Der Potsdamer Journalist Joachim Hildebrandt führte im Januar 2011für sein-brandenburg ein Gespräch mit Ulrich Mohr und zwei seiner Patienten

Es gibt keine Krankheit, behauptet der Arzt Ulrich Mohr. Der konventionellen Medizin hat er den Rücken gekehrt und bietet heute eine „Ist-Begleitung“ an, die den Menschen befähigt, seine eigene Heilung in die Hand zu nehmen. Es geht dabei darum, ein Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung, eine mehr oder weniger „goldene Mitte“ zu erreichen, die der asiatischen Yin-Yang-Lehre nahe kommt. Welche Rolle spielt die Intuition, welche die eigene Individualität, um gesund zu bleiben oder mit einem bestehenden Konflikt zu leben, wenn man ihn nicht lösen kann?

Ulrich Mohr litt 17 Jahre lang an einer Neurodermitis am ganzen Körper. Dann hat er eine Spontanheilung innerhalb von kurzer Zeit selbst erlebt und bietet heute eine „Ist-Begleitung“ an, die den Menschen befähigt, seine eigene Heilung in die Hand zu nehmen. Er hat als Arzt vierzehn Jahre lang unter anderem beim Militär klassische schulmedizinische Therapie durchgeführt und spricht über seine damals angeblich unheilbare Hauterkrankung.

Ulrich Mohr: „Das hat mich auch während des Studiums angestachelt, mich mit alternativen Heilverfahren zu befassen. Nachdem mir weder die Schul- noch die Alternativmedizin helfen konnte, habe ich angefangen, Eigenversuche zu machen. Die sind alle gescheitert. Dann habe ich die erstaunliche Erfahrung gemacht, und das hat mein berufliches und mein gesamtes Weltbild neu geordnet, dass nach 17 Jahren innerhalb von 48 Stunden diese Erkrankung, die ich wirklich von Kopf bis Fuß hatte und viele Jahre Kortison brauchte, sang- und klanglos verschwunden ist.“

Ulrich Mohr hat wichtige Einsichten in die Zusammenhänge von Krankheit und Gesundheit, in die Mechanismen von Störungen der normalen Funktionen eines Körperorgans gewinnen können. Dabei hat er das „simplonische“ Denken entwickelt. Mit Simplonik meint Mohr ein Verhalten, dass das Komplizierte auf das Einfache reduziert, um die polaren Kräfte und Gesetzmäßigkeiten zu entdecken, die alles steuern.

Bernd Koblé und Katharina Roden geben zu verstehen, dass sie mit einer Unsicherheit und einer kritisch-vorsichtigen Einstellung zu Ulrich Mohr gefahren sind. Sie wollten es einfach versuchen, im Gespräch miteinander einen Weg zu finden. Sie deuten das an, dass es ihnen nicht leicht fiel, sich auf ein neues Verfahren einzulassen. Geholfen hat ihnen letztlich, dass sie keine Regeln zu befolgen hatten, sondern lediglich Empfehlungen bekommen haben.

Bernd Koblé: „Es geht eigentlich darum zu erkennen, welche Konflikte ich mit mir selber herumtrage, die mir vielleicht Angst machen, und wie ich sie löse. Wenn ich eine gewisse Leere in mir habe, die ich nicht aushalten kann, dann gehe ich auch mal an den Kühlschrank oder esse auch mal was, von dem ich sogar fühle, dass es ungesund ist, um die Dinge ruhig zu stellen. Ich glaube, das ist etwas, was man sich zwar geistig erarbeiten kann, aber wo man ein Gegenüber braucht. Wie Paracelsus sagt: Fünf Freunde brauchst du und dann brauchst du keinen Arzt.“

Was versteht Ulrich Mohr eigentlich unter Krankheit? „Ich sehe jetzt den Begriff Krankheit als ein gestörtes Wechselspiel zwischen Anspannung und Entspannung, also zwischen Aktivität und Regeneration. Das wäre der Nährboden, auf dem Krankheit entsteht. Dadurch, dass ich einseitig in eine Verkrampfung, in eine Verspannung komme, weil ich nicht mir gemäß optimal mein Leben gestalte.
Die spezifische Aussage an der Krankheit ist im Grunde genommen eine Bildersprache, die gerade im Deutschen sehr deutlich ist. Beispielsweise dass jemand eine schwere Last zu tragen hat und tatsächlich wie mit einem Buckel, als wenn er einen schweren Sack auf dem Rücken hat, läuft, oder dass man gelb wird von Neid. Es gibt unglaublich viele Bilder, die zeigen, wo die Optimierung zu vollziehen ist, damit dieses Signal, wie eine Ölstandskontrollleuchte im Auto, erlöschen kann, um anschließend in Gesundheit auf einem höheren Niveau weiterzugehen.“

Joachim Hildebrandt : „Es gibt eine Phase, in der ein Körper nicht mehr richtig entspannen kann, selbst mit Hilfe von Medikamenten nicht. Trotzdem fühlt man sich wohlauf. Weil man immer bereit sein muss, auf eine bedrohlich empfundene Situation im Beruf, in der Familie oder in den sozialen Beziehungen zu reagieren. Durch Ausschüttung von Adrenalin wird ja die Fähigkeit für sofortige Flucht oder die Bereitschaft zum Kampf, zur Auseinandersetzung mit einem vermeintlichen Feind, aufrechterhalten.“

Ulrich Mohr: „Was mir als interessanter Aspekt dabei einfällt, ist die Tatsache: Es hängt immer von der individuellen Reaktionslage ab. Je nach Konstitution reagiert der eine mit seiner Leber und der andere reagiert mit seinen Atemwegen.“

Joachim Hildebrandt : „Mir fällt in diesem Zusammenhang eine Pendeluhr ein. Wenn sie nicht richtig eingestellt ist, geht sie entweder vor, also zu schnell, und dann stimmt die Zeit nicht, oder sie geht zu langsam. Sie muss ins Gleichgewicht kommen, damit wir die richtige Zeit sehen.“
Ulrich Mohr: „Die Pendeluhr ist ein schönes Bild. Denn es wird immer wieder von der „goldenen Mitte“ gesprochen. Das ist aber ein Gleichstand, der mit dem Leben nicht vereinbar ist. Was natürlich ist, ist die Schwingung. Wenn dieses ausgewogene Pendeln funktioniert, ist das ein Garant für Gesundheit. Das ist für mich auch eine Erkenntnis aus der Betreuung dieser Extremausbildung. Man kann einen Tag, der angefüllt ist mit vielen Aufgaben, unter Umständen mit vielen sehr herausfordernden Aufgaben, entspannt durchleben, wenn man es schafft, in dieser Geisteshaltung zu bleiben, in der das schwingen kann.“

Bernd Koblé: „Heilung kann man als solche beschreiben, wenn es um den Ausgleich von Energien geht. Dann ist aber auch Krankheit und Heilung nicht irgendein ominöses Wort, sondern einfach nur eine Beschreibung für aus dem Fluss kommen für Krankheit und wieder in den Fluss kommen für Heilung. Ich glaube, wenn wir unserer Kreativität, unserer inneren Stimme, unserer Intuition, unserem Bauchgefühl, unserem ersten Impuls, folgen, ohne uns geistig oder moralisch zurückzunehmen, dann sind wir am Lebensfluss, dann werden wir wie die Kinder, wenn wir nicht von der Gesellschaft sanktioniert werden.“

Bei einem Seminar in Berlin mit vielen Interessierten, die von Ulrich Mohr wissen wollen, wie man mit einfachen Mitteln gesund werden kann, tauchen immer wieder begründete Bedenken, ein Für und Wider zu seiner „Ist-Begleitung“ auf. Wir sind überrascht, als Ulrich Mohr verschnupft ankommt. Da zeigt sich, dass er auch anfällig für Krankheiten ist. Er sagt, er nehme keine Medikamente dagegen ein, erwähnt aber ausführlich das Mineraliendefizit des heutigen modernen Menschen, und wie man es beheben könne.

Ulrich Mohr: „Ich habe das Stoffwechselrenaturierung genannt. Das ist jetzt, so wie ich vorgehe, ein mehrwöchiges Programm, in dem man in Abstimmung auf die individuelle Situation, nach einer klaren Zeitstruktur, bestimmte Lebensmittel miteinander kombiniert und dann erstaunlicherweise durch das, was ja Hippokrates schon gesagt hat, durch Lebensmittel tatsächlich gesunden kann.“

Intuition und Inspiration sind im Heilungsprozess von großer Bedeutung. Die Intuition spielt
für jeden Menschen eine wichtige Rolle. Ulrich Mohr: „Die entscheidende, würde ich sagen. Wir leben ja in einer Welt der Patentrezepte. Das ist ja ein ständiges Gerangel um die beste Therapie, die beste Diät, den besten Lebensweg, die richtige Art zu gehen und zu atmen. Wir werden überschüttet jeden Tag mit Patentrezepten. Die Realität ist, wenn man die Naturgesetzlichkeiten, nach denen gesundes Leben funktioniert, genau betrachtet, dann zeigt sich, dass das absolut individuelle Wege sind. Das gilt für die Ernährung, für die Atmung, die Bewegung, das gilt auch für die Lebensführung. Und diese Intuition lässt sich schärfen.“

Dass es tatsächlich möglich ist, mit dieser intensiven Stärkung der Selbstheilungskräfte gesund zu werden, haben Katharina Roden und Bernd Koblé gezeigt, die über lange Zeit von dem Arzt Ulrich Mohr begleitet worden sind. Sicherlich hängt vieles davon ab, ob man an diesen Weg glauben und es ermöglichen kann, die Zeit und die Geduld zu haben, es zu versuchen, ohne Medikamente auszukommen und so wieder ins Gleichgewicht, zu einem Wohlbefinden und zu neuer Kraft, zu kommen. Ulrich Mohr meint, dass Gesundheit nicht das oberste Ziel sein müsse.

Ulrich Mohr: „Wenn ich Menschen frage, was ihnen im Leben wichtig ist, dann mag die Gesundheit ganz weit vorne rangieren. Aber wenn ich die Wahl stelle, Glück und Zufriedenheit oder Gesundheit, dann wählt jeder dann lieber Glück und Zufriedenheit. Trotz all der Dinge, die ich erkennen durfte, ist es nicht so, dass ich mich permanent bester Gesundheit erfreue, aber ich bin in einer Situation, in der sich die Dinge zu einem großen Teil selbst regulieren und auf die Art und Weise entsteht Gesundheit auf einem hohen Niveau.“

 

Über den Autor

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Potsdam, langjährig Indienreisender, Sprachlehrer und Publizist, auch spirituell unterwegs und befasse mich mit ayurvedischer Medizin. Buchveröffentlichungen: „Der Viertelsekundenblick“, Erzählungen, Trafo Verlag 2008, 212 Seiten, 12.80 Euro „Offene Verabredung“, Gedichte, dahlemer verlagsanstalt 2012, 12 Euro