Das Buch ist überall im Handel erhältlich als Hardcover, Softcover und als e-book.



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