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„Ich bin kein Sexist, aber…“

„Ich bin kein Sexist, aber…“

Titel: „Ich bin kein Sexist, aber...“

Author: Yasmina Banaszczuk, Nicole von Horst, Mithu M. Sanyal, Jasna Strick

Verlag: Orlanda

Preis: 10

ISBN: 978-3944666006

Sexismus

In einer Januarnacht Anfang 2013 sammelten sich auf der Microblogging-Kommunikationsplattform Twitter Kurznachrichten zum Thema Sexismus. Sie waren mit dem Hashtag (Sammelbegriff) „# aufschrei“ gekennzeichnet. Wie eine Lawine, die ins Rollen kam, beteiligten sich immer mehr Menschen in den darauffolgenden Stunden und Tagen daran. Viele Frauen fanden zum ersten Mal ihre Stimme und schrieben über den alltäglichen Sexismus und auch Übergriffe, die sie erlebten und teils stets noch erleben. Andere Menschen begriffen hierdurch erst, wie akut dieses Problem auch noch im Jahr 2013 ist.

Eine wichtige Aktion also, für die die Zeit reif gewesen zu sein scheint und die sogar mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde. Das Bewusstsein, dass der Alltag von Frauen – auch in unserem hochzivilisierten Land und quer durch sämtliche Bevölkerungs- und Bildungsschichten – von Sexismus, Missbrauch, Machtspielchen und Diskriminierung begleitet wird, rückte so ein wenig mehr in den Fokus.

Mit  Yasmina Banaszczuk, Nicole von Horst und Jasna Strick sind – neben der Kulturwissenschaftlerin Mithu M. Sanyal – drei Initiatorinnen von #aufschrei in diesem Buch versammelt. In ihren Essays gehen sie auf die Entstehung des Phänomens #aufschrei ein, ebenso wie auf die damit einhergehendenen Scheindebatten à la „Darf man(n) denn jetzt nicht mal mehr flirten?!“, das Victim blaming (Täter-Opfer-Umkehr), das Derailing (Ablenkungsstrategien) und das Missverständnis, dass die Affäre um den Politiker Rainer Brüderle der auslösende Faktor gewesen sei. Die Texte beschäftigen sich zudem auch mit der Definition von Sexismus, dem Entlarven von sexistischen Strukturen und Rollenbildern und natürlich auch mit den teils unglaublich hasserfüllten misogynen Reaktionen auf #aufschrei.

Heutzutage ernsthaft noch vorherrschende Geschlechtertheorien (Er: der neandertaloide Jäger. Sie: Hüterin des Heims und Nestbauerin), die immer noch Verbreitung finden und Menschen aller Geschlechter dazu bringen, mental in die Tischkante beißen zu wollen, werden ebenso kritisch beleuchtet.

Fazit: Durch #aufschrei und die inzwischen geschaffene Webseite www.alltagssexismus.de werden die negativen Erfahrungen von Frauen sichtbar gemacht, können nicht mehr so einfach als isolierte Einzelfälle wegsortiert werden.

Frauen lernen anhand dieser Geschichten aber auch, dass sie nicht allein sind. So etwas kann helfen, Muster des Missbrauchs und des Übergriffs besser zu erkennen, zu benennen, sich selbst so zu stärken und eine Stimme zu verleihen. Die Autorinnen erklären und zeigen Hintergründe, decken Verhaltensmuster auf, verdeutlichen festgefressene und falsche Rollenbilder und stellen auch mögliche Lösungsansätze zur langfristigen Sensibilisierung und Umstrukturierung unserer Gesellschaft vor. Der schmale Band zeigt, dass der erfolgte Aufschrei längst nicht sinnlos versandet, sondern der Diskurs noch immer lebendig ist, und macht Hoffnung auf ein besseres Irgendwann.

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