© Wolfgang Weiser auf PixabayWenn der Körper Geschichten erzählt 24. August 2026 Eine Reise zu den feinen Verbindungen zwischen Körper, Gefühlen und Psyche von Martina Elisabeth Mittrup Manchmal erzählt der Körper eine Geschichte, lange bevor wir selbst Worte dafür finden. Eine Spannung im Nacken. Ein Druck auf der Brust. Ein Gefühl von Schwere. Eine Bewegung, die nicht mehr frei fließt. Oder etwas, das sich einfach immer wieder an derselben Stelle bemerkbar macht. Was, wenn der Körper nicht nur ein Körper ist? Was, wenn er auch etwas von dem trägt, was wir erlebt, gefühlt und vielleicht irgendwann nicht mehr gefühlt haben? Mit dieser Frage beschäftigt sich Martina Elisabeth Mittrup seit vielen Jahren. Als Ergotherapeutin hat sie zahlreiche Menschen begleitet – und immer wieder gespürt, dass hinter einem Symptom oft eine tiefere Geschichte liegen kann. Die Frage hinter dem Symptom „Ich wollte nicht nur Symptome behandeln“, erzählt sie. „Ich wollte verstehen: Was ist eigentlich die Ursache? Womit hängen unsere Probleme zusammen?“ Ein ganzheitlicher Blick auf den Menschen war ihr schon früh wichtig. Für sie waren Körper, Gefühle und Geist nie voneinander getrennte Bereiche. Sie beeinflussen einander, sprechen miteinander – manchmal leise, manchmal sehr deutlich. Besonders aufmerksam wurde Mittrup bei ihrer Arbeit mit Menschen aus dem psychosomatischen Bereich. Immer wieder erlebte sie Situationen, in denen während einer körperorientierten Behandlung plötzlich alte Bilder, Gefühle oder Erinnerungen auftauchten. Es waren Momente, die sie neugierig machten. Konnte es sein, dass der Körper etwas bewahrt, was der bewusste Verstand längst vergessen hat? Was zunächst eine Arbeitsthese war, begann sie über viele Jahre zu beobachten und zu erforschen. Ihre Erfahrungen führten sie immer wieder zu derselben Frage: Wenn sich seelische Erfahrungen auch körperlich ausdrücken können – gibt es dann auch einen Weg, über den Körper wieder Zugang zu diesen Erfahrungen zu finden? „Ich bin eine Forscherin“, sagt Mittrup. „Und es macht mir so viel Freude, Neues zu entdecken. Jeder Mensch ist ein einzigartiges Wesen.“ Diese Neugier wurde zu einem wichtigen Teil ihres Weges. Auf der Suche nach einer Landkarte Auf dieser Suche begegnete ihr Tibetan Pulsing, das sie heute als Tibetanische Körpertherapie bezeichnet. In diesem System fand sie eine besondere Landkarte der Verbindung von Körper und Psyche: die Arbeit mit 24 Organkreisläufen. Für Mittrup eröffnete sich damit ein Zugang, der körperliche Wahrnehmung, Gefühle und persönliche Lebensgeschichte miteinander in Beziehung setzt. Die Methode geht auf ein überliefertes Wissen aus Tibet zurück und wurde von Dheeraj E. Murphy für die heutige Zeit weiterentwickelt. Dabei geht es nicht darum, den Menschen auf sein Symptom zu reduzieren. Vielmehr steht die Frage im Raum: Was möchte der Körper erzählen? Wenn das Leben Spuren hinterlässt Wir alle erleben Dinge, die uns berühren. Liebe und Verlust, Nähe und Trennung, Vertrauen und Enttäuschung. Manche Erfahrungen können wir gut verarbeiten. Andere bleiben länger in uns. Besonders schwierig kann es sein, wenn wir in einem schmerzhaften Moment allein waren – wenn niemand da war, der uns verstanden, gehalten oder wirklich wahrgenommen hat. Dann kann etwas in uns zurückbleiben. Mittrup beschreibt es nicht als Fehler oder Schwäche, sondern als etwas sehr Menschliches: Der Körper kann auf Erfahrungen reagieren, auch wenn wir längst gelernt haben, weiterzumachen. Vielleicht wird aus einer alten Anspannung irgendwann ein vertrautes Körpergefühl. Vielleicht schützen wir uns, ohne noch genau zu wissen, warum. Vielleicht fällt es uns schwerer, zu vertrauen oder uns wirklich einzulassen. „Manchmal ist etwas sehr deutlich spürbar“, sagt Mittrup. „Manchmal ist es nur eine feine Spannung oder ein Gefühl, das sich zunächst gar nicht richtig zuordnen lässt.“ Die Steine im Herzen Für ihre Arbeit hat Mittrup ein Bild gefunden, das vieles verständlich macht: das Bild eines Flusses. Wir kommen mit einem offenen Herzen zur Welt. Mit der Fähigkeit, zu lieben, zu vertrauen und uns zu verbinden. Dann erleben wir vielleicht unsere erste große Enttäuschung. Wir werden zurückgewiesen, verlassen oder allein gelassen. Vielleicht wird unsere Liebe nicht erwidert. Vielleicht müssen wir lernen, uns zu schützen. Mit jedem solchen Erlebnis kann – bildlich gesprochen – ein Stein in den Fluss unseres Herzens fallen. Ein einzelner Stein verändert den Fluss kaum. Doch mit der Zeit können es mehr werden. Der Strom wird langsamer, das Wasser sucht sich andere Wege. Vertrauen wird schwieriger. Das Herz wird vorsichtiger. Die Körpertherapie setzt genau an dieser Stelle an. Nicht indem sie etwas erzwingt. Sondern indem sie Raum schafft für das, was wieder gefühlt werden möchte. Vom Denken ins Spüren In unserer heutigen Welt versuchen wir vieles mit dem Verstand zu lösen. Wir analysieren, erklären, verstehen und suchen nach Antworten. Doch manches lässt sich nicht allein denken. Manches möchte gespürt werden. In der körperorientierten Arbeit geht es deshalb darum, wieder feiner wahrzunehmen: Was geschieht gerade in meinem Körper? Wo ist Spannung? Wo ist Weite? Was fühlt sich lebendig an? Wo halte ich etwas zurück? Manchmal geschieht dabei gar nichts Spektakuläres. Etwas wird einfach ein wenig weicher. Ein Atemzug wird tiefer. Eine Bewegung wird freier. Und manchmal taucht etwas Altes auf. Ein Gefühl. Ein Bild. Eine Erinnerung. Tränen. Wut. Trauer. Oder einfach eine Empfindung, für die es zunächst keine Worte gibt. „Es geht für mich darum, einen Raum zu schaffen, in dem Menschen sich selbst wieder tiefer wahrnehmen und fühlen können“, sagt Mittrup. Dabei muss nichts erzwungen werden. Nicht jede Erfahrung braucht sofort eine Erklärung. Manche Dinge zeigen sich erst, wenn wir ihnen genügend Raum geben. Eine individuelle Reise Die Tibetanische Körpertherapie bietet Mittrup in Einzelsitzungen und Gruppen an. Dabei steht für sie nicht eine festgelegte Behandlung nach Schema F im Mittelpunkt, sondern der einzelne Mensch mit seiner ganz eigenen Geschichte. „Jeder Mensch ist einzigartig“, sagt sie. Genau darin liegt für sie auch die Faszination ihrer Arbeit. Zweimal im Jahr ist Mittrup für mehrere Tage im Norden Deutschlands und bietet dort Einzelsitzungen sowie ein Wochenendseminar an. Vielleicht beginnt Veränderung manchmal nicht damit, dass wir etwas im Außen verändern. Vielleicht beginnt sie damit, dass wir wieder zuhören. Dem Atem. Den Empfindungen. Den Gefühlen. Und dem Körper, der schon lange seine eigene Geschichte erzählt. Termin: Das nächste Gruppenwochenende findet vom 2. bis 4. Oktober 2026 in Bad Belzig statt. Im Mittelpunkt steht das Thema Herz – mit seinen Fragen nach Vertrauen, Verbundenheit, Verletzlichkeit und der Fähigkeit, sich wieder zu öffnen. Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar Antwort abbrechenDeine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.KommentarName* E-Mail-Adresse* Name, E-Mail-Adresse und Website in diesem Browser für meinen nächsten Kommentar speichern. Überschrift E-Mail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.Auch möglich: Abo ohne Kommentar. Durch Deinen Klick auf "SENDEN" bestätigst Du Dein Einverständnis mit unseren aktuellen Kommentarregeln.