Mit dem Herzen FÜHLEN oder FÜHLEN im Gleichgewicht!

Wenn ich das Wort „FÜHLEN“ auf meiner Zunge zergehen lasse, kommt mir die Verwandtschaft mit dem Wort, „Fülle“ in den Sinn. Es weist mich weiter zu dem Wort „voll“. Fühlen hat also mit Ganzheit, mit Vollständigkeit zu tun. Zur etymologischen Wurzel des Wortes „Fühlen“ schauend, erhalte ich Begriffe, wie „Tappen und Tasten – Betasten, Streicheln, Erkunden und Schmeicheln“. Das sind Wörter, die den Bedeutungsstamm des Wortes „Fühlen“ erweitern. Fühlen ist also etwas geschmeidig Fließendes, etwas Sanftes, sich Schlängelndes und Anschmiegendes – etwas Erfüllendes. Es ist eine erkundende, erforschende und erkennende Kraft. Man gewinnt dabei eine Information, die der Berührung im Jetzt entfließt, so meine weitere Intuition.

Es handelt sich um etwas, das sich bewegt. Fühlen ist Energie in Bewegung. Wasser ist ein optimaler Träger von Energie und weist schlängelnde und anschmiegsame Bewegungen auf. Wasser umfängt alles, benetzt und umschließt den ganzen Gegenstand, sobald er nass wird. Wasser berührt nicht nur oberflächlich, sondern dringt ein in alle Ritzen und ertastet jede Einbuchtung. Wasser dringt in die Tiefe und durchdringt das zu Berührende. Wasser ist sanft, geschmeidig und in ständiger Kommunikation mit den äußeren bzw. inneren Formen. Seine Bewegung im Moment ist seine Antwort auf alle berührten Umstände und Begebenheiten. Diese Antwort ist also wach, aufnehmend, geschmeidig schwingend und das haltend, was augenblicklich ist. Die Wellen des Wassers können an ihren Extremen auch stürmisch aufbrausen und in die Tiefe reißen und auf der anderen Seite genauso erstarren und einfrieren. Es besteht die Möglichkeit, im Meer der Emotionen und des Selbstmitleids zu ertrinken und dabei noch andere mit hinein zu reißen in dieses verschlingende Meer von Emotionen. Zwischen extremer emotionaler Hitze und starkem emotionalen Einfrieren gibt es ein Land der Mitte – ein mittiges Strömen. In dieser Mitte werden wir wieder an Land gespült und „reiten“ auf den Wellen der Emotionen. Der Kampf, die jahrelange Anstrengung, das Weglaufen haben ein Ende, eine neue Haltung hält Einzug: wir (ver-)trauen uns stehen zu bleiben, verwurzelt in der Präsenz des Augenblicks und lernen surfen auf den Wellen unserer Seelenbewegungen.

In der Präsenz des Augenblickes finde ich meinen wahren Halt, die Mitte meines Seins – mein göttliches Selbst. Sobald ich bereit bin dem Unbekannten zu folgen, erlange ich Sicherheit und kann mir erlauben, mich von der Intensität des EmotionsFlusses mitnehmen zu lassen – der gefühlten Fülle entgegen gehen. Die Energie führt mich in ein Land, das noch im Schatten liegt, dunkel, kalt, verleugnet und verdrängt. Nun da ich dort bin, tauchen die ersten Strahlen aus meinem bewussten Dasein ins Dunkel. Das Erstarrte beginnt in dieser Berührung durch die wärmenden, fühlenden Strahlen des bewussten Seins zu schmelzen. Das Schmelzen fühlt sich an wie ein Öffnen, es tut weh. Die Lichtstrahlen des Bewusstseins decken auf, bringen ins Bewusstsein, was nicht sein durfte. Erkenntnisse purzeln zusammen. Lebenskraft kehrt zurück in den einen Fluss. Es stellt sich dar, wie ein Heimholen des verloren Geglaubten – VerSöhnung mit dem eigenen seelischen Selbst! Die eingefrorene SelbstLiebe findet wieder ihren Lauf. Sie erfüllt und nährt mich von innen. Schönheit erfüllt mich, ich spüre, die neue alte Ordnung, zu der ich Stück für Stück zurückfinde. Mich selbst wieder zu vereinigen und in mir Brücken zu bauen, wo Dämme mich trennten und schützten sollten. Ich spüre eine neue Freiheit für mein Leben. Freude erfüllt mich. Ich halte den Schlüssel zu einem Leben ohne Angst in meinen Händen.

Fühlen ist wie Wasser

Wasser ist sehr empfänglich für Informationen, es trägt sie weiter und enthält eine Art von Bewusstsein, das das Ertastete übersetzt, leitet und verbreitet. Wasser ist reinigend, nimmt alle Informationen mit sich, die nicht an ihrer richtigen Stelle sind. Es ordnet also die Dinge neu und schiebt die Dinge an ihre stimmig-richtigen Plätze. Diese Äquivalenzen zum Wasser erläutern sehr schön, was ein Fühlen im Gleichgewicht – ein „mit dem Herzen Fühlen“ bedeutet. Bilder in Verbindung mit dem Wasser veranschaulichen das Erläuterte: Wenn Wasser einfriert, wenn Seelenbewegung erstarrt, ist kein wirkliches Fühlen möglich. Es ist zu kalt. Wenn wir uns verlieren, uns von uns selbst abwenden und ablenken, die Wärme unseres Herzens vergessen, weil die Angst in tiefster Gefühlsintensität zu sterben zu groß wird und wir mit all dem alleine sind, dann suchen wir Halt, ein Stück Identität in diesem Selbstverlust und wissen nicht wo? Um dieses NichtWissen zu vermeiden, klammern wir uns im Außen fest, an Menschen, Umständen, Suchtmitteln, Unterhaltungsmitteln, …….Wörtern… Gedanken, Emotionen im Innern…..und entziehen uns dabei die Liebe zu uns selbst. Wir trennen uns von einem Teil unserer Lebenskraft, von unserem augenblicklichen Seelenkontakt ab, wir „spalten“ wie man in der Psychologie so treffend sagt.

Diese unangenehme intensive Seelenantwort, die meist auf traumatische, unverdaute, ungefühlte Erfahrungen unserer Kindheit zurückgeht, schieben wir so ins Unbewusste zurück – in einen Raum, den wir mit den Strahlen unseres Bewusstseins nicht betreten und in dem diese von mir abgelehnte Kraft im dunklen Schattenreich vor sich hindümpelt. Irgendwann ist dieser Teil dort so gut verpackt, dass wir uns tatsächlich nicht mehr erinnern, dass es ihn überhaupt gibt. Sein Urgrund wurzelt in früheren Erfahrungen. Wir würden freiwillig den Weg zurück zu diesem verdrängten Anteil niemals finden, wenn das Leben selbst uns nicht ständig darauf aufmerksam machen würde. Es ruft uns und teilt uns auf verschiedene Weise mit, dass da etwas Unverbundenes im Dunklen vor sich hinfault. Dieses Etwas ist in seiner Bewusstheit unverbunden, denn es ist nichts Wirkliches wirklich von uns getrennt. Wir glauben zwar, weil nicht bewusst erkannt, dass diese Energie aus dem Blick und damit weg ist, das stimmt jedoch nicht. Aus dem Un- und Unterbewusstsein strömen unerkannt, automatisch und subtil Informationen in unser Denken, Handeln und Fühlen, die aus diesem vermoderten Reich kommen und wie Gifte auf unser Leben wirken. Gift, das uns schadet, Beziehungen schwer macht, aber auch gleichzeitig den Weg zur Heilung weist, wenn wir bereit sind, inne zu halten und innerlich den Weg zurück zu verfolgen.

Es gibt also eine Kraft, die viel stärker ist als unser kleines Alltagsbewusstsein, von dem wir denken, dass es unsere Identität ausmacht. Diese Eine Kraft will uns wieder vereinen, zusammenführen, will uns in uns selbst vereinigen. Darauf folgend will sie uns in eine gefühlte und gefüllte Ganzheit mit allem Lebendigen führen, die bis in den Kosmos hineinreicht. Diese Eine Lebenskraft schickt uns daher lebenslänglich Briefe – in Träumen, durch Symptome, Krankheiten, Unfälle, Beziehungsspiegelungen und anderen zwischenmenschlichen Herausforderungen, Niederlagen……. Jede Post ist eine Gelegenheit – eine Einladung tiefer zu schauen, wacher zu werden und dabei einen bewussten Selbsterkenntnisprozess in Gang zusetzten, der uns in eine bewusst erlebte Einheit führt.

In die Tiefe fallen

Gefangen im Überlebenskampf und in der Angst zu sterben, halten wir uns jahrelang an den Rändern fest und ziehen uns mit letzter Kraft immer wieder hoch, bis wir irgendwann von diesen aberwitzigen und erschöpfenden Wiederholungen und Abhängigkeiten die Nase voll haben und bereit sind andere Wege, Möglichkeiten zu (ver-)suchen: Was wäre, wenn ich springe, wenn ich loslasse und mich fallen lasse, mich mitnehmen lasse in die Tiefe dieser Energie und sie einfach in meinem Bewusstsein lasse, ihr neugierig und offen folge ohne gleich gedanklich wieder wegzuspringen – ganz egal, wie unangenehm es sich gerade anfühlt. Vielleicht bringt mich das um, aber vielleicht auch nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass es mich nicht umbringt, ist relativ hoch, da im Moment keine wirklich lebensbedrohliche Gefahr lauert….. Den einen ausgetretenen Pfad, die eine Halteschnur loslassend ergieße ich mich in ein neues Gefäß. Wach und gespannt hinein lauschend warte ich darauf, was passiert. Es ist dunkle Nacht, ich falle und fliege zugleich. Während ich weiter in die Tiefe falle, entspanne ich mich immer mehr. Ich habe mich entschieden und es fühlt sich jetzt schon viel leichter an, als das Hängen am alten Haltegriff. Ich entscheide mit allem offen und präsent zu bleiben, komme was wolle. Bei dieser innerlich gedachten Bereitschaft fließt etwas Wärme aus meinem Herzen. Ich freue mich. Meine Seele freut sich. Ich spüre die Liebe zu meiner Seele wieder, sie war immer da, jetzt ist sie aus der tauben Enge wieder erwacht, befreit und fühlbar. Sie ist wieder flüssiger Fluss. Ich spüre tief in mir einen bestätigenden Wohlklang, während ich weiter meiner Seele und ihrer unangenehmen schmerzlichen Bewegung folge. Sie zeigt mir Bilder als Baby unter widrigen Umständen, allein und verlassen. Voller Mitgefühl und Hingabe kümmere ich mich um die Kleine in mir.

Das Fühlen im Gleichgewicht ist sanft fließend wie Wasser, es berührt alles, dringt tief und lässt nichts unberührt. Wasser reinigt und so tut es auch das Fühlen aus der Mitte, es leert uns, macht uns frei und beweglich und füllt uns an mit der Energie der Leerheit. Damit öffnet sie den Raum für das göttliche Sein, das immer in uns währt. Fühlen überträgt Bewusstseinsinhalte. Inhalte, die unser Bewusstsein erweitern und uns mit der Essenz unseres Seins verbindet. Fühlen bildet Brücken und verbindet Körper, Geist und Seele in Ganzheit und Vollkommenheit. Fühlen ist ein Kommunikationsmittel. Es verbindet uns mit unserer Seele, ihrem Weg, ihrem Ruf sich durch unseren Körper materiell irdisch leichtflüssig zu verkörpern.

Verbunden mit der Ewigkeit

Wenn das Baby auf die Welt kommt, ist es noch ganz offen und verbunden mit der Ewigkeit, aus der heraus es sich gerade verkörpert hat. Dieser reine und frische, kleine Körper ist durchdrungen von Seelen- und Fühlkraft. So durchlässig und offen, dass jedes künstliche, laute Geräusch oder jede hastige schnelle Bewegung unmittelbar eine Fühl- und Seelenreaktion auslöst. Das Baby beginnt zu schreien, seine Stimme, sein Körper reagieren mit Angst und Schmerz. Zu dieser Zeit hat es noch nicht lösendes Weinen gelernt und drückt mit klagend rufender Stimme und körperlichem Zusammenziehen seine emotionale Not aus. Wie schon am Anfang erläutert, ist das körperliche Empfinden ganz eng verwoben mit der seelisch-energetischen Reaktion des Kindes…. es ist in Wahrheit untrennbar. Die seelische Not und die körperliche Enge als Reaktion auf die Umgebung brauchen Mitgefühl und Verständnis, damit die Gefühlsenergie frei fließen kann, um dann wieder zu landen im Augenblick, der ganz neu und frisch auf uns wirkt. Wenn das Baby in einer Notsituation in mütterlichen/väterlichen Armen Halt erfährt, sich in friedvoll-stiller Bewusstseinskraft gehalten fühlt, öffnet sich der Körper des Babys aus der Schutz- und Abwehrhaltung, bereit sich halten zu lassen, anstatt sich in sich selbst festzuhalten und zu verkriechen. Sobald Energie ins Fließen kommt und der Körper weich wird, die sich ausdrückende Stimme des Babys harmonischer wird, sind wieder Liebe und Wärme im Spiel. Nun entlädt sich die Energie der seelischen Not, die in der Angst zu sterben so leicht erstarrt und fließt in der sich allmählich wieder aufbauenden Sicherheit zurück zum Zentrum, zum Herzen. Aus dem heraus der Körper – das Leben sich dem Augenblick wieder neu öffnet. Diesen Prozess als Mutter mit meinem Sohn zu begleiten war das Allerschönste und Intimste in meinem Leben. Das Vertrauen eines Kindes zu gewinnen, das sich in seiner Todesangst mir hingibt, rührt ganz tief und lässt als Nebenwirkung Liebe in Fülle auf beiden Seiten erfühllend fließen.

Wenn die Entscheidung klar ist, dem Ungewollten und Unbequemen nicht mehr den Rücken zu kehren, ihm sich sogar mit sanftem, offenem Herzen anzunähern, taucht die Frage auf: Wer bin ich – wer bist du? Bin ich vielleicht diese Größe und Schönheit, die aus meinem Herzen strömt, sobald ich ihre Existenz und ihre Macht erInnere?

Danke für das Lauschen gemeinsam mit mir!

 

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