Control

Titel: Control

Author: Daniel Suarez

Verlag:  rororo 2014

Preis: 12,99 Euro

ISBN: 978-3499268632

 

Die Geschichte des Systemberaters und Softwareentwicklers Daniel Suarez, der Autor wurde und 2006 seinen ersten Roman „Daemon“ noch unter dem Anonym „Leinad Zeraus“ im Selbstverlag auf den Markt brachte, bevor ihn dann der Erfolg quasi überrollte, nimmt einen begeistert mit. Allerdings braucht es dann schon etwas sehr viel von dieser Sympathie – plus Durchhaltevermögen – um sich durch die ersten Seiten seines vierten Buches „Control“ zu kämpfen. Diese sind als stilistisches Mittel nämlich angefüllt mit Technik-Babbel und vor allem theoretischer Physik auf ziemlich hohem Niveau, bis die Story des knapp 500 Seiten starken Wälzers dann endlich Fahrt aufnimmt.

Kern der Geschichte ist der Physiker Jon Grady. Er kommt aus keiner Elite-Uni und hat keinen brillanten Abschluss gemacht. Sein Lebenslauf ist ungerade, seine Haare sehen aus wie bei einem Hippie und sein Labor wie eine Müllhalde. Und dennoch wird er – gut verborgen durch Strohfirmen – von einem großen Konsortium in seiner Forschung gefördert. Denn der unangepasste junge Mann, der sein Studium nur an einer Fernuniversität absolviert hat, besitzt in seinem Arbeitsbereich eine Jahrhundertbegabung.

Gerade als er mit seinen drei Mitarbeitern in einem abgelegenen Labor den absoluten Durchbruch erreicht, der die Grundpfeiler der Physik zum Erschüttern bringen und eigentlich den Nobelpreis bedeuten würde, tauchen Männer in gelben Schutzanzügen und mit Gasmasken auf, fesseln alle Anwesenden und jagen das Labor mit einem Feuerball in die Luft.

Doch als Jon erwacht und sich selbst nicht als verkohlte Leiche, sondern mit seinem einzigen guten Anzug und seiner Glückskrawatte angetan in einem Bürogebäude wiederfindet, macht er mit der „BTC“ (Bureau of Technology Control – Bundesbehörde der Technologiekontrolle) Bekanntschaft. Diese ist kurz vor der Landung der Menschheit auf dem Mond gegründet worden, um den Technikfortschritt unter Kontrolle zu halten.

Hier wird die Forschung der Welt überwacht, Wissenschaftler/innen unauffällig gefördert und im Notfall eben eingegriffen und Wissen aus dem Verkehr gezogen. Jon lernt hier, dass man im Grunde jetzt schon die Fähigkeit hat, Krebs zu besiegen, massenhaft billige Energie zu erzeugen oder den Menschen unsterblich zu machen. Hier werden verschiedenste Szenarien entworfen und überprüft und Technologie – zur Vermeidung eines Zusammenbruchs der Gesellschaft und der Wirtschaft – nur wohldosiert an die Welt abgegeben, da die Natur des Menschen eben noch im Mittelalter stecken geblieben sei. Der von dieser ethisch bedenklichen Handhabung mehr als entsetzte Jon Grady, der von allen für tot gehalten wird, wird nun vor die Wahl gestellt zu kooperieren, um im goldenen Käfig weiterzuforschen, oder auf immer weggeschlossen zu werden…

Fazit: Packender Sci-fi-Thriller, der – wie auch schon bei den vorhergehenden Romanen Suarez‘ – bedenklich real erscheint. Denn welche großen Errungenschaften gab es denn trotz allen revolutionären Technologiefortschritts in den letzten Jahrzehnten? Facebook kann man wohl kaum dazu zählen. Suarez webt gekonnt unsere Welt mit allerlei Kleinigkeiten und Anspielungen in sein Werk ein. Der kleine Verschwörungstheoretiker in der Brust eines jeden von uns erhält hier ordentlich Futter. Aber so soll es ja auch bei einem guten und spannenden Buch sein.