von Iris Wetzig

Zuallererst möchten wir uns bedanken. Bei unseren Eltern. Für uns sind unsere Eltern eine lebendige Verbindung zur Quelle unseres Daseins. Und selbstverständlich danken wir allen Hütern, Gruppen, Helfern, die hier Grundlagen für unsere Siedlung mit erschaffen haben.

Ich bin in Sachsen geboren, in Mecklenburg aufgewachsen. Bis vor kurzem habe ich in Berlin gelebt. Seit diesem Jahr lebe ich in Grabow bei Blumenthal.
Ich sehe Menschen, die sich ungebraucht fühlen. Jugendliche stehen mittags an der Bushaltestelle mit Bier in der Hand. Mütter mit Telefonen ignorieren ihre schreienden Babys im Kinderwagen. Eltern ziehen ihre Kleinkinder hinter sich her, weil sie dem ungeheuren Zeitdruck des Alltags nicht gewachsen sind. Alte Menschen, die um Besuche aus der Familie betteln, scheinen überflüssig. Ich sehe Väter, die ihre Familienrollen nicht mehr kennen oder vergeblich suchen. Ich beobachte Menschen, die viel Trinken und Essen konsumieren und trotz allem hungrig bleiben und sich unvollkommen fühlen.

Felder werden mit Kunstdünger und Giften belastet und ohne Rücksicht ausgelaugt. Essen wird im Überfluss weggeworfen, Tiere werden massenhaft auf engstem Raum gehalten und als tägliche Nahrung geschlachtet. Küken werden geschreddert, weil sie männlich sind. Weltweit maßt sich der Mensch mit seinen technischen Entwicklungen die Ausbeutung unserer Mutter Erde an. Die Folgen der gewissenlosen Nutzung werden durch Medien heruntergespielt und dementiert. Der gesunde Menschenverstand wird mit zunehmend digitalen spektakulären Nebensächlichkeiten vollgestopft, abgelenkt und betäubt. Alles liegt am „System“. Viele Menschen fühlen sich machtlos, verantwortungslos und unsicher. Nur eins scheint sicher. Der Konsum. Konsum um jeden Preis. Ersatzbefriedigung rund um die Uhr.

Wir leben in einem Land mit Möglichkeiten. Wir – sind das System. Und im System gibt es Veränderungen. Wir können uns verändern. Wir können einen Raum schaffen, in dem wir in einem viel höheren Maße uns selbst bestimmen. In dem wir in einer ganz anderen, verantwortungsvollen Lebensweise mit dem umgehen, was uns unsere Erde schenkt. Wir können ein Beispiel geben, dass unser System nicht starr und in sich geschlossen ist. Wir gestalten unseren Lebensraum. Wir verbinden uns wieder mit unseren Wurzeln, mit unserer Familie und erschaffen neue, sinnerfüllte Gemeinschaften.

Ich hatte immer das Gefühl, dass es eine ganz einfache Lösung für unsere Probleme gibt. Ich reiste durch Europa, nach Amerika und Afrika und Asien. Und lauschte. Vor drei Jahren las ich die Anastasia-Buchreihe und fand darin den Schlüssel. Einen Ansatz. Ich wusste plötzlich, dass ich eine Siedlung im Sinne dieser Anastasia Buchreihe mitgründen werde.
Es ist eine Siedlung, in der ein einzelner Hof etwa 1 Hektar groß ist. Die Erbauer dieser Höfe werden sich nach und nach selbst versorgen. Hier auf der Karte sind einzelne Zellen zu sehen, aus denen unser Dorf bestehen könnte. Um einen Kern herum, der von jeder dieser kleineren Gemeinschaften selbst gestaltet wird, gibt es mehrere Familienlandsitze.

Natürlich wird es eine Weile dauern, bis sich diese Familienlandsitze selbst versorgen können. Wir selbst stehen vor dieser Herausforderung, und wissen, wie viel Pioniergeist es von jedem von uns braucht, um diesen Spagat auszubalancieren, aus dem, was heute in unserer Gesellschaft üblich ist und dem Leben der Selbstversorgung auf dem Familienlandsitz.

Sobald als möglich bauen wir mit unseren Kindern in der Mitte eine inspirierende Schule, die allen im Dorf Kurse ermöglicht und ein Zentrum unserer Kultur bildet. In ihr können wir unser Wissen und unsere Fähigkeiten weiter ausprägen. Wir können anerkannte Abschlüsse absolvieren. Unsere Schule wird so gut, dass sich die Menschen aus den umliegenden Dörfern und Städten um einen Platz bewerben. Das Schulleben gestaltet sich von einem Festtag zum nächsten. Diese Festtage sind unsere Meilensteine, bei denen jeder seine ganz eigenen Schätze zum Vorschein bringen kann. Hier bestehen wir und unsere Kinder Prüfungen. Es gibt Spiele und Wettstreit. Kinder halten Vorträge. Wir überraschen uns mit neuen Fertigkeiten.

In unserer Karte, die Markus Krause für 2513 entworfen hat – also für einen Zeitraum, der das Leben unserer Urururenkel betrifft, ist das Schloss der Ort für die Schule. Da es sich heute in einer anderen Nutzung befindet, könnten wir hier, in der Dorfstraße 28 ein erstes Schulgebäude errichten. Markus hat mehrere Häuser aus der Umgebung mit abgebaut und eingelagert, die nur darauf warten, liebevoll wieder errichtet zu werden. Diese Schule wird das Zentrum unserer vielen erfüllenden Festtage sein, an denen wir öffentlich kleine und große Entwicklungen würdigen, und uns an unserer eigenen schöpferischen Kraft freuen.

In meiner Vorstellung besteht jeder dieser Familienlandsitze aus einem Teich, in dem wir morgens baden können, einem Wald, einem wunderschönen Häuschen und einem prächtigen Garten. Wir verwenden Naturmaterial und entwickeln unser handwerkliches Geschick und unsere persönliche Art, zum Beispiel beim schnitzen oder sticken oder bemalen der Räume. Es gibt einen lebendigen Zaun aus Bäumen und Sträuchern, der uns mit Brennholz und Baumaterial versorgt und der gleichzeitig Tieren Nahrung, Nistplätze und Unterschlupf bietet.
Mit der Zeit gedeihen unsere Gärten und Obstwiesen und wir können uns rundum versorgen. Unsere Bodenqualität steigt durch Permakultur, effektive Mikroorganismen und Terra Preta.

Wir leben mit allen anderen Wesen in Harmonie. Unser Weitblick gilt insbesondere dem Wasser: Hier ist die Fluss- und Seenlandschaft zu sehen. Wir hoffen, dass uns Wasserkundige unterstützen werden, diese Landschaft nach und nach zu erschaffen – mit Tief- und Flachwasserzonen. In diesem Jahr werden erste Teiche in der Gemarkung Grabow wieder hergestellt oder neu erschaffen. Ein Agrar- und Umweltingenieur, Hermann Wiesing, plant und betreut diese ersten drei Wasserprojekte, die durch EU Fördertöpfe finanziert werden.

Für die Sicherung des Einkommens kommen verschiedene Wege in Frage. Es gibt Selbständige, die auf ihrem Familienlandsitz arbeiten. Ihre Unternehmen können sich zum Beispiel mit sauberer Energie, bestem Wasser, herausragendem Saatgut, sättigender Nahrung, Gesundheit, Bildung, herrlichen Kleidern und kunstvollen Werkzeugen befassen. Dann gibt es die Ursprünglichen, die ein einfaches Leben führen. Und es wird Pendler geben, die vor allem am Wochenende zu Hause sind.

Manche Familien integrieren behutsam ihre Großfamilie. Wenn ich in weite Zukunft schaue, gefällt mir der Gedanke, dass jeder, der möchte, zu einem Familienlandsitz gehört und sich einbringen kann. Überdies schreiben wir in einem Familienbuch auf, was für das Glücklichsein wichtig ist. Jede Familie kann solch ein Ahnenbuch führen.

Wie wir das alles schaffen können? Schritt für Schritt natürlich. Hauptsache wir gehen los.

Seit 2012 lade ich zu Anastasiatreffen ein. Markus und seine Freunde treffen sich unregelmäßig seit 2010 zu Arbeits- und Kulturwochenenden in Grabow. Das 1. Anastasiatreffen in Grabow ist gleichzeitig unsere erste gemeinsam organisierte
Veranstaltung. Wir werden weiterhin zu Treffen und Zeltlagern einladen. Dazu kommt das Anastasiafestival Deutschland, das ich zum ersten Mal im Oktober 2014 auf der Burg Ludwigstein in der Mitte von Deutschland veranstalte, um Menschen mit dem Wunsch nach einem natürlichen Leben miteinander zu verbinden, um Siedlungsprojekte miteinander bekannt zu machen, um Möglichkeiten der Familienlandsitzgestaltung auszubauen und die wedische Lebensweise zu stärken.

Der elementarste Schritt für unsere Siedlung ist der Landfreikauf. Wir haben am 4. Februar unseren Brief zum Landfreikauf verschickt und uns sehr über die Resonanz gefreut. Die Summe, die wir für den Freikauf dieser Flächen brauchen, beträgt 640 Tausend Euro und ein guter Teil davon ist schon zusammen gekommen.

Unabhängig von unseren Treffen und unserem Landfreikauf wünschen wir uns aktive Gruppen, die sich mit einzelnen Bausteinen beschäftigen: Urwald, Essen, Landfreikauf, Siedlungsplan. In der Urwaldgruppe braucht es am dringendsten Patenschaften für die Laubbäume Heisters. In der Gruppe Landfreikauf geht es um Stiftungen, GLS Bank und crowdfunding. Für das Crowdfunding wird gerade ein Film gedreht. Und es gibt schon viele Hinweise zu Stiftungen, die für unseren Landfreikauf in Frage kommen. Viele Menschen möchten den Aufbau der Schule Grabow voranbringen.

Der Hüter der Gruppe zeichnet sich durch Vertrauen, Kompetenz und Integrationskraft aus. Er verwaltet die Adressen und unterstützt die Koordination. Die Gruppen sind offen und jeder kann sich an- und abmelden, wie er möchte. Die Gruppen selbst bilden sich und lösen sich auf – je nach Bedarf. Informationen dazu gibt es auf der Netzseite www.iris-wetzig.de unter Anastasia / Partner / Gruppen.

Jeder von uns ist mit dem Besten ausgestattet, was der Kosmos zu bieten hat. Jeder von uns ist mächtig. Jeder von uns trägt eine große Verantwortung. Wir können einen natürlichen Weg gehen, unsere natürlichen Qualitäten entwickeln – die weit über unsere jetzige Kultur hinausgehen und in Harmonie mit allen anderen Wesen leben. Wir können ein glückliches und erfülltes Leben wählen. Ein Leben in natürlicher Ökonomie. In einer Dynamik, die uns leicht neue Möglichkeiten integrieren lässt – im Sinne vernünftigen Seins. Für unsere Kinder. Wir erschaffen einen Raum der Liebe und freuen uns.

Siedlung Grabow Brandenburg
Iris Wetzig & Markus Krause
aktuell 5 ha – 2 Personen * angestrebt 700 ha für 100 – 150 Familien
www.anastasiafestival-deutschland.de

Abb: ©  Iris Wetzig

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