George R. R. Martin: Das Lied von Eis und Feuer 01: Die Herren von Winterfell

Titel: Das Lied von Eis und Feuer 01: Die Herren von Winterfell

Author: George R. R. Martin

Verlag: Blanvalet, 2010

Preis:  576 Seiten, 15 Euro

ISBN: 978-3442267743

Ränkespiel

Wer Fantasyliteratur liebt, kam in den letzten zwei Jahrzehnten kaum an diesem Fantasyepos vorbei. Einem breiten Publikum dürfte es durch die erstaunlich gut gemachte HBO-Serie „A Game of Thrones“ bekannt geworden sein. Für altgediente Fans ist es deshalb oft ein wenig verstörend, wenn Nicht-Leser/innen die Story für sich als „neu“ entdecken. Auch wenn die filmische Adaption einfach hervorragend ist, bleiben doch Feinheiten und Details in den Büchern zurück. Momentan ist Martin mit dem sechsten Band stark im Verzug, was zu der eigenwilligen Situation führt, dass die TV-Serie die Bücher inzwischen inhaltlich überholt hat. Zeitweilig stalkten die Fans den Autor regelrecht und produzierten Musikvideos um ihn zum Schreiben zu animieren (sehr amüsant bei Youtube das Musikvideo: “Write like the Wind“). Zur Beruhigung: Falls George R. R. Martin (Jahrgang 1948) stirbt, bevor der letzte Band geschrieben ist – er hat zumindest dem Produzenten der Fernsehserie verraten, wie seine grandiose Geschichte enden soll. Die Handlung spielt in einer fiktiven mittelalterlichen Welt, deren Jahreszeiten oft Jahre oder Jahrzehnte andauern.

Momentan befindet sich das Königreich Westeros, in dem die Erzählung beginnt, in einem ungewöhnlich langen Sommer. König Robert Baratheon ist mit seinem gesamten Hofstaat hoch im Norden bei seinem alten Freund Eddard Stark zu Besuch, der hier mit seiner Frau, Kindern und dem unehelichen Sohn Jon Schnee lebt und über diesen Teil des Königreiches herrscht. Der Norden ist rau und urwüchsig, hier ist die Erinnerung an den letzten Winter noch lebendig. Nun neigt sich der Sommer dem Ende zu, der unerbittliche Winter naht, die Magie erwacht und das Spiel um die Macht – eben das Spiel der Könige – in diesem und den umliegenden Reichen beginnt. Hier begegnet man, neben seitenweise Beschreibungen von opulenten Tafelfreuden, (Un-)Barmherzigkeit, Hass, Rache, Leidenschaft, Begehren, Gewalt, Liebe, Sex, Naivität, Vertrauen, Bösartigkeit, Verrat, mythischen Wesen, Untoten und später sogar Drachen – es hat was von einer grausam-gut geschriebenen Soap-Opera, ganz abseits von platter 08/15-Fantasy. Und wehe man fängt an einen der Charaktere zu mögen – George R. R. Martin hat den fatalen Hang, gerade diese unvorhergesehen versterben zu lassen. Es ist der immerwährende Kampf von Gut und Böse – allerdings ist nicht immer so ganz klar, wer nun was ist. Die Figuren sind vielschichtig gezeichnet und vor allem die starken weiblichen Charaktere und deren Entwicklung stechen heraus.

Fazit: Komplex, kunstvoll, dicht, mitreißend und sprachlich einfach wirklich brillant geschrieben – wer im Sommer Ferien- und Lesezeit hat, sollte unbedingt zu den Büchern greifen.