Hrsg. Reinhold Leinfelder, Alexandra Hamann, Jens Kirstein, Marc Schleunitz: Die Anthropozän-Küche

Titel: Die Anthropozän-Küche

Author: Hrsg. Reinhold Leinfelder, Alexandra Hamann, Jens Kirstein, Marc Schleunitz

Verlag: Springer, 2016

Preis: 236 Seiten, 24,99 Euro

ISBN: 978-3662498712

Rezepte für die Welt von morgen

auf diesem Planeten gegenseitig manchmal vorkommen: Essen müssen wir alle, Nahrung anbauen ebenso. Aber wir nähren uns nicht nur, wir genießen auch – gerne gemeinsam. Doch woher stammen die Dinge, die wir essen? Wie sind die kulturellen Unterschiede, und wie hängt das trotz riesiger Entfernungen alles zusammen? Es ist ein Comicbuch der ganz anderen Art: mit Rezepten und viel Wissenswertem zu Esskulturen aus der ganzen Welt, gewürzt mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die Geschichten im Buch machen globale Strukturen und Auswirkungen des Handels, der Nahrungsproduktion und der Umweltzerstörung sichtbar und schaffen so ein Bewusstsein dafür und für den Unterschied, die wir durch unseren eigenen Konsum machen können. Die Leser/innen erhalten nicht nur authentische Einblicke in andere Ernährungs- und Essenskulturen (Uganda, Marokko, China, Japan, Indien, Kiribati und Fidschi, Brasilien, USA, Norwegen, Deutschland), sondern das Buch bietet auch Denk- und Lösungsansätze – denn mit dem Kochlöffel bestimmt jede/r quasi die Globalisierung mit.

Die zehn Erzählungen – von im Übrigen echten Protagonisten – sind von unterschiedlichen Künstlern in ihren ganz eigenen Zeichenstilen umgesetzt. Verbindendes Element, im wahrsten Sinne des Wortes, ist die Personifikation des Elements Phosphor, die in jedem Comic mit dabei ist. Phosphorverbindungen sind eine endliche und bedeutende Ressource, die essentiell für alles Leben auf der Welt ist.

In den Comics treffen wir unter anderem auf Sophie, die in Berlin lebt, Biologie an der Freien Universität studiert und sich mit Insekten als zukünftige Ernährung und als Ersatz für unseren wachsenden Fleischkonsum mit seinem viel zu hohen Ressourcenverbrauch auseinandersetzt. Bei ihr gibt es ein Rezept für Bienendrohnenstich mit gerösteten Drohnenlarven. Zusammen mit Alfred, der auf einem Fjord in Nordnorwegen wohnt, erfahren wir, warum günstige Dosenananas vielleicht doch keine ganz so gute Idee ist und dass ein Drittel der für Industrieländer produzierten Lebensmittel mal eben so verloren gehen – durch Verlust in der Agrarproduktion, nach der Ernte, bei der Lagerung, bei Verarbeitung, Verpackung und beim Konsum. Die zukünftige Sicherung der Ernährung für eine wachsende Weltbevölkerung liegt also auch darin, nicht mehr zu produzieren, sondern den Verlust zu reduzieren. Gemäß dem Nose-to-tail-Prinzip (wenn schon ein Tier schlachten, dann auch alles davon wertschätzend verarbeiten), gibt es von Alfred dann auch das Rezept für Brosmehoder – einem Gericht aus Fischköpfen und Innereien.

Zusammen mit Yuko aus Japan lernt man den Zusammenhang von Plastik, Thunfischsushi, Müllstrudeln im Meer und Quallenplagen kennen. In weiteren Geschichten erfährt man, wie der Dünger in China mit den Todeszonen im Meer zusammenhängt und dass Junkfood in den USA oft billiger als gesundes, selbstgekochtes Essen ist (gute Ernährung muss man sich leisten können).

Fazit: Ein tolles und empfehlenswertes Buch. Spielerisch werden Fakten und sehr spezielles Wissen über Lebensmittelproduktion, Verschwendung und die Ernährung des Menschen via Comics vermittelt. Wenn die Menschheit mehr und mehr dieses Wissen verinnerlicht – vielleicht gelingt dann doch noch ein Herumreißen des Ruders. Besonders hübsch sind die fiktiven Postkarten am Ende des Buches, über die man ausschnittgleich über das zukünftige Leben der Protagonisten und die Entwicklung der Welt erfährt – ein Mix aus Dystopie und Utopie.