Du gehörst dazu. Das große Buch der Familien

Titel: Du gehörst dazu. Das große Buch der Familien

Author: Mary Hoffmann, Ros Asquith

Verlag: Fischer Sauerländer, 2010

Preis: 40 Seiten, 14,90 Euro

ISBN: 978-3737364058

Kinderbücher gibt es wie Sand am Meer. Sucht man aber nach schön gemachten und vor allem inhaltlich guten Kinderbüchern, die sich mit der menschlichen Vielfalt beschäftigen, ist das schwieriger, als man denkt. Oft sind Verlage zum Teil nicht wirklich für diese Themen sensibilisiert, zum anderen reproduzieren Autoren leider auch oft Vorurteile und Rollenmodelle aus den 1950ern. Das schon vor vier Jahren in deutscher Sprache erschienene Buch „Du gehörst dazu. Das große Buch der Familien“ gehört allerdings zu den seltenen positiven Beispielen. Die Britinnen Mary Hoffman (Text) und Ros Asquith (Illustration) sind in Großbritannien bekannt für ihre zahlreichen Bücher und Illustrationen. In diesem großformatigem Bilderbuch für Kinder ab vier Jahre arbeiten sie Familienstrukturen ab und zeigen, wie divers und vor allem auch multikulturell unsere Welt ist.

Das beginnt mit der ersten Doppelseite, auf der das klassische alte Familienmodell (Mutter, Vater, Tochter, Sohn) vorgestellt und vermittelt wird, dass das nur ein Bild von Familie ist. Pro liebevoll und detailreich illustrierter Doppelseite wird je ein Thema (Zuhause, Schule, Berufe, Kleidung, Urlaub, Essen, Familienfeste) an möglichem Familienleben dargestellt, ohne dabei zu bewerten. Die Autorinnen machen deutlich, dass es nicht nur eine Version von Familie gibt, sondern unendlich viele. Manche haben gleiche Hobbys, manche fahren dicke Autos, manche Familien kochen Bio-Essen, manche essen nur Fastfood, manche haben zwei Mamas oder Papas, manche Kinder leben bei Oma und Opa, manche in Patchworkfamilien oder bei Adoptiveltern – und das ist nicht besser oder schlechter, sondern alles okay. Es wird aber auch Bewusstsein für andere Lebenswelten geschaffen – zum Beispiel, dass manche Familien kein Zuhause haben. Kleine Eckpunkte, die man im Gespräch mit Kindern aufgreifen kann, gerade wenn die Kinderseele mitbekommt, was gerade in Deutschland geschieht. Besonders bemerkenswert: In Kinderbüchern herrschen sonst gerne noch unbewusst Kolonialismen und alte Rollenklischees, damit wird hier aber sanft und nachdrücklich gebrochen. Es sind nicht nur weiße Kinder und Elternteile zu sehen, sondern Menschen unterschiedlichster Hautfarbe, blonde Omas kuscheln da ganz selbstverständlich mit dunkelhäutigen Kindern. Wohltuend anders auch die Geschlechterrollen: Da steht ein Vater ganz selbstverständlich am Herd und kocht, strickt oder ist der Hausmann, und eine schwarze Frau eilt mit Aktentasche eilig zum Job.

Fazit: Man möchte die Autorin und die Illustratorin küssen für dieses wunderschöne Kinderbuch, das so federleicht und selbstverständlich mit Familienbildern und Rassismen aufräumt. Ein wenig natürlich auch den Verlag, dass er sich getraut hat, so ein liebevolles und wichtiges Buch auf den Markt zu bringen, das hoffentlich noch eine Weilte verlegt wird. Ein ermutigendes Buch, das Kindern – und vielleicht auch mit ihnen lesenden Erwachsenen – zeigt, dass uns viel mehr verbindet als uns trennt.