Elizabeth Pantley: Fremdeln. Klammern. Trennungsangst

Titel: Fremdeln. Klammern. Trennungsangst

Author: Elizabeth Pantley

Verlag: Trias, 2016

Preis: 128 Seiten, 14,99 Euro

ISBN: 978-3432100456

Hilfe für liebevolles Loslassen

Beschäftigt man sich mit Literatur zu Säuglingspflege und hat vielleicht das Problem, dass das Kind nicht so recht einoder durchschlafen will, begegnet man früher oder später Elizabeth Pantley und Büchern wie “Erziehen ohne Frust und Tränen” oder „Schlafen statt Schreien“ – eine sanfte und liebevolle Alternative zu dem (gerade oft von älteren Menschen propagierten) „kontrollierten Schreien“. In dieser Neuerscheinung arbeitet die vierfache Mutter, deren Bücher inzwischen in über 24 Sprachen übersetzt wurden, Trennungsängste auf.

Eigentlich denkt man ja eher, dass Trennungsangst ein Problem von Helikopter-Eltern ist. Aber umgekehrt kann es natürlich ebenso sein, auch Kinder können diese Angst vor Trennung empfinden. Natürlich braucht ein Säugling die stete Nähe von Bezugspersonen um sich sicher zu fühlen, aber wie steht man einem älteren Baby bei, das bei jedem kurzen Verlassen des Raumes bitterlichst weint und sich verlassen fühlt? Oder wie hilft man seinem Kindergarten- oder Schulkind und bereitet es gelassen auf diese großen Schrittchen im Kinderleben vor?

Die Autorin widmet sich zunächst der Klärung, was Trennungsangst eigentlich ist und dass man als Elternteil nicht negativ auf diese Ängste reagieren sollte, denn für das kleine Kind ist man quasi der Rettungsanker in einer noch viel zu großen Welt. Diese vollkommen normale Angst vor dem Verlust von Mama oder Papa, die Teil der emotionalen Entwicklung ist, zeigt ja im Grunde, wie geliebt, sicher und vertrauensvoll geborgen sich das Kind bei den Eltern fühlt.

Chronologisch geht es dann durch die Kapitel „Trennungsangst in der frühen Kindheit“, „Trennungsangst-Lösungen für kleine Kinder“, „Trennungsangst bei Kindern ab 4“, „Trennungsangst in bestimmten Situationen“ und „Wenn Eltern Trennungsangst haben“. Sehr gut auch, dass Pantley quasi Checklisten mit Indikatoren bietet und mit diesen aufzeigt, dass viele Verhaltensweisen einfach normal oder altersgemäß sind – das ist für viele (ver)zweifelnde Eltern ein gutes Mittel, um den eigenen Standpunkt zu verorten.

In allen Kapiteln zeigt Elizabeth Pantley dann immer wieder bezugnehmend auf vorgestellte Situationen Spiele, Rituale, Gespräche und Übungen auf, die den Kindern Sicherheit schenken und ihnenbeibringen sollen, dass die Bezugsperson nicht einfach so „verschwindet“. Grundlage hierfür sind beispielsweise sogenannte “Guck-guck-Spiele”, bei denen Kinder sehen, dass eine Person noch da ist, auch wenn sie nicht mehr sichtbar ist. So lernen Kinder spielerisch sichere Trennungssituationen und ein glückliches Wiedersehen, womit man den Weg für einen selbstständigen, sich weiterhin geborgen fühlenden kleinen Menschen ebnen kann.

Fazit: Ein liebevoll und einfühlsam geschriebenes Buch, das die Sichtweise des Kindes und der Eltern wahrnimmt, erklärt (und so auch bei verzweifelten Eltern Verständnis für das oft unerklärliche kindliche Verhalten schafft) – und Hilfe bietet, Ängste auf beiden Seiten zu überwinden. Gut geeignet, um von außen einen Blick auf das familiäre Verhalten zu werfen und für eine kleine Positionsbestimmung innezuhalten. Und da man dies auch bei Erziehungsratgebern besonders hervorheben muss: Der fehlende Dogmatismus ist sympathisch. Elizabeth Pantley betont, dass es keine Patentlösung gibt und sie nur eine Auswahl an Erklärungen, Handreichungen und Anregungen bietet, aus der sich die Eltern das mitnehmen können, was sie selbst als angemessen und richtig für ihr Kind empfinden.