Es ist bereits eine Weile her, als wiederholt in meinem Leben alles eintönig, unbefriedigend schien und ich beschloss für den Rest meiner Zeit einfach glücklich zu sein. Es funktionierte ziemlich genau fünf Minuten. Dann holte mich mit Wucht der Alltag wieder ein. Schwer zu sagen, ob es der an sich trübe Tag oder die Aussicht auf weitere reizlose Wochen, Monate, Jahre in einem Büro waren, die mich wieder zurückwarfen.

Das kann nicht sein, dachte ich mir. Ich wollte stark sein. Doch ich fühlte mich allein, mir fehlten Unterstützung, Anerkennung, innere Befriedigung. Ich war von Unruhe und Unzufriedenheit getrieben. Was konnte helfen? Essen hilft immer. Ich ging einkaufen, denn ein ausgeglichener Zustand hängt natürlich auch mit der Ernährung zusammen. So schlendere ich entlang der Regale im Supermarkt – und bin entsetzt. Vieles möchte mich verführen, ich habe Hunger. Aber können all diese abgepackten, äußerlich ansprechenden, gefühlt ewig haltbaren Produkte mein Leben wirklich erfüllter machen? Nichts erinnerte mich an meine Kindheit: frische, regionale, mit Liebe selbst erzeugte Produkte.

Ein Feuerwerk an Fragen in meinem Kopf: Welchen Weg beschreitet die Menschheit nur? Es wirkt offensichtlich verkehrt, sich von seiner Basis, der Natur zu entfernen, Essen und Einkauf als Event, als immer verfügbar anzusehen. Sehe nur ich das? Bemerkt niemand diese stetig ausufernde Fehlentwicklung und Unbewusstheit? Alles wird dem monetären Erfolg untergeordnet, aber bringt uns immer mehr Effizienz wirklich nach vorn?

Ich nehme schlussendlich einen Apfel. Er hat keinen Makel, wie übrigens alle in der Auslage. Fest, knackig, ansprechend. Ich spüre Vorfreude, eile zur Kasse. Bezahle, sage nicht einmal danke und trete hinaus an die frische Luft. Sehe Autos, eine betonierte Fläche, umherliegenden Müll neben dem Abfalleimer vor mir und – beiße genussvoll in den Apfel.

Der Wendepunkt

Er tat mir leid, als ich ihn in den Abfalleimer warf. Er schmeckte nach nichts. Ich hatte immer noch Hunger und zwar urplötzlich und unfassbar stark danach, zu leben. Ich sah in Gedanken große Persönlichkeiten vor mir. Menschen, die die Welt veränderten. Viele davon gingen zeitlebens sonderbare Wege, aber begeisterten durch ihre Taten und liebten ihr Sein. Ich wollte nicht mehr schlecht reden, mich bedauern, gedanklich das Negative festhalten. Ich hörte auf zu denken, zu bewerten, mitzulaufen. Ich verabschiedete mich von Fernseher und Tageszeitung, kündigte meinen Job. Ich machte mich auf die Suche nach der Wahrheit in mir selbst.

Doch bevor ich dieser nachging, erzählte mir der Apfel von eben seine Lebensgeschichte: „Ich komme von einem Apfelbaum, weder groß noch schön und auch erst acht Jahre alt. Um diesen Baum gibt es, soweit das Auge reicht, andere Bäume. Die sehen genauso aus. Einer will ertragreicher sein als der andere, um wenigstens ein wenig Liebe und Zuneigung von seinen Besitzern zu bekommen. Ich hatte viele Freunde, alles Äpfel. Oft kamen Menschen vorbei und sprühten bittere Flüssigkeiten. Viele hatten schlechte Laune. Sie waren verkleidet, aber nach Feiern sahen sie selten aus.

Eines Tages fühlte ich mich erwachsen. Ich war ansehnlich, aber nicht mehr oder weniger als meine Freunde um mich herum auch. Wieder kamen Menschen und rissen uns von den Bäumen. Der Baum wünschte mir alles Gute. Für ihn sei auch bald die Zeit gekommen zu gehen, meinte er. In ein oder zwei Jahren könne er nicht mehr so viele Äpfel versorgen wie jetzt. Dann reißen ihn seine Besitzer heraus und ersetzen ihn durch einen Neuen. Ich glaube, er durfte zeitlebens nie einfach Baum sein und wurde nie verstanden. Er hatte immer eine Funktion und einen Vorteil zu erfüllen.

Ich landete in einer großen Kiste und hatte das Gefühl, nur sorgsam behandelt zu werden, um mein Äußeres zu wahren. Auf dem weiten Weg vom Baum bis in deine Hand bin ich sehr oft angefasst worden, aber nie mit Hingabe und Wertschätzung.“

Die Kehrtwende nahm ihren Lauf

Schon komisch, dachte ich mir, dem Apfel geht es auf seine Weise ähnlich wie mir. Ich stellte mir lange die Frage, was mich im Leben bis hierher eigentlich wirklich erfüllt hat? Die Antwort war klar und fiel immer eindeutig auf die Natur, eine naturnahe Lebensweise und vor allem Apfelbäume zurück. So nahm eine Kehrtwende in meinem Leben ihren Lauf.

Jetzt stehe ich hier, inmitten der Natur auf einer grünen Wiese. An einem großen, mehr als 70 Jahre alten Apfelbaum einer Sorte, die man im Handel vergeblich sucht und weine. Ich weine – vor Glück. Das Verwerfen aller Sicherheiten, Öffnen meines Herzens, der Sprung ins scheinbare Nichts bewegte die Vorsehung. Ich durfte auf Hilfen und Erkenntnisse zugreifen und wünschte, viel mehr Menschen könnten diese erleben, hätten den Mut, solch eine Tiefe in ihrem Leben zu ergründen, wie ich sie heute erfahren darf.

Klarheit, Verbundenheit und tiefe Liebe tun sich auf

Die Sonne steht bereits tief und lässt den anmutigen Baum in einem besonderen Licht erstrahlen. Ich spüre seichte Luftzüge auf meiner Haut, höre das Rascheln der Blätter und den Gesang der Vögel. Das kürzlich gemähte Gras duftet nach Heu und die leuchtenden Äpfel stehen kurz vor der Reife. Ich lasse alles auf mich wirken und wieder tut sich eine unendliche Klarheit auf: wie wunderbar und vollkommen ist doch die Natur. Sie nimmt immer an und beschwert sich nie. Sie geht würdevoll ihren Weg, gewährt unablässig Chancen und baut stets auf eine lebenswerte Zukunft.

Ich sehe den Baum in seiner Vollkommenheit. Die perfekte Aststruktur, die ich im Laufe vieler Jahre durch Interaktion mit diesem Lebewesen herausarbeiten durfte. Ich spüre die Energieflüsse im Baum und seine wiedererstarkte Lebenskraft durch optimierte Bodenbedingungen. Nicht nur vom Besitzer, vielmehr vom Baum selbst erhalte ich Dankbarkeit. Ich nehme eine Verbundenheit und eine tiefe Liebe wahr, wie ich sie nie zu erwarten erhofft hatte. Ich bin heute ein Teil des großen Ganzen, erfahre nicht nur eine Ahnung von der großartigen Schöpfung Gottes, sondern bin ein untrennbarer Teil davon. Ich kann Sie spüren, berühren, darf Sie aufrichtig vervollkommnen und selbst Schöpfer sein.

Ich folgte meinem Herzen und begab mich in die Natur

Ich stehe hier und weine, weil diese Einsicht so unbeschreiblich tief erfüllt. Ich schmiss meinen Job, ohne eine Alternative zu haben. Ich folgte meinem Herzen, begab mich in die Natur. Nahm demütig Farben, Düfte, Jahreszeiten intensiver wahr als jemals zuvor. Vertraute darauf, dass sich alles fügen würde und blieb auch in der schwersten Zeit meines Lebens aufrichtig. Es geschahen Wunder.

Jede Begegnung mit der Natur, jeder Aufenthalt, jede Tätigkeit draußen und an Apfelbäumen eröffneten mir neue Erkenntnisse und Horizonte. Es offenbarten sich vage Ahnungen, denen ich vertraute und die sich in positiven Ergebnissen materialisierten. Eigene Fehler waren die größte Erfahrungsquelle und schreckten mich nicht ab. Vielmehr waren sie ein Antrieb noch mehr vom Leben zu erfahren und mich weiterzuentwickeln. Die Natur ließ mich diese Fehler machen, ohne sie mir vorzuhalten. Kann es einen aufrichtigeren Lehrmeister geben?

Ich darf das tun, was ich liebe

Heute darf ich als Apfelbaum-Fachmann und mit meinem Projekt Kernstück täglich in und mit der Natur arbeiten. Ich berate, pflanze und begleite junge Apfelbäume langfristig bis hin zu großen, anmutigen Wunderwerken der Natur und revitalisiere Altbestände nachhaltig. Dazu biete ich eine Rundumbetreuung von A-Z mit vollem Wissenstransfer – in dieser Form einzigartig. Ich nutze ausschließlich von mir gesammelte und aufbereitete naturnahe Materialien mit ihren vielfach vergessenen Eigenschaften. Ich darf das tun, was ich liebe, was mich erfüllt und meine vollen Erfahrungen an schöpferisch Suchende weitergeben.

Das Geheimnis der Natur

Oft werde ich nach meinen tiefsten Erkenntnissen gefragt. Es sind die kleinen Dinge. Auch ich bin heute noch ein Suchender und darf täglich dazulernen. Es ist wunderbar, nie vollkommen zu sein, sich täglich auszuprobieren und Fehler machen zu dürfen. Dazu ist das Leben da. Für einen Apfelbaum selbst ist eine ideale materielle Versorgung und Pflege kein Erfolgsgarant. Vielmehr scheinen Aufrichtigkeit, Liebe zum eigenen Tun, Empathie für die Bedürfnisse und eine positive Einstellung zum Apfelbaum ebenso wichtig für eine gesunde Entwicklung zu sein. Sich auf den Baum einlassen, ihn fühlen, spüren und dabei so unfassbar viel über sich selbst lernen zu dürfen, das eröffnet das Geheimnis der Natur.

Mit jeder Neupflanzung sehe ich einen Apfelbaum bereits in zehn bis zwanzig Jahren vor mir und fühle den Weg, den ich gemeinsam mit meinen Klienten und dem Baum beschreiten darf. Ich gehe heute stets positiv im Glauben voran an die mir offenbarten Fähigkeiten für die Bäume, diese großartige Erde und mich selbst.

Vollkommenheit und Weisheit der Natur und ihre Kräfte

Dieser uneingeschränkte Glaube an die Vollkommenheit der Natur, das Erfahren von nutzbaren Zusammenhängen, Selbstheilungskräften und Energien treibt mich an. Dass ich in dieser Form nur wenige Bäume begleiten kann und darf, hat natürlich seinen Preis – die Bäume jedoch dürfen es sich wert sein. Für mich und meine Klienten sind Erfahrungen, die aus dem Verstehen des eigenen Ahnenbaums, der inneren Leidenschaft und Liebe, die sich im Laufe der Zeit bei allen auftut, unbezahlbar.

Ich stehe hier und bin einfach Ich, tief ergriffen und voller Glück – den besten Lehrmeister von allen zu haben, mich täglich in der Natur zu bewegen, mit meiner Erfahrung das Leben von so vielen Suchenden und Familien um wundervolle Erfahrungen im Einklang mit der Natur bereichern zu dürfen. Danke für Alles was ich erfahren durfte, wundervolle Erde! Danke, für dieses erfüllende Leben und die Zeit, die noch vor mir liegt. Danke dafür, dass ich immer weiter vom großen Ganzen lernen, Fehler machen und meine Erfahrung und lichte Energie in Form von anmutigen und starken Apfelbäumen an so viele Menschen weitergeben darf.

Möge das Bewusstsein der Menschen für eine nachhaltige Lebensweise wieder wachsen. Mögen unsere Kinder und Kindeskinder in einer Welt leben, wie sie sich mir täglich offenbart: schöpferisch, vollkommen und voller Glück.

Über den Autor

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Apfelbaum-Fachmann und Wissens-Vermittler

Einen Apfelbaum zu pflanzen und zu pflegen ist eine Lebensaufgabe. Um sein volles Potential zu entfalten, bedarf es viel Wissen über ökologische Zusammenhänge und Naturgesetze, jedoch vor allem Zeit. Dieses Wissen gebe ich  weiter – während der Beratung zur passenden Sorte, beim Pflanzen des Baumes und bei der anschließenden Betreuung über viele Jahre. Es geht mir um das Verständnis für Gleichgewichte in der Natur und den Apfelbaum als Teil seiner Umwelt.

Kontakt
Marcel Schmidt
Jüterboger Str. 73A
14929 Treuenbrietzen
Tel: 0176-76 05 51 99


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